OneDrive Photos: Microsoft installiert App ohne Zustimmung auf Firmen-PCs
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 16:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Software-Konzern hat still und leise eine Verbraucher-App auf Millionen Firmen-PCs installiert. IT-Administratoren sind verärgert – und fordern Antworten.
Ein unscheinbares Software-Update hat diese Woche für helle Aufregung in der IT-Branche gesorgt. Microsoft hat die Anwendung „OneDrive Photos" ohne Vorwarnung auf Windows-11-Rechnern in Unternehmen installiert – auch auf Systemen, die zentral über Microsoft Intune verwaltet werden. Das Vorgehen wirft Fragen nach der Kontrolle über betriebliche IT-Umgebungen auf.
Update umgeht Kontrollmechanismen
Der Rollout begann am 4. August über Version 26.129.0706.0003 des OneDrive-Synchronisationsclients. Die App tauchte anschließend in der Windows-Suche und im Startmenü auf – selbst auf Geräten, für die Administratoren Unterdrückungsregeln eingerichtet hatten. Besonders ärgerlich: Die Anwendung funktioniert ausschließlich mit privaten Microsoft-Konten und unterstützt kein Entra ID, den Standard-Anmeldedienst für Unternehmen.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die App lässt sich nicht separat deinstallieren. Wer sie entfernen will, muss den gesamten OneDrive-Client löschen. Microsoft hat angekündigt zu prüfen, ob der Rollout versehentlich erfolgt ist.
Strategie mit doppeltem Boden
Der Vorfall passt zu einer Strategie, die Microsoft in aktuellen Regulierungsunterlagen offenlegt. Der Konzern nutzt Windows 11 demnach gezielt, um seine eigenen Dienste zu bewerben – vom Edge-Browser über die Suchmaschine Bing bis hin zum KI-Assistenten Copilot. Auch Microsoft-365-Abonnements, Teams und der Xbox Game Pass profitieren von dieser Plattform-Politik.
Kritik kommt dafür von der Browser Choice Alliance, einem Bündnis aus Wettbewerbern wie Google, Opera und Vivaldi. Die Organisation wirft Microsoft vor, die Wahlfreiheit der Nutzer einzuschränken, indem der Konzern die eigenen Dienste im Betriebssystem bevorzugt.
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Sicherheitslücken im KI-Umfeld
Während Microsoft seine KI-Dienste weiter ausbaut, melden Sicherheitsforscher Probleme. Die Experten von BeyondTrust Phantom Labs entdeckten Schwachstellen in Copilot Studio und Dataverse. Bestimmte Plugins mit .NET-Komponenten könnten demnach Administratorrechte erlangen und unbefugten Zugriff auf Netzwerke und Dateisysteme ermöglichen. Microsoft stuft das Problem als „feindliche Multi-Tenant-Umgebung" ein.
Parallel dazu expandiert der Konzern im KI-Geschäft: Die Dienste von LegalZoom und Paychex wurden in Copilot integriert, mit dem Sicherheitsanbieter Darktrace gibt es eine Partnerschaft für die KI-Plattform Agent 365. Zudem kündigte die Personalplattform Darwinbox mit „Cortex" eine neue KI-Lösung an, die in Zusammenarbeit mit Microsoft entstand.
Milliardenumsätze, juristische Altlasten
Finanziell läuft es für Microsoft weiterhin glänzend. Im Geschäftsjahr 2026 erzielte der Konzern einen Umsatz von umgerechnet rund 290 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von etwa 117 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis stieg um 21 Prozent auf rund 136 Milliarden Euro. Die Cloud-Sparte Azure wuchs um 41 Prozent und überschritt erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar.
Doch in Großbritannien droht juristischer Gegenwind. Zwei Verfahren beschäftigen sich mit Microsofts Lizenzpraktiken: Die Firma ValueLicensing fordert umgerechnet rund 315 Millionen Euro, eine Sammelklage von mehr als zwei Millionen Kunden verlangt zwischen 1,5 und 4,1 Milliarden Euro. Beide Klagen werfen Microsoft vor, den Markt für gebrauchte Software-Lizenzen eingeschränkt zu haben. Die nächsten Verhandlungstermine sind für Mitte September angesetzt.
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Ein Spiel als Ablenkung
Für einen kuriosen Nebenschauplatz sorgte derweil Azure-CTO Mark Russinovich: Er veröffentlichte ein Tool, mit dem sich das Kultspiel DOOM in Microsoft Paint ausführen lässt. Über einen ausgeklügelten Clipboard-Trick rendert die Software das Spiel mit 35 Bildern pro Sekunde – ein eindrucksvolles Beispiel für die komplexen Möglichkeiten der Windows-Zwischenablage.
