OneDrive Photos: Microsoft installiert Gesichtserkennung ohne Zustimmung
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 20:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Microsoft hat damit begonnen, eine neue Anwendung namens OneDrive Photos ohne explizite Zustimmung der Nutzer auf Windows-11-Systemen zu implementieren. Die Verteilung der Software erfolgt im Hintergrund, entweder über reguläre Windows-Updates oder durch Aktualisierungen des bestehenden OneDrive-Clients. Da die App tief in das Betriebssystem integriert ist, wirft der Rollout erhebliche Fragen zum Datenschutz und zur Nutzerkontrolle auf.
Tiefe Systemintegration und eingeschränkte Deinstallation
Nach aktuellen Berichten ist die Anwendung OneDrive Photos eng mit dem OneDrive-Dienst verknüpft und wird als Teil des Prozesses OneDrive.App.exe ausgeführt. Eine Besonderheit der Software ist, dass sie lokale Bilddateien auf dem Endgerät scannt, selbst wenn der Nutzer nicht mit einem Microsoft-Konto angemeldet ist. Dies unterscheidet die App von herkömmlichen Cloud-Anwendungen, die in der Regel eine aktive Anmeldung voraussetzen.
Die Deinstallation der Anwendung gestaltet sich für Anwender schwierig. In vielen Fällen kann OneDrive Photos nicht als eigenständiges Programm entfernt werden; eine vollständige Beseitigung ist oft nur durch die Deinstallation des gesamten OneDrive-Clients möglich. Sofern die Option in den Systemeinstellungen unter dem Punkt Installierte Apps vorhanden ist, kann ein Entfernungsversuch dort unternommen werden. Als alternative Übergangslösung für Nutzer, welche die App umgehen möchten, gilt die Änderung des Standard-Bildbetrachters in den Windows-Einstellungen.
Biometrische Gesichtserkennung mit restriktiven Regeln
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Ein zentraler Bestandteil von OneDrive Photos ist das sogenannte People-Feature. Diese Funktion nutzt künstliche Intelligenz, um Gesichter auf Fotos zu identifizieren und diese in Gruppen zu organisieren. Microsoft weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es sich bei den verarbeiteten Informationen um biometrische Daten handeln kann.
Die Verwaltung dieser Funktion ist mit strikten Einschränkungen verbunden. Nutzer können die Gesichtserkennung zwar deaktivieren, dies ist jedoch laut Programmvorgaben nur dreimal pro Jahr möglich. Im Falle einer Deaktivierung verspricht das Unternehmen, die gesammelten biometrischen Daten innerhalb eines Zeitraums von 30 Tagen zu löschen. Da sich die App derzeit noch in einer Beta-Phase befindet, könnten sich diese Parameter bis zu einer finalen Version noch ändern.
Ungeklärte Datenschutzfragen und rechtliche Risiken
Branchenanalysten und Datenschutzexperten kritisieren die mangelnde Transparenz bezüglich des Verarbeitungsortes der Daten. Da bisher nicht eindeutig geklärt ist, ob der Scan der Fotos und die biometrische Analyse lokal auf dem Gerät oder in der Microsoft-Cloud stattfinden, ist eine fundierte Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) gemäß der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) derzeit kaum möglich. Microsoft selbst verweist bei Anfragen auf die allgemeinen Datenschutzbestimmungen für Microsoft 365.
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Die automatische Erfassung biometriebasierter Merkmale ohne explizites Opt-in könnte für den Technologiekonzern zudem rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. In den USA ermöglicht der Biometric Information Privacy Act (BIPA) im Bundesstaat Illinois Klagen wegen solcher Praktiken. In der Vergangenheit führten ähnliche Vorwürfe bereits zu hohen Vergleichszahlungen durch andere Technologieunternehmen: Ein Branchenkollege zahlte in diesem Kontext 650 Millionen US-Dollar, ein anderer 100 Millionen US-Dollar.
Der Rollout von OneDrive Photos findet zudem in einem Zeitraum statt, in dem Microsoft seine Cloud-Dienste neu ordnet. So wurde bekannt, dass Samsung die Synchronisation zwischen seiner Gallery-App und OneDrive zum 30. September 2026 einstellen wird, was die Bedeutung der hauseigenen Microsoft-Lösungen für die Foto-Verwaltung weiter unterstreicht.
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