Online-Betrug, Milliarden

Online-Betrug: 15,9 Milliarden Dollar Schaden durch KI und Deepfakes

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 17:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

US-Betrugsschäden explodieren um 1.800 Prozent seit 1997. KI und Deepfakes treiben die Verluste auf 15,9 Milliarden Dollar im Jahr 2025.

KI-Betrug treibt US-Schäden auf 15,9 Milliarden Dollar
Computerbildschirm mit digitalen Sicherheitsdaten in einem gedimmten BĂĽro, das kommunale Cyberbetrugsrisiken darstellt. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Kriminelle nutzen KI und Deepfakes – und treiben die Verluste in schwindelerregende Höhen. Ein neuer Bericht des US-Finanzausschusses des Repräsentantenhauses zeigt: Die Betrugsschäden in den Vereinigten Staaten sind seit 1997 um atemberaubende 1.800 Prozent gestiegen. Allein 2025 verloren Amerikaner und Unternehmen 15,9 Milliarden Dollar durch Betrug und Scams. Die Haupttreiber: Künstliche Intelligenz, Deepfake-Technologie, verschlüsselte Messenger und immer schnellere Zahlungssysteme.

Der Bericht, veröffentlicht am 22. Juli 2026, zeichnet ein düsteres Bild. Rund 75 Prozent aller US-Bürger wurden bereits Opfer eines Online-Betrugs. Allein im vergangenen Jahr traf es 15 Millionen Menschen. Überraschend: Die höchste Erfolgsquote erzielen Betrüger nicht bei Senioren, sondern bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 29 Jahren.

Der Fall Surfside Beach: Eine Lehrstunde in Sachen Leichtgläubigkeit

Wie verwundbar selbst kleine Verwaltungen sind, zeigt der Fall der Stadt Surfside Beach in South Carolina. Im März 2026 verlor die Gemeinde 545.598 Dollar – durch einen klassischen Business Email Compromise (BEC). Die Masche: Die Täter registrierten am 9. März eine täuschend echte Domain. Statt eines kleinen „l" verwendeten sie ein großes „I" – für das menschliche Auge kaum zu unterscheiden.

Eine forensische Untersuchung der Kanzlei Constangy, Brooks, Smith & Prophete ergab: Die internen Systeme der Stadt blieben unangetastet. Die Mitarbeiter wurden schlicht ausgetrickst. Zwar gab es am 13. März einen Nachfrageversuch per E-Mail – doch das Geld landete auf einem betrügerischen Konto bei der American Express National Bank in Salt Lake City.

Die Konsequenzen sind hart: Zwei Mitarbeiter wurden entlassen. Und dann begann der Streit mit der Versicherung. Die lehnte den Schaden zunächst ab – mit der Begründung, die Stadt trage keine Schuld. Die Police greife nur, wenn die Gemeinde selbst fahrlässig gehandelt habe. Ein gefundenes Fressen für Juristen.

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Asien noch stärker betroffen – Versicherungsschutz lückenhaft

Doch die USA sind kein Einzelfall. Ein Bericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) vom 21. Juli 2026 zeigt: In der Asien-Pazifik-Region erbeuteten organisierte Banden 2025 zwischen 88,3 und 114,1 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Die Versicherungsprämien in der Region decken weniger als zwei Cent pro verlorenem Dollar ab. Die Lücke zwischen Schaden und Schutz wird weltweit größer.

Erpressung ohne VerschlĂĽsselung: Der neue Trend

Auch die Methoden der Erpresser wandeln sich. Immer häufiger verzichten Kriminelle auf die klassische Datei-Verschlüsselung. Stattdessen stehlen sie Daten und drohen mit der Veröffentlichung. Ein Beispiel: Im Jahr 2026 zahlte Union County im US-Bundesstaat Ohio 1 Million Dollar in Bitcoin an die Gruppe „Kairos" – nachdem die Täter zwei Terabyte an Daten entwendet hatten.

Laut Analysten von Sophos setzen inzwischen nur noch etwa 50 Prozent der Ransomware-Angriffe auf Verschlüsselung. Der Rest setzt auf reine Datenerpressung – schneller, einfacher, oft genauso effektiv.

Weitere Vorfälle der jüngsten Zeit:
- University City, Missouri (Juni 2026): Ein Cyberangriff legte Online-Dienste für einen Monat lahm. Die Behörden sprachen zunächst fälschlich von einem Serverproblem.
- Brighton, Ontario (10. Juli 2026): Unbefugte verschafften sich Zugang zum städtischen E-Mail-System und verschickten betrügerische Nachrichten.

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Wenn die Versicherung nicht zahlen will

Die wachsende Betrugswelle führt zu immer mehr Rechtsstreitigkeiten zwischen Geschädigten und Versicherern. Ein prominentes Beispiel: United Airlines verklagt derzeit die Homesite Insurance auf 5 Millionen Dollar. Hintergrund ist der CrowdStrike-Ausfall vom 19. Juli 2024. Sieben andere Versicherer zahlten ihre Anteile an den Gesamtschaden von 113,7 Millionen Dollar. Homesite jedoch weigert sich, 20,4 Millionen Dollar für Passagierentschädigungen zu übernehmen – mit der Begründung, die Zahlungen seien freiwillig gewesen und nicht durch die US-Luftfahrtbehörde vorgeschrieben.

Was tun? Experten fordern mehr Schutz

Um sich zu schĂĽtzen, empfehlen Experten von Kroll und Huntress Labs Gemeinden und Unternehmen:
- Multi-Faktor-Authentifizierung fĂĽr alle kritischen Systeme
- Ăśberwachung auf Netzwerkanomalien
- Strengere PrĂĽfverfahren fĂĽr Dritte
- Verbindliche Bestellprozesse mit mehreren Kontrollinstanzen

Einige Bundesstaaten reagieren bereits. In Indiana müssen Kommunen bei Anleiheemissionen formelle Notfallpläne für Cybervorfälle vorweisen. Der Grund: Besonders während Finanzierungsabschlüssen sind BEC-Angriffe extrem häufig – und die Schäden besonders hoch.

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