OpenAI, Unsichtbare

OpenAI textGrain: Unsichtbare Wasserzeichen für ChatGPT und Codex in der EU

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 01:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

OpenAI plant die Kennzeichnung von ChatGPT- und Codex-Texten in der EU; Erkennungsraten variieren je nach Textlänge und Fachgebiet.

OpenAI führt textGrain-Wasserzeichen für ChatGPT und Codex in der EU ein
Ein Stapel weißer Papierbögen auf einer dunklen, strukturierten Oberfläche in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Das US-amerikanische KI-Unternehmen OpenAI führt ein unsichtbares Text-Wasserzeichen namens textGrain für Ausgaben von ChatGPT und Codex im Raum der Europäischen Union ein.

Wie das Unternehmen mitteilt, soll der Rollout für Nutzer sämtlicher Tarifpläne in den kommenden Wochen erfolgen. Mit diesem Schritt reagiert das Unternehmen auf die gesetzlichen Transparenzvorgaben des europäischen Rechtsrahmens.

Artikel 50 des EU AI Act trat am 2. August 2026 in Kraft und schreibt vor, dass synthetisch generierte Text-, Audio-, Bild- und Videoinhalte maschinenlesbar gekennzeichnet werden müssen. Für bereits am Markt etablierte Anbieter generativer Systeme gilt eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026.

Statistische Signale und Grenzen der Erkennungsrate

Die Technologie textGrain bettet bei der Texterstellung ein unsichtbares statistische Signal direkt in die Wortwahl ein. Nach Unternehmensangaben sei das Verfahren gleichwertig oder leistungsfähiger als Googles SynthID, biete jedoch keine vollständige Garantie für eine lückenlose Erkennung im alltäglichen Einsatz.

Interne Messungen von OpenAI zeigen, dass bei einer festgelegten Falsch-Positiv-Rate von einem Prozent rund 95 Prozent der Passagen mit einem Umfang von 400 Token im Fachbereich Psychologie korrekt identifiziert werden. Bei kürzeren Abschnitten von 200 Token sinke der Wert auf etwa 80 Prozent, während die Erkennungsquoten im mathematischen Bereich deutlich niedriger ausfallen.

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Zudem reagiert das System empfindlich auf nachträgliche Textüberarbeitungen. Das gezielte Ersetzen von zehn Prozent der Wörter durch Synonyme reduziert die Erkennungsrate bei 400-Token-Texten von rund 92 Prozent auf 66 Prozent. Werden ein Viertel der Wörter ausgetauscht, fällt die Rate auf 17 Prozent.

Das Wasserzeichen überstehe leichte Modifikationen, halte jedoch starken Kompressionen oder Übersetzungen in andere Sprachen nicht stand. Auf die inhaltliche Qualität habe die Technologie laut OpenAI keinen messbaren Einfluss: Bei Tests mit dem Astra-Modell über acht Benchmarks, darunter GPQA Diamond, BrowseComp und DeepSWE, seien keine signifikanten Leistungsunterschiede festgestellt worden.

Zugriffsbeschränkungen und Schnittstellen für Entwickler

Für Entwickler außerhalb der Endkundenanwendungen gelten andere Regelungen. Weltweite Kunden der OpenAI-Programmierschnittstelle können das Wasserzeichen für unterstützte Modelle über eine Opt-in-Option aktivieren, standardmäßig bleibt die Funktion dort jedoch abgeschaltet. Über Cloud-Plattformen von Drittanbietern wie Microsoft Azure soll das Verfahren ebenfalls in den kommenden Wochen bereitgestellt werden.

Zur Überprüfung nutzt OpenAI bestehende Verfahren wie Content Credentials (C2PA) sowie SynthID von Google DeepMind. Die Verifikation kann öffentlich über eine webbasierte Schnittstelle sowie über eine kostenlose, jedoch kontingentierte Programmierschnittstelle für Herkunftsnachweise erfolgen. Ausgenommen von der Schnittstellen-Abdeckung sind die Bild- und Videomodelle gpt-image-1, gpt-image-1.5 und sora-2.

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Einen direkten Zugang zum Erkennungswerkzeug erhalten Endanwender nicht. OpenAI beschränkt den Zugriff auf geprüfte Forschungsteams und Expertenorganisationen, die einen entsprechenden Antrag stellen müssen.

Die Freigabe erfolge im Einzelfall auf Basis der Leitlinien des EU Code of Practice on Transparency of AI-Generated Content, der am 10. Juni 2026 finalisiert worden war und bis Ende Juli 2026 von rund 190 Organisationen unterzeichnet wurde. Das Analysewerkzeug gebe lediglich Auskunft darüber, ob ein Wasserzeichen vorliegt, und übermittle keine Informationen zu Nutzern oder deren Eingabebefehlen.

Wettbewerber und regulatorisches Umfeld

Mit der Implementierung schließt OpenAI zu Mitbewerbern auf. Das Konkurrenzunternehmen Anthropic kennzeichnet Texte des Modells Claude bereits seit dem 11. August 2026 weltweit standardmäßig mit Wasserzeichen und strebt den 2. Dezember 2026 als Zielmarke für die Nachrüstung älterer Modellgenerationen an.

Mehr zum Thema bei The Verge: „OpenAI is adding text watermarking in ChatGPT and Codex“

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