Operation, Olympus

Operation Olympus Blade: BKA und FBI zerschlagen Phishing-Netzwerke

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 03:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Internationale Operation zerschlĂ€gt zwei große Phishing-Netzwerke. Festnahmen in Indonesien und Pakistan. Android-Banking-Trojaner legen um 56 Prozent zu.

BKA und FBI legen Cybercrime-Plattformen Kratos und Tycoon2FA lahm
Ein Smartphone-Display zeigt eine Warnung vor einer gefĂ€lschten Banking-App mit digitalen Sicherheits-Symbolen. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Das Bundeskriminalamt (BKA) und das FBI haben zwei der grĂ¶ĂŸten Cybercrime-Plattformen der Welt lahmgelegt. Die „Operation Olympus Blade“ traf die Phishing-Plattform Kratos und das Netzwerk Tycoon2FA. Beide dienten der massenhaften Verbreitung gefĂ€lschter Banking-Apps.

Server in mehreren LĂ€ndern beschlagnahmt

Über 200 Server der Plattform Kratos wurden unschĂ€dlich gemacht. Das System versorgte rund 1.800 Kunden und ermöglichte monatlich etwa 15.000 kriminelle Kampagnen in 35 LĂ€ndern. Seit 2024 flossen laut Ermittlern ĂŒber 300.000 Euro an Erlösen. Der Hauptadministrator wurde in Indonesien festgenommen.

Parallel dazu gelang ein Schlag gegen Tycoon2FA. Diese Infrastruktur verbreitete 96.000 gefÀlschte Banking-Apps in mehr als 30 LÀndern. In Pakistan nahmen die Behörden zwei Hauptmitglieder fest. Die TÀter nutzten sogenannte Adversary-in-the-Middle-Techniken, um die Zwei-Faktor-Authentifizierung von Bankkunden zu umgehen.

Explosion bei mobilen Banking-Trojanern

Die Bedrohungslage verschÀrft sich rasant. Kaspersky blockierte im ersten Quartal 2026 bereits 2,67 Millionen mobile Angriffe und rund 300.000 Schadprogramme. Besonders krass: Android-Banking-Trojaner legten um 56 Prozent zu.

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Auch Neobanken geraten ins Visier. Die Verdachtsmeldungen stiegen von 34.000 auf ĂŒber 108.000 FĂ€lle. Insgesamt registrierten die Behörden 2025 rund 374.700 BetrugsfĂ€lle – ein Plus von 41 Prozent. Das FBI warnt zudem vor Deepfakes: SchĂ€tzungen zufolge basieren bereits 85 Prozent der BetrugsfĂ€lle auf IdentitĂ€tsdiebstahl.

Ein Fall aus Indien zeigt die Dimensionen: In Kanpur wurde ein Jugendlicher festgenommen, der gefĂ€lschte Banking-APKs erstellt haben soll. Das Betrugsvolumen: umgerechnet rund 7 Millionen Euro. In Rajasthan verhaftete die Polizei einen mutmaßlichen Drahtzieher, dessen Netzwerk ĂŒber 450 Konten fĂŒr GeldabflĂŒsse nutzte.

Neue Maschen: Von Phishing-Mails bis FaceTime

Die Kriminellen werden kreativer. Aktuell warnen VerbraucherschĂŒtzer vor gefĂ€lschten Sparkassen-Mails, die unter dem Vorwand einer Kontosperrung zur Dateneingabe auffordern. Zudem geben sich BetrĂŒger via FaceTime als Bankmitarbeiter aus und verlangen Bildschirmfreigaben oder Einmalcodes. In der Vorderpfalz hĂ€uften sich Anrufe, bei denen TĂ€ter mit korrekten Adressdaten Vertrauen erschlichen, um PINs zu erfragen.

Die Plattformbetreiber reagieren. GMX und WEB.DE fĂŒhren im Juli 2026 Passkeys fĂŒr ihre 38 Millionen Nutzer ein. Microsoft plant, die SMS-Authentifizierung bis Anfang 2027 abzuschaffen – Passkeys fĂŒr Unternehmenskonten kommen schon ab September 2026.

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Wer haftet bei Betrug?

FĂŒr betroffene Kunden stellt sich die entscheidende Frage: Bekomme ich mein Geld zurĂŒck? Die Rechtslage ist klar: Banken mĂŒssen unbefugte Zahlungen bis zum Ende des nĂ€chsten GeschĂ€ftstages erstatten. Bei einfacher FahrlĂ€ssigkeit haftet der Kunde maximal mit 50 Euro.

Doch Vorsicht: Grobe FahrlÀssigkeit hebelt diesen Schutz aus. Der Bundesgerichtshof bestÀtigte 2025: Wer TANs am Telefon weitergibt, handelt grob fahrlÀssig. Fehlt dagegen eine starke Kundenauthentifizierung seitens der Bank, liegt die Haftung beim Institut.

Die Schufa-Umfrage zeigt die Dringlichkeit: Jeder vierte Deutsche wurde bereits Opfer von Online-Betrug. Bei Verdacht raten Experten zur sofortigen Kontosperrung ĂŒber die 116 116 und zur Strafanzeige.

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