Operation Olympus Blade: BKA zerschlägt zwei Phishing-Plattformen
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 08:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bundeskriminalamt hat bei der Operation „Olympus Blade“ gleich zwei zentrale Infrastrukturen für Cyberkriminalität lahmgelegt. Zusammen mit dem FBI und anderen internationalen Partnern gingen die Ermittler gegen die Plattformen „Kratos“ und „Tycoon2FA“ vor. Auch ein kriminelles Netzwerk in Pakistan wurde zerschlagen.
Kratos: Phishing für jedermann
Die Plattform Kratos war ein sogenannter „Phishing-as-a-Service“-Anbieter. Kriminelle konnten dort gegen Bezahlung fertige Werkzeuge für Cyberangriffe mieten. Seit 2024 setzte der Dienst rund 300.000 Euro um. Etwa 1.800 registrierte Nutzer führten damit monatlich rund 15.000 Angriffskampagnen durch.
Der mutmaßliche Hauptadministrator wurde in Indonesien festgenommen. Mehr als 200 Server stellten die Behörden sicher. Mindestens 850 Geschädigte aus 35 Ländern wurden bislang identifiziert.
Zwölf Festnahmen in Lahore
Parallel gelang den Ermittlern ein Schlag gegen eine Bande in Lahore, Pakistan. Zwölf Mitglieder wurden festgenommen, die seit 2019 aktiv gewesen sein sollen. Die Gruppe spezialisierte sich auf gefälschte Banking-Apps – insgesamt über 96.000 Stück.
Das System „Tycoon2FA“ hatte die Bande rund 66.000 Mal verkauft. Interpol fahndet noch nach vier weiteren flüchtigen Personen.
Gefälschte Steuerbelege als Köder
Eine aktuell beobachtete Kampagne setzt auf das Thema Goods and Services Tax (GST). Die Angreifer verschicken gefälschte Steuerbelege, die den Fernzugriffstrojaner „Remcos RAT“ enthalten. Die Schadsoftware läuft direkt im Arbeitsspeicher – Sicherheitsprogramme erkennen sie so schwerer.
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Auch in Deutschland schlagen Betrüger zu. Die Verbraucherzentrale Sachsen warnt vor E-Mails angeblich vom Bundeszentralamt für Steuern. Die Täter fordern eine IBAN-Bestätigung für ein SEPA-Lastschriftmandat. Sparkassen- und Volksbank-Kunden werden mit gefälschten Sicherheitsupdates für ChipTAN oder SecureGo Plus geködert.
Android-Banking-Trojaner legen zu
Die Bedrohungslage auf Mobilgeräten verschärft sich. Im ersten Quartal 2026 verzeichneten Experten rund 2,67 Millionen Angriffe durch Schadsoftware auf Smartphones. Android-Banking-Trojaner legten im Vergleich zum Vorjahr um 56 Prozent zu. Die Zahl der Verdachtsfälle bei Neobanken stieg von 34.000 auf 108.000.
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Wer Opfer von Phishing wird, hat gute Chancen auf Erstattung. Nach § 675u BGB muss die Bank bei nicht autorisierten Zahlungen haften – es sei denn, der Kunde handelde grob fahrlässig. Die Beweislast liegt beim Institut. Wer allerdings Warnhinweise ignoriert oder TANs trotz abweichender Empfängerdaten mehrfach weitergibt, kann haftbar gemacht werden.
Seit Juli 2026 führen große deutsche E-Mail-Anbieter verstärkt Passkeys ein. Die Sicherheitsfunktion soll Nutzerkonten besser vor Phishing-Angriffen schützen.
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