Optische Atomuhr: Eine Sekunde Abweichung erst nach 55 Milliarden Jahren
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die physikalische Erfassung von Zeit erreicht eine neue Dimension der Genauigkeit. Ein Forschungsteam der National University of Singapore um Murray Barrett, Michael Lee und Kyle Arnold stellte am 23. September 2026 eine optische Atomuhr auf Basis des chemischen Elements Lutetium vor, die als prÀziseste Uhr der Welt gilt.
Das System arbeitet zehnmal prĂ€ziser als bisherige Atomuhren. Die theoretische Abweichung liegt bei lediglich einer Sekunde nach 55 Milliarden Jahren â einer Zeitspanne, die das geschĂ€tzte Alter des Universums von 13,8 Milliarden Jahren um ein Vielfaches ĂŒbertrifft.
Technische Funktionsweise und extreme StabilitÀt
Das Funktionsprinzip der Anlage beruht auf Lutetium, dem schwersten Element der Seltenen Erden. Die fĂŒr den Taktgeber eingesetzte Laser-Strahlung schwingt 353,6 Billionen Mal pro Sekunde. Ein zentraler Vorteil des gewĂ€hlten Elements liegt in seiner Unempfindlichkeit gegenĂŒber UmgebungseinflĂŒssen wie Temperaturschwankungen und störenden Magnetfeldern.
In experimentellen Vergleichen erzielten die Forscher eine beispiellose Konsistenz: Zwei synchron betriebene Uhren stimmten bis zur 19. Nachkommastelle ĂŒberein.
Bei einer relativen Messunsicherheit von 5,7 Zehntrillionstel beliefe sich die Abweichung zwischen diesen beiden Einheiten auf unter eine Sekunde in mehr als 300 Milliarden Jahren. Damit ĂŒbertrifft die Konstruktion auch die bisherige Kalzium-Ionen-Uhr eines chinesischen Teams aus dem Februar 2026 um das Vierfache an Genauigkeit. Die Forschungsresultate wurden im Fachjournal Nature veröffentlicht.
Eine Uhr, die erst nach 55 Milliarden Jahren eine Sekunde abweicht â und bei nur 5 Millimetern Höhenunterschied bereits eine Zeitdifferenz anzeigt. Was hinter dieser PrĂ€zision steckt und wie sie als Sensor fĂŒr Vulkan- und Rohstoffmessungen genutzt werden kann, erklĂ€rt dieser Leitfaden in drei nachvollziehbaren Schritten. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Nachweis relativistischer Effekte im Millimeterbereich
Die hohe MessprĂ€zision macht fundamentale physikalische PhĂ€nomene in sehr kleinem MaĂstab sichtbar. GemÀà Einsteins Allgemeiner RelativitĂ€tstheorie vergeht Zeit in der NĂ€he groĂer Massen aufgrund der Gravitation langsamer. Bei der Versuchsanordnung an der National University of Singapore zeigte sich bereits bei einem Höhenunterschied von nur 5 Millimetern eine messbare Zeitdifferenz zwischen zwei Uhren.
Diese Eigenschaft eröffnet Einsatzbereiche jenseits der reinen Zeitangabe. Da HöhenÀnderungen und Dichteschwankungen im Erdinneren das Gravitationsfeld beeinflussen, lassen sich solche optischen Uhren als hochempfindliche Sensoren nutzen. Das Forschungsteam verweist unter anderem auf praktische Anwendungen bei der Vermessung von Magmakammern unter Vulkanen sowie auf neue Möglichkeiten in der Rohstoffkartierung.
Neudefinition der Standardsekunde im Blick
Die Ergebnisse aus Singapur liefern zudem wichtige Impulse fĂŒr die internationale Messtechnik. Bislang basiert die Definition der Sekunde im Internationalen Einheitensystem auf der Mikrowellen-Resonanz von CĂ€sium-Atomen mit exakt 9.192.631.770 Schwingungen.
Die Sekunde, wie wir sie kennen, basiert auf CĂ€sium â doch optische Uhren sollen sie ablösen, eine Entscheidung wird fĂŒr 2030 oder spĂ€ter erwartet. Was das fĂŒr Messtechnik und Industrie bedeutet und warum die Lutetium-Uhr dabei eine SchlĂŒsselrolle spielt, ordnet dieser Leitfaden ein. Fahrplan zur neuen Sekunde sichern
Neuartige optische Atomuhren sollen diese traditionelle CĂ€sium-Sekunde ablösen. Eine offizielle internationale Entscheidung ĂŒber die Neudefinition der Basiseinheit wird fĂŒr das Jahr 2030 oder spĂ€ter erwartet.
Mehr zum Thema bei n-tv: âLutetium-Atomuhr mit neuem PrĂ€zisionsrekord: Eine Sekunde Abweichung nach 55 Milliarden Jahren - nâ
