Order-to-Cash: KI-Agenten lösen 88 Prozent der Fälle selbst
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Fachkräftemangel zwingt Unternehmen zu drastischen Maßnahmen. Im Finanzbereich setzen sie jetzt auf Künstliche Intelligenz, um ihre Prozesse zu stabilisieren. Über 25 Prozent der Firmen klagen bereits über personelle Engpässe – mit steigender Tendenz.
Die Automatisierung des sogenannten Order-to-Cash-Zyklus (O2C) rückt dabei in den Fokus. Ziel ist es, Mitarbeiter von Routineaufgaben zu entlasten. So sollen Kapazitäten für strategische Entscheidungen frei werden.
Sprachsteuerung für Finanzdaten
Ein Unternehmen namens Billtrust kündigte am 24. Juli die Einführung von MCP-Servern an. Diese verbinden seine Invoice-to-Cash-Plattform mit Systemen wie Microsoft Copilot oder Claude. Finanzteams können Außenstände künftig per natürlicher Sprache abfragen.
Das Netzwerk des Anbieters umfasst Daten von rund 13 Millionen Käufern. Das jährliche Rechnungsvolumen liegt bei über einer Billion US-Dollar. Für 2026 ist eine zweite Phase geplant, die aktive Prozesssteuerung ermöglicht.
Auch Turnstile erweitert seine Quote-to-Cash-Plattform. Seit dem 23. Juli steuern KI-Agenten den gesamten Prozess von der Preisgestaltung bis zur Abrechnung. CEO Jordan Zamir betont die Notwendigkeit flexibler Preismodelle.
Speziallösungen für konkrete Probleme
Im Detail zielen verschiedene Anwendungen auf spezifische Engpässe:
- Rechnungsverarbeitung: allinvos stellte ein KI-Modul für die Kreditorenbuchhaltung vor. Die Trefferquote bei der positionsgenauen Vorkontierung soll bis zu 98 Prozent erreichen. Im ersten Quartal seien Einsparungen von bis zu 25 Prozent möglich.
Während KI-Agenten die Rechnungsverarbeitung beschleunigen, müssen Unternehmen gleichzeitig die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen für solche Systeme im Blick behalten. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden zeigt Ihnen kompakt die wichtigsten Pflichten und Fristen des EU AI Acts. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
-
Bestellwesen: ProdAI.Q bietet seit dem 24. Juli eine erweiterte Suite für ERP-Nutzer. PDF-Bestellungen werden per OCR automatisch in SAP oder Oracle integriert. Proton.ai meldete eine Lösung, die Kundenanfragen verarbeitet und Angebote erstellt – mit einer Zeitersparnis von 75 Prozent.
-
Inkasso: Monk lancierte am 24. Juli eine Anwendung namens Voice Collections. Ein KI-Agent führt Telefonate für das Inkasso und beantwortet Kundenfragen. Erste Auswertungen zeigen eine um 24 Prozent höhere Antwortrate als bei E-Mails. Über 88 Prozent der Fälle wurden ohne menschliches Eingreifen gelöst.
RecVue veröffentlichte mit RevOS ein System mit über 50 spezialisierten Agenten. Sie decken Bereiche wie Vertragsmanagement und Fakturierung ab. Jede Aktion bleibt auditierbar und kann bei Bedarf eine menschliche Freigabe erfordern.
Wenn KI-Agenten die Kommunikation mit säumigen Zahlern übernehmen, bleibt die rechtssichere Gestaltung des Mahnwesens dennoch die entscheidende Basis für den Erfolg. Sichern Sie sich sechs sofort einsetzbare Mustervorlagen und Experten-Tipps für ein wirkungsvolles Forderungsmanagement. 6 Mustervorlagen für Mahnschreiben kostenlos herunterladen
Großkonzerne auf dem Weg zur KI-Finanzabteilung
Bayer verfolgt einen Transformationspfad im Berichtswesen. Ein zentraler Datenhub und KI-basierte Workflows bilden die Grundlage. Ziel ist ein dialogbasierter Zugang zu Finanzdaten unter dem Namen „InsightsNow“.
Airbus setzt auf RISE with SAP in einer Sovereign Cloud. Über 100.000 Mitarbeiter sollen von den integrierten KI-Funktionen profitieren. Die standardisierte Basis deckt Finanzen und Lieferketten ab.
Trotz aller Fortschritte warnt Billtrust-CTO John Landy vor übertriebenen Erwartungen. „KI allein kann fragmentierte Infrastrukturen nicht reparieren“, sagte er am 23. Juli. Der eigentliche Wert liege in der Optimierung von Workflows.
Hochvolumige Prozesse wie die Zahlungszuordnung sind prädestiniert für die Automatisierung. Bei strategischen Finanzentscheidungen bleibt die menschliche Aufsicht aber weiterhin unverzichtbar.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
