Osteopathie bei Rückenschmerz: IGeL-Monitor stuft Nutzen als unklar ein
20.06.2026 - 01:04:11 | boerse-global.de
Osteopathie bei Rückenschmerzen und Probiotika nach Antibiotika – zwei weit verbreitete Behandlungen stehen wissenschaftlich massiv in der Kritik.
Der IGeL-Monitor hat die Wirksamkeit von Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen erneut als „unklar“ eingestuft. Die Bewertung vom 18. Juni 2026 basiert auf zehn Studien mit 1.160 Teilnehmenden. Kein eindeutiger Nutzen gegenüber Scheinbehandlungen war nachweisbar. Die Qualität der Evidenz ist niedrig, zudem vermuten Experten einen Publikationsbias – positive Ergebnisse werden häufiger veröffentlicht als negative.
Während die Wirksamkeit passiver Therapien oft umstritten bleibt, setzen Experten zunehmend auf gezielte Selbsthilfe. Prof. Dr. Wessinghage zeigt in seinem kostenlosen Ratgeber 17 einfache Übungen, die in nur 3 Minuten täglich Verspannungen lösen und Schmerzen lindern können. 17 sofort umsetzbare Wunderübungen kostenlos anfordern
Hohe Nachfrage trotz dünner Datenlage
Rund 90 Prozent aller Rückenschmerzen in Deutschland gelten als unspezifisch. Millionen Betroffene sind betroffen. Eine Osteopathie-Sitzung kostet zwischen 80 und 150 Euro – und wird von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht regulär übernommen. Einige Kassen gewähren freiwillige Zuschüsse: Die AOK Niedersachsen übernimmt bis zu 500 Euro pro Jahr, andere Versicherer bis zu 400 Euro.
Die Fachwelt ist gespalten. Prof. Daniel Belavy von der Hochschule für Gesundheit in Bochum sagt klar: Osteopathie sei nicht wirksamer als ein Placebo und sollte nicht von den Kassen unterstützt werden. Lucia Gassner vom Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA) gibt zu bedenken: Die Bewertung „unklar“ beschreibe vor allem eine Evidenzlücke – keine negative Wirksamkeit. David Hohenschurz-Schmidt vom Imperial College London fordert große, methodisch hochwertige Studien.
Probiotika: Regeneration oder Störung?
Parallel zur Osteopathie-Debatte geraten Probiotika ins Visier der Forschung. Eine Studie in Nature Medicine vom 18. Juni 2026 zeigt: Bereits eine einmalige Gabe bestimmter Antibiotika kann das Mikrobiom über Jahre verändern. Besonders Clindamycine und Fluorchinolone hinterlassen tiefe Spuren.
Die Annahme, Probiotika könnten die Darmflora schnell regenerieren, wird zunehmend infrage gestellt. Ein Review von 2023 bescheinigte ihnen während der Behandlung nur begrenzten Nutzen. Eine Cell-Studie von 2018 wies sogar darauf hin: Probiotika nach Antibiotika können die natürliche Erholung des Mikrobioms verzögern. Experten empfehlen stattdessen ballaststoffreiche Ernährung und fermentierte Lebensmittel.
Neue Wege in der Schmerztherapie
Während alternative Methoden unter Druck geraten, gibt es Fortschritte in der Regelversorgung. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 18. Juni 2026 die Anforderungen für das Disease-Management-Programm (DMP) bei chronischem Rückenschmerz aktualisiert. Basis war eine IQWiG-Auswertung mit 425 Empfehlungen aus elf Leitlinien.
Medikamente und Arzttermine allein reichen bei chronischen Beschwerden oft nicht aus. Dieser Experten-Report zeigt, wie Sie mit minimalem Aufwand von zu Hause aus Ihre Beweglichkeit zurückgewinnen und Muskeln gezielt aufbauen können. Kostenlosen Sicherheits-Ratgeber jetzt herunterladen
Das Programm richtet sich an Patienten mit Schmerzdauer über zwölf Wochen. Der Fokus liegt auf körperlicher Aktivität und dem Abbau von Angst-Vermeidungs-Verhalten. Konkrete Angebote stehen noch aus – die Verträge auf regionaler Ebene müssen erst geschlossen werden.
Ergänzend zeigt eine aktuelle Cluster-Studie in JAMA Network Open: Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) erzielt bei Fibromyalgie signifikante Verbesserungen. 72 Prozent der Teilnehmenden berichteten über klinische Verbesserungen. Ganz anders sieht es bei Post-Covid-Patienten aus: Die Immunadsorption erwies sich laut einer Studie in The Lancet Regional Health als wirkungslos gegen Erschöpfungssymptome.
