Osteoporose, Diagnose

Osteoporose: 80 Prozent erfahren die Diagnose erst nach dem ersten Bruch

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
HĂŒftbrĂŒche gefĂ€hrden MobilitĂ€t und Überleben; FrĂŒherkennung und Medikamente können das Risiko weiterer Frakturen senken.
Ein leerer, sonnendurchfluteter Flur in einer modernen Pflegeeinrichtung mit poliertem Holzboden. Illustration mit AI erstellt.

Weltweit leben SchĂ€tzungen zufolge mehr als 500 Millionen Menschen mit Osteoporose. Der fortschreitende Verlust an Knochendichte fĂŒhrt insbesondere im höheren Lebensalter zu einer massiven Zunahme von FragilitĂ€tsfrakturen. Rund jede dritte Frau und jeder fĂŒnfte Mann ab dem 50. Lebensjahr erleiden im Laufe ihres weiteren Lebens einen Knochenbruch dieser Art.

Zu den hĂ€ufigsten Bruchstellen zĂ€hlen neben dem distalen Radius vor allem die HĂŒfte und die WirbelsĂ€ule. Insbesondere Frakturen in diesen beiden Bereichen ziehen weitreichende Folgen fĂŒr die SelbststĂ€ndigkeit nach sich und gehen mit einer deutlich erhöhten Sterblichkeit einher.

Hohe MortalitĂ€t und Verlust der SelbststĂ€ndigkeit nach HĂŒftfrakturen

HĂŒftfrakturen machen rund 24 Prozent aller osteoporotischen Frakturen aus und gelten in der Geriatrie als die schwerste Komplikation. Bei ĂŒber 65-JĂ€hrigen entfallen 45 bis 55 Prozent dieser BrĂŒche auf Schenkelhalsfrakturen, die infolge des beschleunigten Knochenabbaus besonders hĂ€ufig postmenopausale Frauen betreffen. Insgesamt tragen Frauen ein zwei- bis dreifach höheres Risiko fĂŒr HĂŒftfrakturen als MĂ€nner.

Internationale Erhebungen verdeutlichen das Ausmaß der gesundheitlichen Folgen: Nach einer HĂŒftfraktur können rund 35 Prozent der Patienten nicht mehr selbststĂ€ndig gehen, wĂ€hrend etwa 25 Prozent dauerhaft auf Langzeitpflege angewiesen sind.

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Auch die Sterblichkeitsrate ist gravierend erhöht. Internationale Daten weisen eine Sechs-Monats-MortalitĂ€t von 10 bis 20 Prozent sowie eine Ein-Jahres-MortalitĂ€t von 20 bis 30 Prozent auf; rund ein Drittel der Ă€lteren Betroffenen ĂŒberlebt das erste Jahr nach der Verletzung nicht.

Eine fachĂ€rztliche Auswertung fĂŒr Familienmedizin beziffert die Ein-Jahres-MortalitĂ€t bei Patienten ab 50 Jahren auf 21,5 Prozent bei MĂ€nnern und 15,5 Prozent bei Frauen.

Um Komplikationen zu begrenzen, wird ein chirurgischer Eingriff möglichst innerhalb von 24 Stunden und spÀtestens 48 Stunden nach der Verletzung empfohlen. Bei Verdacht auf eine Schenkelhalsfraktur raten Experten zu sofortiger Ruhigstellung ohne Mobilisierungsversuche oder Massagen sowie zur zeitnahen bildgebenden Diagnostik mittels Röntgen oder Computertomografie.

Schleichende Gefahr an der WirbelsÀule

WĂ€hrend HĂŒftverletzungen meist unverzĂŒglich operiert werden mĂŒssen, bleiben WirbelsĂ€ulenfrakturen hĂ€ufig zunĂ€chst unbemerkt. Osteoporotische Kompressionsfrakturen können bereits durch alltĂ€gliche Belastungen wie BĂŒcken, leichtes Heben, starkes Husten oder das Aufstehen aus dem Bett entstehen. Die Folgen sind chronische Schmerzen, ein Verlust an KörpergrĂ¶ĂŸe sowie eine VerkrĂŒmmung der WirbelsĂ€ule in Form einer Kyphose.

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Klassische BehandlungsansĂ€tze mit lĂ€ngerer Bettruhe bergen erhebliche Risiken fĂŒr DruckgeschwĂŒre, LungenentzĂŒndungen, Blutgerinnsel, Muskelschwund und weiteren Knochenabbau. Neben einer zunĂ€chst konservativen Schmerztherapie kommen bei anhaltenden Schmerzen minimalinvasive Verfahren wie die Vertebroplastie oder Kyphoplastie zum Einsatz, bei denen der Wirbel mit Knochenzement stabilisiert wird.

FrĂŒherkennung und medikamentöse Therapien

Trotz der schweren Risiken werden SchĂ€tzungen zufolge rund 80 Prozent der Betroffenen erst nach dem ersten Knochenbruch diagnostiziert. Nach einer osteoporotischen Fraktur liegt die Wahrscheinlichkeit fĂŒr einen Folgebruch bei etwa 50 Prozent. Als Goldstandard fĂŒr die rechtzeitige Diagnose gilt die Knochendichtemessung mittels DXA-Verfahren.

Etablierte medikamentöse Behandlungen – darunter Bisphosphonate, Denosumab, Teriparatid und Romosozumab – können das Wirbelfrakturrisiko in Studien um etwa 40 bis 70 Prozent und das HĂŒftfrakturrisiko um 40 bis 50 Prozent senken. Vor dem Hintergrund der alternden Weltbevölkerung nimmt die Dringlichkeit zu: Bis zum Jahr 2050 werden weltweit voraussichtlich 6,3 Millionen HĂŒftfrakturen jĂ€hrlich erwartet, mehr als die HĂ€lfte davon in Asien.

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