Osteoporose: Nur 9 Prozent leben nach Oberschenkelhalsbruch wie zuvor
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deSeit dem Jahr 1997 macht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit dem Weltosteoporosetag am 20. Oktober auf die Risiken von Knochenschwund aufmerksam. Die Erkrankung gilt als weitgehend unbemerkt verlaufende Erscheinung, da sie über längere Zeit symptomlos bleibt und sich häufig zunächst nur durch Rückenschmerzen bemerkbar macht.
Da die Knochendichte schleichend sinkt und das Frakturrisiko zunimmt, ist Osteoporose nicht heilbar. Typische Folgen eines Sturzes sind Speichenbrüche am Handgelenk, Kompressionsfrakturen der Wirbelsäule sowie Oberschenkelhalsbrüche. Nach einer Oberschenkelhalsfraktur kehren nach vorliegenden Daten lediglich 9 % der Betroffenen zu ihrer früheren Lebensweise zurück.
Verbreitung und individuelle Risikofaktoren
Nach weltweiten Schätzungen leben rund 500 Millionen Menschen mit Knochenschwund. Für Deutschland gehen Berichte von mehr als 2 Millionen Betroffenen aus, viele davon ohne eine gesicherte Diagnose.
Auch wenn die Erkrankung nicht ausschließlich Frauen betrifft, tragen Frauen nach den Wechseljahren das höchste Risiko, da ein sinkender Östrogenspiegel den Knochenabbau beschleunigen kann. Nach Angaben der Osteoporose-Gesellschaft Taiwans sind dort jede dritte Frau und jeder fünfte Mann betroffen; die Quote für erneute Brüche nach einer ersten osteoporotischen Fraktur liegt bei 50 %.
Als wesentliche Risikofaktoren gelten neben dem Alter und erblicher Vorbelastung auch Untergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen sowie die Einnahme bestimmter Medikamente. Im Alter verstärken zudem Muskelschwäche, Seh- und Schlafstörungen sowie Gleichgewichtsprobleme das Risiko für Stürze.
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Diagnostik und Möglichkeiten der Sturzprävention
Über das Bruchrisiko entscheidet laut dem Dachverband Osteologie nicht allein die gemessene Knochendichte. Dennoch bildet das DXA-Messverfahren an beiden Hüften und der Lendenwirbelsäule den Standard.
Ein T-Wert von 0 bis -1 signalisiert eine gesunde Knochendichte, während Werte unter -2,5 auf eine Osteoporose hinweisen. Patienten in Deutschland haben alle fünf Jahre Anspruch auf diese Untersuchung als Kassenleistung. Für eine verlässliche Diagnose sind ergänzend Arztgespräche und Blutuntersuchungen erforderlich.
Hinsichtlich der Vorbeugung von Stürzen liefert ein systematischer Cochrane-Review aus dem Jahr 2026 neue Einordnungen. Ein britisches Forscherteam um Cynthia Swarnalatha wertete 110 randomisiert-kontrollierte Studien mit 48.919 selbstständig lebenden Teilnehmenden ab 60 Jahren aus.
Das Ergebnis zeigt, dass personalisierte, multifaktorielle Maßnahmen die Sturzzahl zwar leicht reduzieren können, einfachen Ansätzen wie regelmäßigem körperlichem Training oder Schulungen jedoch nicht überlegen sind.
Fachleute raten daher zu strukturierten Bewegungsformen. Um knochenaufbauende Zellen zu aktivieren, benötigen Knochen Stoß- und Zugreize. Sportarten mit eigenem Körpergewicht wie Nordic Walking oder Wandern sowie gezieltes Krafttraining stärken das Skelett am stärksten. Schwimmen oder Radfahren bieten hingegen oft unzureichende Reize.
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Bei bestehender Osteoporose sollten Sportarten mit abrupten Drehbewegungen der Wirbelsäule, darunter Golf oder Tennis, wegen der Gefahr von Wirbelbrüchen gemieden werden. Neben dem Kraft- und Balancetraining trägt auch das Beseitigen von Gefahrenquellen wie Teppichkanten oder schlechter Beleuchtung im Wohnumfeld zum Schutz bei.
Ernährung und neue Therapieansätze
Zur Basispflege der Knochen gehört eine gezielte Zufuhr von 1000 mg Calcium täglich über die Nahrung sowie ausreichend Vitamin D. Ergänzend werden eine ausgewogene Kost mit mindestens 400 g Obst und Gemüse am Tag, der Verzicht auf Nikotin sowie eine Beschränkung auf maximal zwei Tassen Kaffee täglich angeraten. Bestimmte Heilwässer mit mindestens 250 mg oder bis zu 500 mg Calcium pro Liter können nachweislich zur Bedarfsdeckung beitragen.
Reichen Basismaßnahmen nicht aus, kommen medikamentöse Therapien zum Einsatz. Für künftige Behandlungsmöglichkeiten lieferte die Universität Ulm im Jahr 2026 experimentelle Ergebnisse: Ein Forschungsteam zeigte im Fachjournal Bone Research, dass das Eiweißmolekül Axl den Knochenaufbau hemmt.
Durch die Gabe des Wirkstoffs BGB324 konnte das Molekül blockiert werden, woraufhin sich bei Mäusen bereits nach zwei bis vier Wochen deutlich mehr Knochenmasse an Oberschenkeln und Wirbeln bildete. Der Wirkstoff wird parallel bereits in der Onkologie klinisch erprobt.
