Osteoporose, Zähne

Osteoporose und Zähne: Jede achte Patientin entwickelte eine Kiefernekrose

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine finnische Studie verknüpft bestimmte Zahnprobleme mit mehr Kiefernekrosen; ein eigenmächtiger Denosumab-Stopp kann Wirbelfrakturen begünstigen.
Ein heller, steriler Behandlungsraum einer Zahnarztpraxis mit einem leeren Behandlungsstuhl. Illustration mit AI erstellt.

Die medikamentöse Behandlung von Osteoporose erfordert eine enge Abstimmung zwischen behandelnden Ärzten und der Zahnmedizin. Anlässlich des Weltosteoporosetags am 20. Oktober 2026 wiesen die Gesundheitsbehörde in Taiwan sowie die International Osteoporosis Foundation (IOF) darauf hin, dass vor Beginn einer Therapie mit antiresorptiven Wirkstoffen eine vollständige zahnärztliche Untersuchung unerlässlich ist.

Antiresorptiva verringern den Knochenumsatz, was bei invasiven Eingriffen wie Zahnextraktionen oder dem Setzen von Zahnimplantaten das Risiko einer Medikamenten-assoziierten Kiefernekrose (MRONJ) birgt.

Osteoporose stellt weltweit ein relevantes Gesundheitsrisiko dar. Daten der taiwanesischen Gesundheitsbehörde für den Zeitraum von 2017 bis 2020 beziffern die Prävalenz bei Frauen ab 50 Jahren auf 10,2 Prozent; ab einem Alter von 65 Jahren steigt der Anteil auf 17,4 Prozent, womit etwa jede sechste Frau dieser Altersgruppe betroffen ist.

Laut Angaben der IOF versterben bis zu 20 Prozent der Patienten mit Hüftfrakturen innerhalb eines Jahres. Zudem belegte eine von der IOF angeführte globale Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2012 eine rate von über 300 Hüftfrakturen pro 100.000 Frauen in Taiwan, Hongkong und Singapur.

Um Knochenbrüchen vorzubeugen, erweiterte die taiwanesische Krankenversicherung ab März 2025 die Erstattung für Osteoporose-Präparate sowohl für die Primärprävention bei Risikofaktoren wie Diabetes, rheumatoider Arthritis oder langfristiger Steroideinnahme als auch für die Sekundärprävention nach Frakturen.

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Vorsorgeempfehlungen und Risikofaktoren im Mundraum

Um Komplikationen zu vermeiden, empfiehlt die taiwanesische Gesundheitsbehörde vor Therapiestart eine eingehende Mundhöhlenuntersuchung, gegebenenfalls gestützt durch Röntgenaufnahmen. Notwendige Extraktionen sollten vorab abgeschlossen sein. Während der laufenden Behandlung werden Kontrollen im Abstand von sechs Monaten angeraten, bei unzureichender Mundhygiene alle drei Monate.

Ermittlungen der finnischen Universität Oulu, die am 29. September 2026 vorgestellt wurden, unterstreichen diese Notwendigkeit. In einer Registerstudie wurden 652 Patientinnen mit Mammakarzinom und Knochenmetastasen analysiert, die zwischen 2013 und 2015 Antiresorptiva erhielten und bis Ende 2020 nachbeobachtet wurden.

Etwa jede achte Patientin entwickelte im Verlauf eine MRONJ. Das Auftreten stand in starkem Zusammenhang mit Zahnextraktionen, Wurzelkanalbehandlungen oder vorbestehender Parodontitis, was das Nekroserisiko jeweils um etwa das Vierfache erhöhte.

Die Forscher führen dies vor allem auf zugrunde liegende dentale Infektionen zurück. Auch Begleitmedikamente wie Kortikosteroide, VEGF-Inhibitoren, Hormontherapien, Immunstimulanzien, Lipidsenker und Protonenpumpenhemmer steigerten die Wahrscheinlichkeit für Kieferosteonekrosen.

Wirkstoffunterschiede und Gefahren eines Therapieabbruchs

Die finnischen Registerdaten zeigten zudem deutliche Unterschiede zwischen den Wirkstoffklassen: Eine Monotherapie mit dem RANKL-Inhibitor Denosumab erhöhte das MRONJ-Risiko bei den untersuchten Krebspatientinnen um mehr als das Sechsfache im Vergleich zu Bisphosphonaten.

Ein Wechsel von Bisphosphonaten zu Denosumab war mit einem fast vierfach erhöhten Risiko verbunden, wenngleich dieser Befund keine statistische Signifikanz erreichte. Auch bei Bisphosphonaten wie Alendronat-Natrium bestehen laut Herstellerangaben von Ningbo Inno Pharmchem Risiken für Kiefernekrosen und atypische Oberschenkelfrakturen, vornehmlich bei Langzeitanwendung oder invasiven Eingriffen.

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Für den anabolen Wirkstoff Abaloparatid gibt das Unternehmen wiederum an, dass dieser über eine PTH1-Rezeptor-Aktivierung Frakturraten senke und die Knochendichte verbessere.

Trotz der potenziellen dentalen Nebenwirkungen warnen Mediziner eindringlich vor einem eigenmächtigen Absetzen der Medikamente. Studienleiter Dr. Miika Kujanpää von der Universität Oulu betonte, dass die Befunde keineswegs einen unbedachten Therapieabbruch rechtfertigten. Vielmehr sollten Infektionsquellen vorab saniert und der Zustand engmaschig überwacht werden.

Die Universität Oulu sowie Assoc. Prof. Lachezar Lozanov von der Klinik UMBAL Tokuda verweisen darauf, dass ein abrupter oder verzögerter Stopp von Denosumab einen raschen Knochenverlust und einen gefährlichen Rebound-Effekt mit erhöhtem Wirbelfrakturrisiko provozieren kann.

Während bei manchen Bisphosphonaten nach einer gewissen Behandlungsdauer eine überwachte Pause diskutabel sei, müsse der Nutzen der Frakturprävention stets gegen die Risiken abgewogen werden.

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