Osteosarkopenie: Knochen- und Muskelschwund steigern Sturzrisiko um 50 Prozent
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine im Jahr 2022 veröffentlichte Untersuchung des Sutter Health Coordination Center verdeutlichte den gravierenden Einfluss von Muskelschwund auf die Knochengesundheit im Alter. An der von Ladislav Loukota mitverfassten Studie nahmen 1363 MĂ€nner mit einem Durchschnittsalter von 84,2 Jahren teil. Anstelle herkömmlicher Verfahren wurde die Muskelmasse ĂŒber die sogenannte D3Cr-Methodik erfasst.
Die Daten zeigten eine signifikante Korrelation zwischen der Muskelmasse und Frakturen, insbesondere im Bereich der HĂŒfte: MĂ€nner mit der geringsten Muskelmasse wiesen eine fast sechsfach höhere Frakturwahrscheinlichkeit auf als Probanden mit der höchsten Muskelmasse. FrĂŒhere Untersuchungen auf Basis von DXA-Messungen hatten diesen Zusammenhang nicht abbilden können.
Das Zusammenspiel von Knochen- und Muskelschwund
JĂ€hrlich ereignen sich weltweit Millionen StĂŒrze bei Senioren; allein in den USA werden rund 32.000 diesbezĂŒgliche TodesfĂ€lle verzeichnet. Im Jahr 2026 forderten Experten im Journal of Bone and Mineral Research unter Beteiligung der spanischen ClĂnica Universidad de Navarra eine gemeinsame Behandlung von Knochen- und Muskelverlust, der sogenannten Osteosarkopenie.
Aus Analysen mehrerer Studien geht hervor, dass bei dieser Kombination ein um 50 Prozent höheres Sturzrisiko und ein mehr als doppelt so hohes Frakturrisiko besteht. Zugleich existieren bislang keine Medikamente, die beide Krankheitsbilder zeitgleich adressieren.
Dr. Miguel GermĂĄn Borda von der ClĂnica Universidad de Navarra wies darauf hin, dass eine gezielte PrĂ€vention vor allem fĂŒr Frauen ab 65 Jahren sowie fĂŒr MĂ€nner ab 70 Jahren bedeutsam sei.
Wie verbreitet entsprechende VerĂ€nderungen sind, belegen Daten des spanischen Projekts OsteoSER: Bei 54,4 Prozent der ĂŒber 50-JĂ€hrigen wurde eine Osteopenie festgestellt, 10,7 Prozent wiesen eine Osteoporose auf. Eine weitere Erhebung an 686 Personen ab 60 Jahren ergab zudem bei etwa jedem achten Teilnehmer eine Sarkopenie.
Weltweite Fallzahlen und klinische Warnzeichen
Nach Erhebungen der International Osteoporosis Foundation leben allein in Brasilien etwa 10 Millionen Menschen mit Osteoporose. Weltweit erleiden eine von drei Frauen sowie einer von fĂŒnf MĂ€nnern ĂŒber 50 Jahren eine osteoporosebedingte Fraktur.
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Allerdings erhĂ€lt lediglich ein FĂŒnftel der diagnostizierten Patienten eine entsprechende Behandlung. Die Organisation beziffert die Zahl der jĂ€hrlichen FragilitĂ€tsfrakturen bei ĂŒber 55-JĂ€hrigen auf bis zu 37 Millionen FĂ€lle, was etwa 70 BrĂŒchen pro Minute entspricht.
Ni Guohua, Leiter der Traumatologie am Ersten Angeschlossenen Krankenhaus der Henan Polytechnic University, stellte im Jahr 2026 fest, dass Ă€ltere Patienten mit HĂŒft- oder Handgelenksfrakturen hĂ€ufig keine auffallend schlechte Knochendichte aufweisen.
Vielmehr bildeten Muskelschwund und Sarkopenie das vorrangige Risiko. Zu den typischen Warnsignalen zĂ€hlen ein langsameres Gangbild, BeinschwĂ€che, Schwierigkeiten beim Aufstehen, dĂŒnnere Waden sowie eine nachlassende Griffkraft.
Trainingsreize und ErnÀhrungsfaktoren zur Vorbeugung
Zur Vorbeugung empfahl Ni Guohua die tĂ€gliche Zufuhr von einem Ei, einem Glas Milch, 100 bis 150 Gramm magerem Fleisch oder Fisch sowie 15 bis 20 Minuten Sonnenlicht und etwa zehn Minuten Krafttraining fĂŒr Beine und Rumpf.
Da Muskelabbau oft bereits ab dem 30. Lebensjahr beginnt und im Alter zu einem signifikanten Gesundheitsrisiko wird, ist ein zeitsparendes und effektives Training der beste Schutz. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie mit nur sechs einfachen Ăbungen Ihre VitalitĂ€t erhalten und typischen Altersbeschwerden vorbeugen. 6 einfache Ăbungen gegen Muskelschwund jetzt kostenlos herunterladen
Dr. Blanca Mur, Rehabilitationsmedizinerin am UniversitĂ€tskrankenhaus RamĂłn y Cajal, erklĂ€rte, dass ein Drittel der postmenopausalen Frauen ab dem 65. Lebensjahr stĂŒrze. Durch körperliche AktivitĂ€t lasse sich das Frakturrisiko um 40 bis 50 Prozent senken, sofern aerobes Training mit Kraft-, StoĂ- und GleichgewichtsĂŒbungen verbunden werde.
Laut Mur beginnt der Muskelabbau bereits um das 30. Lebensjahr und wird ab 60 Jahren klinisch relevant; proteinarme Kost und InaktivitĂ€t verstĂ€rkten diesen Prozess deutlicher als das Alter allein. Eine ausschlieĂliche Gabe von Kalzium und Vitamin D ohne Osteoporosemedikamente habe Frakturen oder StĂŒrze nicht nachweislich verhindert.
Eine Auswertung von 124 randomisierten Studien im British Medical Journal mit 18.429 Menschen ab 40 Jahren bestĂ€tigte, dass kein extremes Programm erforderlich sei. Besonders knochenwirksam seien zĂŒgiges Gehen, Joggen, Treppensteigen, Step-ups und kleine SprĂŒnge, ergĂ€nzt durch Ăbungen fĂŒr Rumpf und Balance.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt hierzu wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive aerobe AktivitĂ€t sowie Krafttraining an mindestens zwei Tagen ĂŒber einen Zeitraum von wenigstens zwölf Wochen.
Laut einer Untersuchung der UniversitÀt São Paulo kann gezielte Bewegung in der Menopause zwar den Mineralgehalt und die Mikroarchitektur der Knochen verbessern, eine fundierte Àrztliche Untersuchung und Behandlung könne sie jedoch nicht ersetzen.
