Oxycodon, Tilidin

Oxycodon und Tilidin: Immer mehr Jugendliche geraten in AbhÀngigkeit

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

In Oldenburg steigt die MedikamentenabhÀngigkeit; Kliniken passen den Einsatz von Oxycodon an, wÀhrend Behörden vor Mischkonsum warnen.

Opioid-AbhÀngigkeit bei jungen Menschen: Kliniken in Oldenburg reagieren
Ein leerer, klinischer Krankenhausflur mit kĂŒhlem Lichteinfall und minimalistischer Architektur. Illustration mit AI erstellt.

In der Region Oldenburg beobachten Sozialarbeiter und Suchthelfereinrichtungen eine besorgniserregende Entwicklung: Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene geraten in eine AbhÀngigkeit von starken Schmerzmitteln wie Oxycodon und Tilidin.

Auch die Klinik fĂŒr Suchtmedizin in Wehnen verzeichnet nach eigenen Angaben eine Verzehnfachung der Patienten mit MedikamentenabhĂ€ngigkeit. Ein zentrales Problem stellt dabei der Zugang dar; oft stammen die Tabletten aus den hĂ€uslichen MedikamentenvorrĂ€ten der Familien.

Kliniken reagieren auf steigendes AbhÀngigkeitspotenzial

Das Klinikum Oldenburg hat bereits Konsequenzen aus der Problematik gezogen und Oxycodon aus dem regulÀren BetÀubungsmittelbestand genommen. Bei neuen Behandlungen wird stattdessen bevorzugt Hydromorphon eingesetzt. Nach EinschÀtzung der dortigen Schmerztherapie flutet dieser Wirkstoff weniger abrupt an, was das Suchtrisiko senken soll. Dennoch bleibt auch Hydromorphon ein potenziell abhÀngig machendes Mittel.

Experten des Klinikums weisen darauf hin, dass sich eine Oxycodon-AbhĂ€ngigkeit bereits innerhalb weniger Wochen entwickeln kann. Besonders gefĂ€hrlich sei der Mischkonsum mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln, der zu lebensbedrohlichen ZustĂ€nden fĂŒhren könne. Patienten, die bereits medizinisch begrĂŒndet auf Oxycodon eingestellt sind, erhalten das Medikament jedoch weiterhin.

Alarmierende Zahlen der KriminalÀmter

Die statistische Auswertung des Bundeskriminalamts fĂŒr das Jahr 2025 unterstreicht die bundesweite Relevanz des Themen. Demnach starben in Deutschland 2.150 Menschen an den Folgen von Drogenkonsum, wobei jeder vierte Verstorbene unter 30 Jahre alt war.

Besonders auffĂ€llig ist die Verdopplung der TodesfĂ€lle bei unter 20-JĂ€hrigen. Das Landeskriminalamt Niedersachsen meldete fĂŒr denselben Zeitraum 132 Drogentote im Bundesland, wobei in ĂŒber 90 Prozent der FĂ€lle ein Mischkonsum verschiedener Substanzen festgestellt wurde.

Ein wesentlicher Faktor fĂŒr die Verbreitung synthetischer Opioide ist der Schwarzmarkt im Internet. In Baden-WĂŒrttemberg meldeten Suchtstellen bereits im FrĂŒhjahr steigende AbhĂ€ngigkeitszahlen. Dort starben im vergangenen Jahr durchschnittlich vier Menschen pro Woche an einer Überdosis. Neben Tilidin und Oxycodon werden in diesem Zusammenhang auch Fentanyl, Methadon und missbrĂ€uchlich verwendete Benzodiazepine genannt.

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Internationale Risiken durch gefÀlschte Arzneimittel

Die Gefahr wird durch den internationalen Handel mit gefÀlschten Medikamenten verschÀrft. EU-Behörden beschlagnahmten im Jahr 2025 gefÀlschte Arzneimittel im Gesamtwert von mehr als 33 Millionen Euro.

In den Niederlanden wurden zudem Oxycodon-FĂ€lschungen entdeckt, die Nitazene enthielten. Diese synthetischen Opioide können laut Berichten bis zu 500-mal stĂ€rker wirken als Morphin und bereits innerhalb weniger Minuten ein tödliches Atemversagen auslösen. Der Vertrieb erfolgt hĂ€ufig ĂŒber Social Media und den Onlinehandel in kleinen Paketsendungen.

Rechtliche Rahmenbedingungen und therapeutische Alternativen

Parallel zur Opioid-Problematik verschĂ€rfen sich die Bedingungen fĂŒr alternative Therapien. Das Sozialgericht Leipzig lehnte im September 2026 in einem Eilverfahren (Az. S 3 KR 316/26 ER) die weitere KostenĂŒbernahme fĂŒr CannabisblĂŒten durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ab.

Hintergrund ist eine GesetzesĂ€nderung von Ende Juli 2026, durch die CannabisblĂŒten aus dem entsprechenden Leistungskatalog gestrichen wurden. Das Gericht verwies stattdessen auf die ErstattungsfĂ€higkeit von Extrakten und Fertigarzneimitteln.

In der Fachwelt wird zudem verstĂ€rkt ĂŒber nicht-medikamentöse AnsĂ€tze diskutiert. Eine Auswertung der UniversitĂ€t Adelaide, die Daten von ĂŒber 220.000 Teilnehmenden berĂŒcksichtigte, deutet darauf hin, dass gezielte Bewegungsprogramme bei chronischen Schmerzen eine deutlich stĂ€rkere Linderung erzielen können als gĂ€ngige Medikamente. Besonders Programme mit niedriger IntensitĂ€t ĂŒber einen Zeitraum von etwa 12 Wochen zeigten hierbei signifikante Effekte.

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WĂ€hrend Pharmaunternehmen wie GrĂŒnenthal ihre PrĂ€senz im Bereich der Schmerztherapie in asiatischen MĂ€rkten ausbauen, wachsen in Deutschland die Sorgen ĂŒber die finanzielle Belastung des Gesundheitssystems. Die GKV wird 2026 voraussichtlich rund 60 Milliarden Euro fĂŒr Arzneimittel ausgeben, wobei innovative PrĂ€parate und verĂ€nderte Erstattungsregeln die Kosten weiter treiben könnten.

Fachapotheker wie Verena Stahl betonten auf einem Kongress im September 2026 zudem die Notwendigkeit, bei der unvermeidbaren Gabe von Opioiden die Nebenwirkungen, wie etwa schwere Obstipation, frĂŒhzeitig prophylaktisch zu behandeln.

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de | wissenschaft | 70201203 |