Ozempic und Wegovy: 66,3 Prozent der Anwender melden Nagelstörungen
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 23:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Medikamente aus der Klasse der GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Ozempic und Wegovy stehen im Zentrum einer wachsenden wissenschaftlichen Debatte ĂŒber bislang wenig beachtete Begleiterscheinungen.
Eine internationale Querschnittsstudie, die am 1. Oktober 2026 auf dem Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) in Wien vorgestellt wurde, deutet darauf hin, dass diese Wirkstoffe unerwartete Nebenwirkungen an Haaren und FingernĂ€geln begĂŒnstigen könnten.
HÀufung von NagelverÀnderungen bei Behandelten
FĂŒr die Untersuchung wurden Daten von 575 Anwendern von GLP-1-PrĂ€paraten mit denen von 1.329 Kontrollpersonen verglichen, die an Typ-2-Diabetes oder Adipositas litten. Die Teilnehmenden stammten aus Frankreich, den USA, Brasilien und Mexiko. Die mittlere Behandlungsdauer bei den Anwendern lag bei 18,5 Monaten.
Den Ergebnissen zufolge berichteten 66,3 % der GLP-1-Anwender ĂŒber mindestens eine Nagelstörung, verglichen mit 52,8 % in der Kontrollgruppe. Auch eine kleinere Untersuchung, die ebenfalls auf einer Konferenz in Ăsterreich vorgestellt wurde, kam zu dem Befund, dass 66 % der GLP-1-Anwender mindestens eine Nagelstörung meldeten.
Besonders deutliche Unterschiede zeigten sich bei spezifischen VerÀnderungen der Nagelstruktur:
- Eine Onycholyse, also das Ablösen der Nagelplatte vom Nagelbett, trat bei 39,3 % der Behandelten auf, wÀhrend dies in der Kontrollgruppe nur 8,7 % betraf.
- NagelverfÀrbungen wurden von 45,6 % der Anwender gemeldet, verglichen mit 17,0 % der Kontrollpersonen.
- Rillen und Furchen an den NĂ€geln zeigten sich bei 46,8 % der Anwender gegenĂŒber 31,8 % in der Vergleichsgruppe.
- Eine BrĂŒchigkeit der NĂ€gel lag bei 58,3 % der behandelten Personen vor, wĂ€hrend der Wert in der Kontrollgruppe 51,1 % betrug.
AuffÀlligkeiten beim Haarwuchs und genetische Beobachtungen
Neben den NĂ€geln wurden in der Querschnittsstudie auch Effekte auf das Kopfhaar erfasst. Demnach klagten 50 % der GLP-1-Anwender ĂŒber ungewöhnlichen Haarausfall, verglichen mit 34 % in der Kontrollgruppe.
Fast zwei von drei Anwendern von Abnehmspritzen berichten ĂŒber NagelverĂ€nderungen â Nagelablösung traf in der neuen Studie 39 Prozent der Behandelten gegenĂŒber 9 Prozent in der Vergleichsgruppe. Wer die eigenen NĂ€gel und Haare im Blick behalten will, braucht eine klare Checkliste statt Panik. Kostenlosen GLP-1-Ratgeber jetzt anfordern
Eine verringerte Haardichte oder HaarfĂŒlle gaben 42 % der Behandelten an, gegenĂŒber 19 % bei den Kontrollpersonen. Bei 26 % der Anwender setzte der Haarverlust erst nach Beginn der GLP-1-Therapie ein, wĂ€hrend dieser Verlauf nur bei 12 % der Nichtanwender dokumentiert wurde.
Dieser Trend deckt sich mit Auswertungen weiterer DatensĂ€tze. Eine separate Untersuchung auf Basis von Daten aus 67 US-Gesundheitsorganisationen stellte ebenfalls einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von GLP-1-Medikamenten und einem erhöhten Risiko fĂŒr Haarausfall fest.
ErgĂ€nzend dazu ergab eine zweite, genetische Studie, dass genetische Varianten mit einer höheren GLP-1-RezeptoraktivitĂ€t mit einer um rund 7 % höheren Wahrscheinlichkeit fĂŒr mĂ€nnlichen Haarausfall assoziiert waren, obwohl die untersuchten Personen selbst keine GLP-1-PrĂ€parate einnahmen.
Methodische Grenzen und Einordnung der Ergebnisse
Trotz der gemeldeten HÀufungen weisen Fachleute auf methodische EinschrÀnkungen hin. Rund die HÀlfte der GLP-1-Anwender gab an, bereits vor Beginn der medikamentösen Therapie unter Nagelproblemen gelitten zu haben. Da die vorgestellten Daten auf Selbstberichten und einem Querschnittsdesign basieren, lÀsst sich daraus kein kausaler Zusammenhang ableiten. Zudem blieben das genaue Ausmaà der Nagelablösung und die betroffenen NÀgel unklar.
Ungewöhnlicher Haarausfall, der erst mit Beginn der Abnehmspritze einsetzte â das berichteten 26 Prozent der Anwender, in der Vergleichsgruppe nur 12 Prozent. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Beschwerden mit der Behandlung zusammenhĂ€ngen, hilft ein strukturierter Fragenkatalog fĂŒr den nĂ€chsten Arzttermin. Fragenkatalog fĂŒr den Arztbesuch jetzt sichern
Ebenso lagen keine nach spezifischen PrÀparaten getrennten Auswertungen vor, und die Resultate stammen aus KonferenzprÀsentationen, ohne dass bislang eine publizierte Studie vorliegt. Eine Expertin riet vor diesem Hintergrund zu einer vorsichtigen Interpretation der Daten. Die wissenschaftliche Erforschung möglicher dermatologischer Begleiteffekte von GLP-1-Wirkstoffen dauert an.

