Pankreaskrebs: Neue FDA-Zulassung verdoppelt Überlebenszeit
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 13:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die onkologische Forschung präsentiert eine Reihe von Entwicklungen, die von molekularer Grundlagenforschung bis zu neuen Zulassungen reichen. Fachgesellschaften bereiten zudem eine Aktualisierung ihrer Therapieempfehlungen vor, die im Zusammenhang mit chronischen Entzündungsprozessen und deren Rolle bei der Krebsentstehung diskutiert werden.
Ein zentraler Termin dafür ist die gemeinsame Jahrestagung von DGHO, OeGHO, SGMO und SGH, die vom 9. bis 12. Oktober 2026 in Wien stattfindet und Schwerpunkte auf molekulare Diagnostik, künstliche Intelligenz, Immuntherapien und Prävention legt. Im Zuge der Tagung veröffentlicht die DGHO im September 2026 einen Band zu neuen Wegen der Prävention, Früherkennung und frühen systemischen Therapie.
Grundlagenforschung zu kleinzelligem Lungenkrebs
Ein Forschungsteam der Universität zu Köln hat gezeigt, dass Tumoren des kleinzelligen Lungenkrebses (SCLC) auf den sogenannten NMD-Signalweg angewiesen sind. Die Hemmung der Kinase SMG1 versetzt die Krebszellen demnach unter Stress, führt zu ihrem Absterben und macht sie zugleich für das Immunsystem sichtbarer. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Molecular Cancer veröffentlicht.
Parallel dazu meldete AstraZeneca Ergebnisse der Phase-III-Studie DeLLphi-305, in der 563 Patienten randomisiert wurden. Die Kombination aus Imfinzi (Durvalumab) und Tarlatamab als Erstlinien-Erhaltungstherapie bei extensivem kleinzelligem Lungenkrebs zeigte eine statistisch signifikante Verbesserung von Gesamtüberleben und progressionsfreiem Überleben gegenüber Imfinzi allein. Die Daten sollen bei Fachtagungen sowie Zulassungsbehörden vorgestellt werden.
Diskussion um Überdiagnostik beim Prostatakarzinom
Eine Modellrechnung, veröffentlicht in JAMA Oncology, untersucht, ob eine Umbenennung von Prostatakarzinomen der ISUP-Gruppe 1 in eine präkanzeröse Läsion Übertherapien reduzieren und mehr Männer zum PSA-Screening bewegen könnte.
Eine ergänzende US-Analyse, über die die Gelbe Liste berichtete, zeigt, dass etwa die Hälfte der Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom eine fokale Therapie erhält, obwohl sie einer Risikogruppe angehört, für die diese Behandlung eigentlich nicht empfohlen wird. Die Befunde befeuern die Debatte um eine risikoadaptierte Klassifikation von Frühstadien.
Neue Wirkstoffe und Zulassungen
Verastem Oncology präsentierte erste Wirksamkeitsdaten zu VS-7375, einem KRAS-G12D-Inhibitor, der bei Pankreas-, Lungen- und Darmkrebs im Rahmen der Phase-1/2-Studien TARGET-D 101-203 geprüft wird. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat dem Wirkstoff bereits den Fast-Track-Status für Bauchspeicheldrüsen- und nicht-kleinzelligen Lungenkrebs zuerkannt.
Im August 2026 erteilte die FDA zudem die Zulassung für Daraxonrasib (Handelsname Rasonque) von Revolution Medicines bei metastasiertem Pankreaskarzinom nach Vorbehandlung.
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In der zugrunde liegenden RASolute-302-Studie lag das mediane Gesamtüberleben bei 13,2 gegenüber 6,7 Monaten, das progressionsfreie Überleben bei 7,2 gegenüber 3,6 Monaten. Der Wirkstoff zeigte Aktivität bei verschiedenen RAS-Mutationen; häufigste Nebenwirkungen waren Hautausschlag und Diarrhö.
Bei HER2-positivem, vorbehandeltem metastasiertem Mammakarzinom zeigte die HORIZON-Breast01-Studie, veröffentlicht in Lancet Oncology, für das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab-Rezetecan gegenüber der Kombination Pyrotinib plus Capecitabin ein medianes progressionsfreies Überleben von 30,6 gegenüber 8,3 Monaten.
Nach zwölf Monaten waren 84,7 Prozent gegenüber 35,5 Prozent der Patientinnen progressionsfrei, wobei Neutropenie als häufigste schwere Nebenwirkung in der ADC-Gruppe mit 54 Prozent gegenüber 9 Prozent deutlich häufiger auftrat.
Zelltherapien und Biomarker
Ein Team aus Heidelberg und Berlin identifizierte im Rahmen der HD-CAR-1-Studie eine hochfunktionelle Untergruppe von CAR-T-Zellen als Biomarker für den Erfolg niedrig dosierter CAR-T-Therapien. Die in Nature Communications veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass das Fehlen zweier Oberflächenmarker sowie der Immunstatus vor Herstellung der Zellen relevant für den Therapieerfolg sind – eine weitere Validierung der Befunde steht noch aus.
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Am UCLA Health entwickelten Forschende AlloESO-T-Zellen aus Nabelschnurblut, die solide Tumoren über zwei Mechanismen gleichzeitig angreifen sollen – über einen T-Zell-Rezeptor gegen NY-ESO-1 sowie über NK-Zell-Rezeptoren.
In Tierversuchen kontrollierte bereits eine Dosis das Tumorwachstum; die Herstellungskosten werden mit rund 5.000 US-Dollar pro Dosis angegeben, das Verfahren gilt als skalierbar, befindet sich jedoch noch in der präklinischen Phase.
Strahlentherapie als Immunmodulator und Nebenwirkungsmanagement
Forschende des GIGA Instituts, der Universität Lüttich, von Gustave Roussy und Fox Chase schlagen in einem Review in Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology vor, Strahlentherapie gezielt als Immunmodulator einzusetzen, um die Wirksamkeit von Immuntherapien beim Pankreaskarzinom zu steigern. Im Fokus stehen dabei Strahlendosis, Fraktionierung und begleitende Biomarker.
Im Bereich der Nebenwirkungsforschung zeigte eine in Science veröffentlichte US-Studie an Mäusen, dass Psilocybin Nervenschäden durch Chemotherapie (CIPN) verhindern kann. Zwei Dosen schützten die Tiere bis zu acht Monate lang. Eine klinische Studie mit 80 Patienten soll im November beginnen, Ergebnisse werden für Anfang 2029 erwartet.
Versorgungsstrukturen
Auch auf struktureller Ebene gibt es Bewegung: Das Cancer Center Wolfsburg bestand erneut die Zertifizierung durch die Deutsche Krebsgesellschaft und nach DIN EN ISO 9001:2015; dort werden jährlich rund 3.500 Patienten behandelt.
Am Ordensklinikum Linz wertet ein molekulares Tumorboard genetische Veränderungen aus, das zugehörige Labor untersucht jährlich mehr als 14.000 Proben. Das dortige Zentrum für Tumorerkrankungen behandelt mehr als 3.500 der insgesamt rund 7.000 jährlichen Tumorerkrankungen in Oberösterreich – ein Beleg dafür, wie molekulare Diagnostik zunehmend in die Regelversorgung integriert wird.
