Paracetamol: Schmerzmittel erhöht Blutdruck um 5 mmHg in 2 Wochen
12.06.2026 - 19:18:56 | boerse-global.de
Eine aktuelle Studie der University of Edinburgh zeigt: Schon zwei Wochen regelmäßige Einnahme reichen aus, um den systolischen Blutdruck um rund 5 mmHg steigen zu lassen.
110 Probanden mit Bluthochdruck erhielten viermal täglich ein Gramm des Schmerzmittels. Das Ergebnis: Der Effekt ist vergleichbar mit der Wirkung von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAIDs). Die Forscher Iain MacIntyre, James Dear und David Webb warnen: Eine dauerhafte Anwendung in dieser Dosierung erhöht das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall um etwa 20 Prozent.
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Die von der British Heart Foundation finanzierte Studie wurde am 11. Juni im Fachjournal Circulation veröffentlicht. Die Autoren empfehlen, Paracetamol bei Hypertonie-Patienten nur in der niedrigsten wirksamen Dosis und über den kürzestmöglichen Zeitraum einzusetzen.
Kalziumkanalblocker: Risiko für die Nieren
Doch nicht nur Schmerzmittel sind problematisch. Auf dem 63. ERA-Kongress in Glasgow präsentierten Forscher alarmierende Daten zu Blutdrucksenkern selbst. Eine Untersuchung mit über 31.000 Typ-2-Diabetikern zeigt: Kalziumkanalblocker wie Amlodipin oder Nifedipin könnten das Risiko für schwere Nierenschäden um 33 Prozent steigern.
Dieser Effekt trat auch dann auf, wenn die Patienten zusätzlich RAS- oder SGLT2-Inhibitoren einnahmen. Die gute Nachricht: Die FIND-CKD-Studie belegt, dass der Wirkstoff Finerenon den Funktionsverlust der Nieren verlangsamen kann – mit einer relativen Risikoreduktion von 23 Prozent.
Zur besseren Überwachung setzen Kliniken zunehmend auf KI-Systeme wie das AMPEL-System am Universitätsklinikum Leipzig. Es warnt Ärzte frühzeitig vor einem akuten Nierenversagen.
Konservierungsstoffe: Die unterschätzte Gefahr im Essen
Neben Medikamenten rücken Zusatzstoffe in hochverarbeiteten Lebensmitteln in den Fokus. Eine französische Beobachtungsstudie der NutriNet-Santé-Gruppe mit über 112.000 Teilnehmern untersuchte die Auswirkungen von Konservierungsstoffen.
Die Ergebnisse, veröffentlicht im European Heart Journal, sind eindeutig: Eine hohe Aufnahme von nicht-antioxidativen Konservierungsstoffen wie Kaliumsorbat (E202) oder Natriumnitrit (E250) erhöht das Hypertonie-Risiko um 29 Prozent. Aber auch antioxidative Stoffe wie Ascorbinsäure (E300) sind nicht harmlos – hier stieg das Risiko um 22 Prozent.
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Kaffee: Genuss mit Risiko
Der Kardiologe Patrick Neumann-Schniedewind warnt zudem vor übermäßigem Kaffeekonsum bei Bluthochdruck. Bei Werten über 160/100 mmHg könne bereits der Konsum von zwei Tassen pro Tag das Risiko für einen Herztod verdoppeln. Die Empfehlung für Hypertonie-Patienten: maximal ein bis drei Tassen täglich.
Neue Technik für den Alltag
Um die Blutdruckkontrolle zu verbessern, kommen technische Neuerungen auf den Markt. Auf medizinischen Kongressen wurde im Juni ein manschettenloser Blutdruckmessring vorgestellt, der die ISO-Norm 81060-2:2018 erfüllt. Die KSH-Leitlinien 2026 empfehlen solche Geräte bereits als Ergänzung zu herkömmlichen Messmethoden.
Wie wichtig eine präzise Blutdruckeinstellung ist, zeigt eine Langzeitanalyse der Northwestern University. Die Studie basiert auf Daten von über neun Millionen Erwachsenen. Ergebnis: 99 Prozent aller Herzinfarkte und Schlaganfälle gehen auf nur vier Risikofaktoren zurück – Bluthochdruck, hohes Cholesterin, erhöhter Blutzucker und Tabakkonsum. Bei über 93 Prozent der untersuchten Fälle war eine Hypertonie nachweisbar.
