Parkinson-Mittel Solengepras: Phase-III-Studie zeigt 37 Minuten weniger Ausfallzeit
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 19:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Behandlung von Morbus Parkinson deuten klinische Untersuchungen auf einen potenziellen Fortschritt bei der medikamentösen Versorgung hin. Das biopharmazeutische Unternehmen Cerevance konnte in seiner Phase-III-Studie ARISE den primĂ€ren Endpunkt fĂŒr den Wirkstoff Solengepras (CVN424) erreichen.
Das PrĂŒfprĂ€parat wird einmal tĂ€glich oral verabreicht und zielt als Zusatztherapie auf Patienten ab, die unter der Standardbehandlung mit Levodopa an motorischen Fluktuationen leiden.
Neuer Ansatz abseits des Dopamin-Signalwegs
Solengepras unterscheidet sich in seiner Funktionsweise grundlegend von den bisher etablierten Parkinson-Medikamenten. Als Inhibitor beziehungsweise inverser Agonist blockiert der Wirkstoff den GPR6-Rezeptor, anstatt fehlendes Dopamin im Gehirn zu ersetzen. Damit adressiert die Substanz einen biologischen Signalweg, der seit den 1960er-Jahren in der pharmazeutischen Entwicklung nicht mehr modifiziert wurde.
An der ARISE-Studie nahmen 341 Probanden im Alter von mindestens 30 Jahren teil, die zu Beginn eine tÀgliche OFF-Zeit von mindestens 3 Stunden aufwiesen; der Ausgangswert lag im Mittel bei 5,65 Stunden tÀglich.
Die Patienten wurden im VerhĂ€ltnis 1:1:1 ĂŒber einen Zeitraum von 12 Wochen auf drei Gruppen verteilt: 75 mg Solengepras (114 Teilnehmer), 150 mg Solengepras (113 Teilnehmer) sowie eine Placebogruppe (114 Teilnehmer). Insgesamt schlossen 311 Probanden und damit 91 Prozent die Untersuchung ab.
Signifikante Reduktion motorischer Ausfallzeiten
In der Dosierung von 150 mg Solengepras zeigte sich eine statistisch signifikante Verringerung der mittleren tĂ€glichen OFF-Zeit um 0,61 Stunden im Vergleich zu Placebo (-1,56 Stunden gegenĂŒber -0,95 Stunden; P=.0350).
Dieser Effekt trat bereits ab der zweiten Behandlungswoche auf, mit einem Unterschied von -0,75 Stunden gegenĂŒber Placebo (p=0,0022). In absoluten Zahlen entspricht das unter der Höchstdosis einer Verringerung um 37 Minuten weniger OFF-Zeit pro Tag im Vergleich zu Placebo sowie 94 Minuten weniger im Vergleich zum Studienbeginn.
Gleichzeitig verlĂ€ngerte sich die tĂ€gliche ON-Zeit ohne störende Dyskinesien unter 150 mg um 0,60 Stunden gegenĂŒber Placebo (1,58 Stunden gegenĂŒber 0,98 Stunden; P=.0468), was einem Zugewinn von rund 36 Minuten pro Tag entspricht.
Wenn Levodopa den Tag nicht mehr zuverlĂ€ssig trĂ€gt, zĂ€hlt jede Stunde, die zurĂŒckkommt. In einer Phase-III-Studie zeigte ein neuer Wirkstoff bei der Höchstdosis rund 37 Minuten weniger OFF-Zeit pro Tag gegenĂŒber Placebo â und die Teilnehmer berichteten ĂŒber spĂŒrbare Erleichterung bei Alltagsdingen wie Anziehen, Essen und Gehen. Was das fĂŒr Ihren Alltag heiĂen könnte, lesen Sie in unserem kostenlosen Ratgeber. Jetzt kostenlosen Parkinson-Ratgeber anfordern
Neben den motorischen Phasen verzeichnete Cerevance signifikante Verbesserungen bei weiteren Parametern: Auf der MDS-UPDRS Part II Skala verbesserte sich der Wert um 1,91 Punkte (P=.0008), auf der Epworth Sleepiness Scale um 0,98 Punkte (P=.009) und im LebensqualitÀtsfragebogen PDQ-39 um 2,87 Punkte (P=.0012).
Teilnehmer berichteten ĂŒber funktionelle Erleichterungen bei AlltagsaktivitĂ€ten wie dem Anziehen, Essen und der Fortbewegung sowie ĂŒber eine verringerte TagesschlĂ€frigkeit.
VertrÀglichkeit und Ausblick auf das Zulassungsverfahren
Hinsichtlich des Nebenwirkungsprofils traten unter 150 mg Solengepras am hĂ€ufigsten Kopfschmerzen (8,0 Prozent gegenĂŒber 3,5 Prozent unter Placebo) und Harnwegsinfektionen (8,0 Prozent gegenĂŒber 6,1 Prozent) auf.
Schlaflosigkeit wurde bei 6,2 Prozent der Behandelten festgestellt (0,9 Prozent unter Placebo), Ăbelkeit bei 6,2 Prozent (1,8 Prozent unter Placebo). Schwere unerwĂŒnschte Ereignisse blieben in der 150-mg-Gruppe aus, und die Abbruchraten waren in allen drei Armen identisch.
Die Ergebnisse sollen den zustĂ€ndigen Zulassungsbehörden vorgelegt werden. Cerevance plant zunĂ€chst GesprĂ€che mit der US-Arzneimittelbehörde FDA ĂŒber die Einreichung eines Zulassungsantrags, gefolgt von Schritten im Vereinigten Königreich. Eine MarktverfĂŒgbarkeit wird innerhalb von zwei bis drei Jahren fĂŒr möglich gehalten.
Aus der Patientenvertretung Parkinson's UK betonte Claire Bale das Potenzial einer wichtigen neuen Behandlungsoption, die sich von bestehenden PrĂ€paraten unterscheide und als ErgĂ€nzung fungieren könne, und sprach sich fĂŒr eine zĂŒgige Bereitstellung aus.
Viele Betroffene fragen sich, ob ein neues PrĂ€parat neben Levodopa ĂŒberhaupt sicher ist. Die Studiendaten zeigen: In der höchsten Dosierung traten keine schweren unerwĂŒnschten Ereignisse auf, und die Abbruchraten waren in allen Gruppen gleich. Unser kostenloser Ratgeber fasst VertrĂ€glichkeit, Nebenwirkungen und den geplanten Zulassungsweg verstĂ€ndlich zusammen. Ratgeber zu VertrĂ€glichkeit und Zulassung sichern
Dame Kate Bingham vom Investor SV Health Investors, dessen Dementia Discovery Fund an Cerevance beteiligt ist, verwies auf eine eigenstÀndige Wirkstoffklasse abseits dopaminerger AnsÀtze. Im Vereinigten Königreich leben rund 166.000 diagnostizierte Parkinson-Patienten.
Nach EinschĂ€tzung des Marktforschungsunternehmens GlobalData wird der Markt fĂŒr Parkinson-Therapien in den sieben groĂen LĂ€ndern bis 2033 bei einer jĂ€hrlichen Wachstumsrate von 7,9 Prozent auf 7,2 Milliarden US-Dollar anwachsen.
