Passkey-Studie: 70% der Unternehmen erlebten Identitätsvorfälle
16.06.2026 - 17:24:51 | boerse-global.de
Eine neue Studie der FIDO Alliance und HID zeigt: Das Vertrauen vieler Unternehmen in ihre Sicherheitssysteme ist trügerisch.
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„Wir sind sicher" – doch die Realität sieht anders aus
Die am Montag auf der Identiverse 2026 in Las Vegas vorgestellte Untersuchung „The State of Physical and Digital Identity in the Enterprise" offenbart ein alarmierendes Missverhältnis. Zwar glauben 94 Prozent der befragten Organisationen, Zugriffsrechte innerhalb von 24 Stunden entziehen zu können – doch 35 Prozent berichten von Verzögerungen oder gar Fehlschlägen bei genau diesem Vorgang.
Die Studie befragte 500 IT- und Cybersicherheits-Entscheider aus den USA, Kanada, Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Das Ergebnis: 70 Prozent der Unternehmen haben bereits mindestens einen identitätsbezogenen Sicherheitsvorfall erlebt.
Fragmentierte Systeme als Einfallstor
Ein zentrales Problem: Die Systemlandschaft ist zersplittert. 59 Prozent der Befragten verwalten drei oder mehr Identitätssysteme. Besonders betroffen ist der Finanzsektor – 34 Prozent der Institute unterhalten getrennte Meldewege für physische und digitale Identitäten.
Immerhin: 93 Prozent der Unternehmen arbeiten an der Einführung von Passkeys. Doch nur 13 Prozent haben die Technologie bereits im großen Stil ausgerollt. Haupttreiber sind der Kampf gegen Phishing und die Senkung der IT-Kosten.
Taiwan als Vorreiter: Neunmal schnellere Checkouts
Am heutigen Dienstag kündigten mehrere große Zahlungsdienstleister neue Passkey-Initiativen an. In Taiwan schloss sich Neweb Technologies dem Verband für Drittanbieter-Zahlungen an und gründete eine Digital Trust Task Force zur Förderung der Passkey-Technologie.
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Das Unternehmen arbeitet mit MyCard zusammen, einem Anbieter mit über 7,6 Millionen Mitgliedern. Seit der Einführung der FIDO-basierten Authentifizierung im Jahr 2024 wurden über 7,38 Millionen Verifizierungen durchgeführt. Die Bilanz von Neweb Technologies ist beeindruckend: Passkeys beschleunigen den Checkout um das Neunfache und senken das Betrugsrisiko um das 2,5-Fache. Zudem sank die Abbruchrate im Warenkorb um 30 Prozent.
Visa baut Click to Pay massiv aus
Parallel dazu erweitert Visa seinen Dienst Click to Pay für Revolut-Kunden. Ziel ist es, 13 Millionen Kunden in Großbritannien und 40 Millionen in Europa die manuelle Dateneingabe zu ersparen. Weitere Einführungen in Singapur, Japan, Australien und Neuseeland sind geplant.
Die Zahlen sprechen für sich: Click to Pay senkt das Betrugsrisiko um bis zu 91 Prozent und steigert die Autorisierungsrate um 11 Prozent im Vergleich zur manuellen Eingabe.
Künstliche Intelligenz trifft auf Tokenisierung
Die Entwicklung passwortloser Zahlungen verschmilzt zunehmend mit künstlicher Intelligenz. Paytm Payment Gateway stellte am Dienstag „Agentic AI Card Checkout" vor. Die Lösung nutzt das Model Context Protocol (MCP), um Transaktionshürden abzubauen, und unterstützt biometrische Verfahren wie Fingerabdruck und Gesichtserkennung.
Auch Taiwan Mobile und Visa gaben eine strategische Partnerschaft bekannt. Gemeinsam wollen sie KI-gesteuerte Commerce-Szenarien im myfone Online-Shop entwickeln. Das Projekt setzt auf das Trusted Agent Protocol (TAP), um Transaktionen von KI-Agenten abzusichern.
Branchenprognosen von Visa zufolge könnte der globale Markt für agentengestützten Handel bis 2030 auf 1,7 Billionen Euro anwachsen – eine jährliche Wachstumsrate von 67 Prozent.
Visa und OpenAI: Tokenisierung für ChatGPT
Bereits Anfang Juni hatten Visa und OpenAI eine Partnerschaft angekündigt. Ziel ist die Integration tokenisierter Zahlungen direkt in ChatGPT und andere KI-Agenten. Die Autorisierung erfolgt über Windows Hello-Biometrie – sensible Kartendaten bleiben geschützt.
