Passkeys ab September: Microsoft beendet SMS-Zwei-Faktor-Auth
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 08:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Microsoft leitet einen grundlegenden Strategiewechsel bei der Kontosicherheit ein. Der Konzern stellt die herkömmliche SMS- und sprachbasierte Authentifizierung ein und setzt stattdessen auf Passkeys als primären Sicherheitsstandard. Hintergrund sind massiv steigende Angriffszahlen und immer effektivere KI-gestützte Phishing-Versuche.
Neuer Standard für Entra ID ab September
Ab dem 1. September 2026 macht Microsoft Passkeys zum Standard für den Identitätsdienst Entra ID. Die bisher übliche Zwei-Faktor-Authentifizierung per SMS-Code oder Sprachanruf läuft bis zum 1. Februar 2027 aus.
Der Schritt ist eine Reaktion auf die technologische Aufrüstung bei Cyberkriminellen. Die Klickrate bei KI-generierten Phishing-Angriffen liegt mit 54 Prozent deutlich über der Erfolgsquote traditioneller Methoden (rund 12 Prozent). Zudem verzeichneten Sicherheitsanalysten im ersten Halbjahr 2026 einen Anstieg von Credential-Spraying-Angriffen um mehr als 15.000 Prozent. Dabei versuchen Angreifer, mit einer Liste häufig genutzter Passwörter Zugang zu zahlreichen Konten zu erhalten.
Passkeys basieren auf dem FIDO-Standard und nutzen kryptografische Schlüsselpaare, die direkt an das jeweilige Gerät und die Webseite gebunden sind. Das macht sie wesentlich resistenter gegen Übernahmeversuche.
GMX und WEB.DE ziehen nach
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Parallel zu Microsofts Vorstoß haben die deutschen E-Mail-Anbieter GMX und WEB.DE im Juli 2026 die Passkey-Authentifizierung für ihre rund 38 Millionen Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz freigeschaltet. Die Anmeldung erfolgt per Biometrie – etwa Fingerabdruck oder Gesichtserkennung – oder über eine Geräte-PIN. Das klassische Passwort bleibt vorerst parallel nutzbar. Der private Schlüssel verlässt das Endgerät nicht, was den Schutz vor Phishing-Seiten erhöht.
Auch Google hat im Juli die Unterstützung für Passkeys auf Android TV ausgeweitet. Marktdaten aus dem Mai 2026 beziffern die Zahl der weltweit aktiven Passkeys bereits auf über fünf Milliarden. Allerdings unterstützen rund 36 Prozent der 50 meistbesuchten Websites den Standard noch nicht.
Hardware-Innovationen und staatliche Sicherheitsstrategien
Die Hardware-Industrie begleitet den Trend mit neuen Lösungen. Yubico hat im Juli den YubiKey 5.8 veröffentlicht, der den neuesten Standard CTAP 2.3 unterstützt. Die Firmware ermöglicht unter anderem hardwaregestützte digitale Signaturen und Identitäts-Wallets. OneSpan brachte mit DigipassONE eine neue Lösung für den Bankensektor auf den Markt.
Flankiert werden diese Entwicklungen durch polizeiliche Erfolge und neue staatliche Vorgaben. Das Bundeskriminalamt (BKA) zerschlug im Juli in internationaler Kooperation die Phishing-Plattform „Kratos“, die monatlich für rund 15.000 Angriffs-Kampagnen verantwortlich war.
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Die Bundesregierung reagierte mit dem Cybersicherheitsprogramm „CyberGovSecure“. Das im Juli beschlossene Konzept sieht einheitliche Sicherheitsregeln für alle Ministerien vor. Kernmaßnahmen sind die verpflichtende Zwei-Faktor-Authentifizierung und strengere Prüfzyklen für die Behörden-IT. Ab 2027 sollen zusätzliche Stellen und finanzielle Mittel bereitgestellt werden.
BSI warnt vor Schwachstellen in Windows Hello
Trotz der Sicherheitsvorteile mahnen Fachbehörden zur Vorsicht. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnte im Juli vor einer Sicherheitslücke in Windows Hello. Bei Rechnern, die bereits durch lokale Administratorrechte kompromittiert wurden, könnten Angreifer biometrische Daten manipulieren. Das BSI empfiehlt die Aktivierung der „Enhanced Sign-in Security“ (ESS) und die Nutzung von TPM-Chips, um die Integrität der biometrischen Anmeldung zu gewährleisten.
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