Passwortbücher, Papier

Passwortbücher aus Papier: Australische Post setzt auf Analog-Sicherheit

Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 23:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Australische Post bietet physische Passwortbücher als Offline-Alternative zu digitalen Managern an. Experten loben den Schutz vor Malware, warnen jedoch vor Verlustrisiken.

Australische Post verkauft Papier-Passwortbücher als Schutz vor Cyberangriffen
Ein offenes Notizbuch mit handgeschriebenen Passwörtern liegt auf einem Holztisch bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In einer Zeit zunehmender Cyber-Risiken und massiver Datenlecks setzt die Australische Post (AusPost) auf eine analoge Lösung zur Sicherung digitaler Identitäten. Das staatliche Postunternehmen hat mit dem Verkauf physischer Passwortbücher begonnen, die eine Offline-Alternative zu gängigen Passwort-Managern bieten sollen. Die Produktpalette umfasst kleine Papier-Passwortbücher für AU$4,90 (umgerechnet US$3,51) sowie größere Varianten zum Preis von AU$5,90.

Das Angebot stößt in sozialen Medien auf positive Resonanz. Nutzer loben die physische Aufbewahrung als sichere Alternative zu digitalen Lösungen, da sie nicht aus der Ferne gehackt werden kann. Sicherheitsexperten bewerten diesen Trend differenziert. Einerseits bieten Papierdokumente einen wirksamen Schutz vor Infostealer-Malware, die gezielt Anmeldedaten von Computern abgreift.

Andererseits warnen Fachleute vor dem sogenannten „Single Point of Failure“: Geht das Buch verloren oder wird es gestohlen, sind sämtliche Zugangsdaten unwiederbringlich verloren oder in fremden Händen. Dennoch wird hervorgehoben, dass physische Aufzeichnungen im Falle des Ablebens eines Nutzers den Hinterbliebenen den rechtmäßigen Zugriff auf digitale Konten erheblich erleichtern können.

Analog-Trend als strategische Sicherheitsmaßnahme

Die Rückkehr zu bewährten, oft veralteten Techniken ist kein isoliertes Phänomen der Endverbraucher. Berichten zufolge greifen selbst hochrangige Sicherheitsexperten und staatliche Institutionen auf analoge oder isolierte Systeme zurück, um Angriffen zu entgehen. So nutzt etwa der bekannte Experte Mikko Hyppönen das historische E-Mail-Programm Eudora.

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Die irische Luftfahrtbehörde hält an bodengestützten Funkfeuern fest, um die Auswirkungen von GPS-Störungen zu minimieren, während Militärs weltweit weiterhin auf Papierkarten und Kompasse setzen. Auch in der Datensicherung erleben Magnetbandspeicher eine Renaissance, da sie durch ihre physische Trennung vom Netzwerk (Air Gap) immun gegen Ransomware-Angriffe sind.

Wissenschaftliche Studien stützen den Trend zum Papier. Untersuchungen der Fachzeitschrift Frontiers in Psychology zeigen, dass die Handschrift das Gehirn komplexer aktiviert als das Tippen auf einer Tastatur. Dabei werden erhöhte Theta- und Alphawellen gemessen, die eng mit Lernprozessen und dem Gedächtnis verknüpft sind.

Forscher wie Mueller und Oppenheimer wiesen bereits in der Vergangenheit nach, dass Notizen per Hand das konzeptionelle Verständnis gegenüber digitalen Aufzeichnungen verbessern.

Marktumfeld und technologische Alternativen

Während die Australische Post auf Papier setzt, adressieren andere Hersteller das Sicherheitsbedürfnis mit hochspezialisierter Hardware. Das Unternehmen iStorage bietet beispielsweise die hardware-verschlüsselte SSD diskAshur M2 mit 2TB Speicher an.

Das Gerät verfügt über eine FIPS 140-3 Level 3 Zertifizierung und wird bei RS für RMB6.724,82 (exkl. MwSt.) geführt. Ergänzend dazu ist das Flash-Laufwerk datAshur PRO Plus C mit 128GB für RMB2.558,95 (exkl. MwSt.) erhältlich. Beide Lösungen setzen auf PIN-Schutz und Selbstzerstörungsmechanismen bei Manipulationsversuchen.

Die Notwendigkeit für sicherere Authentifizierungen wird durch aktuelle Marktdaten unterstrichen. Laut dem Weltwirtschaftsforum (WEF) 2026 hat Cyberbetrug Ransomware als größte Sorge von CEOs abgelöst.

Britische Unternehmen verlieren jährlich schätzungsweise £64 Milliarden durch solche Betrugsfälle. Trotz der Tatsache, dass in großen Leaks bereits rund 16 Milliarden Passwörter offengelegt wurden, verlassen sich 62 Prozent der Organisationen weiterhin auf klassische Kennwörter.

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Organisationen wie das britische NCSC empfehlen daher den Übergang zu Passkeys, die mindestens so sicher wie Passwörter mit Zwei-Stufen-Verifizierung (2SV) seien. In Großbritannien nutzen bereits über 50 Prozent der registrierten Anwender aktiv Passkeys.

Für Dienste, die diese Technologie noch nicht unterstützen, raten Experten weiterhin zur Kombination aus Passwort-Managern und hardwaregestützten Sicherheitsschlüsseln – oder eben zur sorgfältig verwahrten handschriftlichen Notiz.

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