Patientensteuerung: KBV warnt vor Chaos durch 90 verschiedene Apps
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 01:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die gematik hat am 25. Juli 2026 eine positive Bilanz zum Stand der digitalen Transformation im deutschen Gesundheitswesen gezogen. Demnach seien digitale Anwendungen mittlerweile fest in der medizinischen Versorgung verankert. Parallel zu dieser Entwicklung treibt die Organisation den Funktionsumfang zentraler Anwendungen voran, wĂ€hrend standespolitische Diskussionen ĂŒber die kĂŒnftige Ausgestaltung der Patientensteuerung an SchĂ€rfe gewinnen.
Ausbau der elektronischen Patientenakte und MedikationsplÀne
Ein wesentlicher Baustein dieser Verankerung ist die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte (ePA). Seit dem 24. Juli 2026 verfĂŒgt die ePA-App ĂŒber eine neue Push-Funktion. Diese informiert Nutzer unmittelbar ĂŒber den Eingang neuer Dokumente. Der entsprechende Rollout des Updates durch die Krankenkassen lĂ€uft bereits seit Anfang Juli.
ZusĂ€tzlich startete Mitte Juli in ausgewĂ€hlten Modellregionen der schrittweise Rollout des elektronischen Medikationsplans (eMP). Dieses Instrument soll die Arzneimittelsicherheit erhöhen, indem Medikationsdaten digital verfĂŒgbar gemacht werden. Diese technischen Fortschritte flankieren die gesetzlichen Ziele des GeDIG-Gesetzes. Das Bundeskabinett sieht die ePA als zentrale Plattform vor, die ab 2027 eine Volltextsuche und ab Mitte 2027 einen digitalen Impfpass beinhalten soll. Die Bundesregierung rechnet durch diese MaĂnahmen mit jĂ€hrlichen Einsparungen in Höhe von 445 Millionen Euro.
Kritik an PlÀnen zur Patientensteuerung via Kassen-Apps
Trotz des technischen Fortschritts Ă€uĂert die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) deutliche Bedenken hinsichtlich der politischen Strategie. KBV-Chef Andreas Gassen kritisierte am 25. Juli 2026 die PlĂ€ne von Gesundheitsministerin Nina Warken, die Patientensteuerung ĂŒber individuelle Apps der Krankenkassen zu organisieren. Gassen bezeichnete dieses Vorhaben als absolut disruptiv und warnte vor einem drohenden Chaos, sollte die Steuerung ĂŒber bis zu 90 verschiedene Anwendungen verteilt werden.
Statt einer Fragmentierung schlĂ€gt die KBV eine einheitliche Plattform vor. Diese solle auf der bestehenden Struktur der Nummer 116117 basieren und eine digitale ErsteinschĂ€tzung integrieren. Gassen plĂ€dierte zudem fĂŒr eine verbindliche Patientensteuerung. Er sprach sich fĂŒr eine EinschrĂ€nkung der freien Facharztwahl aus und forderte entweder eine Steuerung durch HausĂ€rzte oder eine verpflichtende digitale ErsteinschĂ€tzung. FĂŒr Facharztbesuche ohne vorherigen Termin solle nach Vorstellungen der KBV zudem eine Zuzahlung fĂ€llig werden.
Die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitswesen bringt neue Cyberrisiken und rechtliche Pflichten fĂŒr Verantwortliche mit sich. Dieser kostenlose Report klĂ€rt auf, welche Anforderungen Unternehmer jetzt kennen mĂŒssen, um ihre Daten proaktiv zu schĂŒtzen. Aktuelle Cyber Security Trends jetzt kostenlos herunterladen
Pilotprojekte fĂŒr das E-Rezept und Telemedizin in Apotheken
In der praktischen Anwendung werden derzeit neue Standards fĂŒr Hilfsmittel erprobt. Sieben Krankenkassen, darunter die AOK Bayern, Barmer, DAK und die Techniker Krankenkasse, haben am 24. Juli 2026 ein Pilotprojekt zur eVerordnung in den Regionen MĂŒnchen und Ingolstadt ausgeweitet. Versicherte können Verordnungen fĂŒr fast alle Hilfsmittel â ausgenommen Sehhilfen, Hörhilfen und Pflegehilfsmittel â per App erhalten. Ziel ist es, eine praxistaugliche Vorlage fĂŒr die spĂ€tere gesetzliche EinfĂŒhrung zu schaffen.
Auch in den Apotheken hat sich das digitale Angebot erweitert. Seit dem 1. Juli 2026 bieten Apotheken die sogenannte Assisted Telemedicine (aTM) an. Diese umfasst Video-Sprechstunden und strukturierte ErsteinschĂ€tzungen. Die VergĂŒtung fĂŒr diese Leistungen betrĂ€gt im Zeitraum 2026/27 zunĂ€chst 30 Euro und soll bis 2029 auf 21,50 Euro sinken. Die Abrechnung erfolgt aktuell noch in Papierform, eine umstellung auf elektronische Verfahren ist vorgesehen.
Vernetzung der Pflege und telemedizinische Perspektiven
Die Digitalisierung umfasst auch den Pflegesektor. Bereits seit Juli 2025 sind ambulante Pflegedienste zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur verpflichtet. Ab Dezember 2026 wird die Abrechnung in diesem Bereich ausschlieĂlich digital erfolgen. In diesem Zusammenhang weist die gematik auf die Notwendigkeit zertifizierter Hardware und einer strikten Zugangsverwaltung hin, da die Vernetzung auch die Anforderungen an die Cybersicherheit und die Haftung nach DSGVO erhöht.
Mit der verpflichtenden digitalen Vernetzung steigen auch die Haftungsrisiken bei der Verarbeitung sensibler Gesundheitsdaten. Experten erklĂ€ren in diesem kostenlosen E-Book, wie Sie Ihre IT-Sicherheit ohne teure Investitionen stĂ€rken und SicherheitslĂŒcken effektiv schlieĂen. IT-Sicherheit im Unternehmen proaktiv stĂ€rken
Parallel dazu fordert der BVMed in einem aktuellen Positionspapier Verbesserungen fĂŒr das Telemonitoring. Der Verband setzt sich fĂŒr einen eigenstĂ€ndigen Erstattungsweg ein, da Telemonitoring bisher primĂ€r fĂŒr Patienten mit Herzinsuffizienz vorgesehen ist. Zu den VorschlĂ€gen gehören eine Erweiterung des Hilfsmittelverzeichnisses sowie ein Fast-Track-Verfahren fĂŒr digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), um den Koalitionsvertrag zur Verbesserung der telemedizinischen Ăberwachung umzusetzen.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und MĂ€rkten ohne GewĂ€hr; Ănderungen jederzeit möglich. BörsengeschĂ€fte können zu hohen Verlusten fĂŒhren. Unsere BeitrĂ€ge werden ganz oder teilweise automatisiert mit UnterstĂŒtzung von AI erstellt und geprĂŒft.
