PAX-D-Studie: Pramipexol hilft 44,1 Prozent bei therapieresistenter Depression
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 13:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Depressionen im Alter bleiben häufig unentdeckt. Dabei sind sie keine normale Begleiterscheinung des Älterwerdens – und längst nicht so selten, wie viele glauben.
Dr. Andreas Baier, Chefarzt für Altersmedizin an der GRN-Klinik Schwetzingen, kennt das Problem: Bei älteren Menschen verstecken sich die Symptome oft hinter körperlichen Beschwerden, sozialem Rückzug oder nachlassender Alltagsbewältigung. Schicksalsschläge, Verluste und Begleiterkrankungen begünstigen die Erkrankung zusätzlich.
Helga Eger-Geiger vom gerontopsychiatrischen Dienst der Diakonie Donau-Ries bringt es auf den Punkt: Altersdepression ist verbreiteter als Demenz – führt aber ein Schattendasein in der öffentlichen Wahrnehmung.
Zahlen, die aufhorchen lassen
Wie groß das Problem ist, zeigen Daten des wissenschaftlichen Instituts der AOK: In Nordrhein-Westfalen hatten 2024 rund 13,1 Prozent der Bevölkerung eine Depressionsdiagnose. Frauen waren mit 16,6 Prozent deutlich häufiger betroffen als Männer mit knapp 10 Prozent.
Bundesweit erkranken jedes Jahr etwa fünf Millionen Erwachsene an einer Depression, so das Robert-Koch-Institut. Dass darüber offen gesprochen wird, ist auch Wolfgang Grupp zu verdanken. Der ehemalige Unternehmer machte seine eigene Altersdepression öffentlich – ein Beitrag zur Enttabuisierung.
Neue Wirkstoffe gegen therapieresistente Depressionen
In der Pharmaforschung tut sich was. Die PAX-D-Studie untersuchte Pramipexol, einen Wirkstoff aus der Parkinsontherapie. Das Ergebnis nach zwölf Wochen: 44,1 Prozent der 150 Probanden sprachen auf die Behandlung an – in der Placebo-Gruppe waren es nur 16,4 Prozent.
Anhedonie und Angstsymptome besserten sich messbar. Doch es gab Nebenwirkungen wie Übelkeit und Schlafstörungen. Etwa 20 Prozent der Teilnehmer brachen die Studie ab. Für die Behandlung von Depressionen ist das Medikament bislang nicht zugelassen.
Wenn Genesungsbegleiter den Unterschied machen
Nicht nur Medikamente helfen. Die LVR-Klinik Viersen setzt auf Genesungsbegleiter wie Claudia Pohl. Nach einer einjährigen Ausbildung unterstützt sie Patienten auf den Stationen – ein Modell, das Schule machen könnte.
Schmerztherapie: 23 Millionen Betroffene, zu wenige Spezialisten
Chronische Schmerzen sind das zweite große Thema. Die Schön-Klinik Eckernförde schätzt, dass rund 23 Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind – etwa fünf Millionen davon mit schweren chronischen Schmerzen.
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Die Versorgungslage ist angespannt. Bundesweit gibt es weniger als 1500 niedergelassene Schmerztherapeuten. Der Bedarf liegt laut Klinikangaben fünfmal höher.
Die Folge: Wartezeiten von fĂĽnf bis sieben Jahren bis zum Erstkontakt in einer Schmerzambulanz. Kann das System so ĂĽberhaupt funktionieren?
Multimodale Therapie zeigt Wirkung
Moderne Ansätze setzen auf eine Kombination aus ärztlicher Behandlung, Psychotherapie und Physiotherapie. In der Schön-Klinik Eckernförde werden jährlich 200 bis 300 Patienten stationär behandelt – in der Regel 14 Tage lang.
Das Ergebnis stimmt optimistisch: Drei von vier Patienten berichten nach dem Aufenthalt von einer Besserung.
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Auch für Krebspatienten mit starken Schmerzen gibt es neue Daten. Das Unternehmen ZYUS Life Sciences präsentierte Ergebnisse einer Phase-2a-Studie zu Trichomylin-Weichkapseln. Bei 43 Prozent der auswertbaren Patienten ließ der Schmerz um mindestens 30 Prozent nach.
Muskeln und soziale Kontakte als Schutzschild
Vorbeugen ist möglich. Sportwissenschaftler Stephan Geisler von der IST-Hochschule Düsseldorf warnt vor einem massiven Muskelverlust im Alter – der Prozess beginnt bereits ab dem 30. Lebensjahr.
Muskeltraining kann bei rund 35 chronischen Erkrankungen unterstĂĽtzend wirken, darunter Osteoporose und Diabetes Typ 2. Das Bundesinstitut fĂĽr Ă–ffentliche Gesundheit empfiehlt gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining. SchlieĂźlich stĂĽrzt fast jede vierte Person ĂĽber 65 mindestens einmal pro Jahr.
Ein weiterer Risikofaktor lauert im Verborgenen: Einsamkeit. Eine Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigt, dass soziale Einsamkeit mit 35,8 Prozent häufiger vorkommt als emotionale Einsamkeit mit 24,3 Prozent.
Depressive Verstimmungen korrelieren stark mit emotionaler Einsamkeit. Soziale Integration bleibt damit ein zentraler Pfeiler der Gesundheitsvorsorge im Alter – neben Bewegung und rechtzeitiger Diagnose.
