Pegasus-Skandal, Spionagesoftware

Pegasus-Skandal: Spionagesoftware überwachte spanische Minister

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 11:35 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Ein Ex-Mitarbeiter des marokkanischen Geheimdienstes belastet die Behörde. Ziel der Pegasus-Spionage waren europäische Regierungschefs und Journalisten.

Pegasus-Skandal: Whistleblower enthüllt Überwachung von Politikern
Eine schattenhafte Figur in einem dunklen Raum, umgeben von Computerbildschirmen mit Code, symbolisiert digitale Spionage. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein ehemaliger Mitarbeiter des marokkanischen Geheimdienstes hat interne Abläufe beim Einsatz der Spionagesoftware Pegasus offengelegt. Der Whistleblower, der unter dem Pseudonym Safir auftritt, berichtet von systematischer Überwachung gegen Journalisten, Regimekritiker und europäische Spitzenpolitiker. Die Enthüllungen basieren auf Recherchen des Netzwerks Forbidden Stories und 14 internationalen Medienpartnern.

Geheimdienst nutzte Briefkastenfirma als Tarnung

Der marokkanische Inlandsgeheimdienst DGST beschaffte sich die Software der israelischen NSO Group über eine private Firma als Mittelsmann. Das Ziel: direkte Spuren zwischen der Behörde und dem Hersteller vermeiden. Die Aussagen von Safir werden durch Dokumente und eine weitere Quelle gestützt.

Bereits vor Jahren soll die Spionagesoftware in einer Villa in Rabat vorgeführt worden sein. Die Vereinigten Arabischen Emirate sollen das System als Geschenk überreicht haben. Marokko hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Spanischer Premier und Verteidigungsministerin im Visier

Die Überwachung reichte weit über Marokkos Grenzen hinaus. Mehr als 200 spanische Mobilfunknummern gerieten ins Visier. Darunter: die Geräte von Premierminister Pedro Sánchez und Verteidigungsministerin Margarita Robles im Jahr 2021.

Auch französische Regierungsmitglieder waren offenbar Ziele der Ausspähung. Interessantes Detail: Frankreich selbst prüfte 2019 den Erwerb von Pegasus. Präsident Emmanuel Macron lehnte das Vorhaben Ende 2020 ab – um die technologische Unabhängigkeit zu wahren. Zeitgleich wurden Berichte über die Überwachung französischer Minister durch Marokko bekannt.

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Pegasus gilt als besonders gefährlich. Die Software infiziert Smartphones per „Zero-Click“-Verfahren – ohne dass der Nutzer einen Link anklicken muss. Das Gerät ist dann vollständig kompromittiert.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch bezweifeln, dass die NSO Group die Kontrolle über den Einsatz ihrer Technologie durch staatliche Kunden ausreichend gewährleisten kann.

NSO Group unter Druck

Die NSO Group steht seit 2021 auf einer schwarzen Liste der USA. Das Unternehmen durchlebte massive Umbrüche: Ein Mitgründer verließ die Firma 2022, nachdem US-Investoren eine Mehrheitsbeteiligung übernommen hatten. Bereits 2013 waren führende Köpfe mit speziellen Reisedokumenten ins Ausland gereist, um Geschäfte anzubahnen.

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Die neuen Beweise dürften den Druck auf Regierungen erhöhen, den Export und Einsatz solcher Überwachungstechnologien schärfer zu regulieren. Die Enthüllungen zeigen: Hochspezialisierte Cyber-Waffen bedrohen Pressefreiheit und die Integrität staatlicher Kommunikation – und das in einem Ausmaß, das lange im Verborgenen blieb.

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