Pegasus-Spionage: EU-Abgeordneter während Aufklärung gehackt
06.07.2026 - 01:04:05 | boerse-global.de
Der griechische EU-Abgeordnete Stelios Kouloglou wurde mehrfach mit der Spionagesoftware Pegasus infiziert – ausgerechnet während er den Missbrauch solcher Überwachungstools untersuchte.
Das geht aus einem Bericht des renommierten Citizen Lab vom 5. Juli hervor. Demnach wurde Kouloglous iPhone zwischen 2022 und 2023 mindestens dreimal kompromittiert. Der frühere Journalist und Politiker saß zu dieser Zeit im PEGA-Ausschuss des Europaparlaments, der genau solche Spionagefälle aufklären sollte.
Infektionen in Athen und Brüssel
Die forensische Analyse identifizierte drei separate Angriffe: am 21. Oktober 2022 sowie am 6. und 7. März 2023. Die Zeitpunkte sind brisant – sie fielen mit entscheidenden Phasen der Ausschussarbeit zusammen, darunter die Vorbereitung von Missionen und die Formulierung des Abschlussberichts.
Die Hacker nutzten den sogenannten „PWNYOURHOME“-Exploit, eine Zero-Click-Methode, die keinerlei Nutzerinteraktion erfordert. Die Überwachung erfolgte während Kouloglous Aufenthalten in Athen und Brüssel – sogar während eines Krankenhausaufenthalts und auf Reisen.
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Vertrauliche Daten in feindlichen Händen
Der Angriff legt nahe, dass vertrauliche parlamentarische Kommunikation zur Spionage-Aufklärung abgegriffen wurde. Zwar nennt der Bericht keinen konkreten Staat als Auftraggeber, doch die verwendete Apple-ID-E-Mail-Adresse war bereits aus früheren Kampagnen gegen Journalisten aus Russland und Belarus bekannt.
Die Enthüllungen lösen in Brüssel Alarm aus. Sophie in 't Veld, ehemalige Kollegin im PEGA-Ausschuss, zeigte sich bestürzt. Die deutsche EU-Abgeordnete Hannah Neumann forderte eine sofortige Untersuchung. Analysten wie Rand Hammoud sehen darin einen Beleg für das anhaltende Versagen, den internationalen Spionagemarkt wirksam zu regulieren.
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Klage gegen NSO Group angekündigt
Kouloglou selbst kündigte rechtliche Schritte gegen die NSO Group an, die israelische Firma hinter Pegasus. In Griechenland bezeichnete die PASOK-Partei die Erkenntnisse als „extrem schwerwiegend“ und forderte Ermittlungen in Griechenland, Belgien und auf EU-Ebene.
Der Fall reiht sich ein in die anhaltenden Überwachungsskandale in Griechenland. In Athen läuft bereits ein Verfahren gegen vier Personen wegen des Vertriebs der Predator-Spyware – eines weiteren Tools, mit dem Dutzende Minister, Militärs und andere hochrangige Persönlichkeiten ausgespäht worden sein sollen. Die griechische Regierung bestreitet jede Verwicklung, verabschiedete jedoch Ende 2022 ein Gesetz, das bestimmte Überwachungssoftware unter Auflagen legalisiert.
