Pensionsalter Ăsterreich: Arbeitslosigkeit bei Frauen ĂŒber 60 springt um 356%
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 07:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters fĂŒr Frauen in Ăsterreich hat messbare Auswirkungen auf die Situation Ă€lterer Arbeitnehmerinnen am Arbeitsmarkt. Aktuelle Analysen und Arbeitsmarktdaten verdeutlichen eine Korrelation zwischen der gesetzlichen Neuregelung, die seit dem Jahr 2024 in Kraft ist, und einer deutlich steigenden Arbeitslosigkeit in der betroffenen Altersgruppe.
Analyse der Korrelation zwischen Pensionsalter und Erwerbsstatus
Die Arbeitsmarktexpertin Ingrid Mairhuber vom Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) sieht in Berichten von Anfang September 2026 einen direkten Zusammenhang zwischen dem steigenden Pensionsalter und den wachsenden Arbeitslosenzahlen bei Frauen ĂŒber 60 Jahren.
Seit 2024 wird das Antrittsalter sukzessive erhöht und liegt derzeit bei 61 Jahren und sechs Monaten. Dieser Prozess soll bis zum Jahr 2033 fortgesetzt werden, bis das Zielalter von 65 Jahren erreicht ist.
Laut EinschĂ€tzung der Expertin fĂŒhre diese Verschiebung dazu, dass Frauen lĂ€nger im Erwerbsleben verbleiben mĂŒssten, jedoch oft keinen entsprechenden Arbeitsplatz fĂ€nden oder behielten. Die Folge sei ein Ăbergang in die Arbeitslosigkeit statt in den Ruhestand.
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Signifikanter Anstieg der Arbeitslosigkeit bei 61-jÀhrigen Frauen
Daten der Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich untermauern diese Entwicklung. Im Juli 2026 waren demnach österreichweit rund 26.300 Personen im Alter von ĂŒber 60 Jahren arbeitslos gemeldet. Besonders auffĂ€llig sei die Entwicklung bei den 61-jĂ€hrigen Frauen: In dieser spezifischen Gruppe stieg die Zahl der Arbeitslosen innerhalb eines Jahres um fast 3.000 Personen an. Dies entspricht einer Steigerung von 356 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Auch regionale Daten stĂŒtzen diesen Trend. Das AMS Vorarlberg verzeichnete fĂŒr den Monat Juli 2026 insgesamt 10.555 gemeldete Arbeitslose, was einem Zuwachs von 8,5 % gegenĂŒber dem Vorjahr entspricht.
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Bei der Gruppe der ĂŒber 50-JĂ€hrigen fiel der Anstieg mit 16,2 % deutlich höher aus. Innerhalb dieser Alterskohorte zeigte sich zudem eine geschlechtsspezifische Diskrepanz: WĂ€hrend die Arbeitslosigkeit bei MĂ€nnern um 13,6 % zunahm, verzeichneten Frauen einen Anstieg von 19,4 %.
Barrieren in der betrieblichen BeschÀftigungsstruktur
Ein wesentlicher Faktor fĂŒr die prekĂ€re Lage Ă€lterer Arbeitnehmerinnen scheint in der Einstellungspolitik der Unternehmen zu liegen. Einer Erhebung der AK Oberösterreich zufolge beschĂ€ftigen 41 % der Betriebe mit mehr als vier Mitarbeitern keine Personen, die Ă€lter als 60 Jahre sind.
Diese ZurĂŒckhaltung der Wirtschaft bei der Einstellung oder WeiterbeschĂ€ftigung von ArbeitskrĂ€ften im höheren Alter erschwert die Integration derer, die aufgrund der Gesetzeslage lĂ€nger arbeiten mĂŒssen.
Andreas Stangl, PrÀsident der Arbeiterkammer, kritisierte in diesem Zusammenhang die aktuelle Ausrichtung der Pensionspolitik. Er forderte in Stellungnahmen vom September 2026, die Unternehmen stÀrker in die Pflicht zu nehmen.
Anstatt das Pensionsalter weiter zu erhöhen, mĂŒssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine tatsĂ€chliche BeschĂ€ftigung bis zum gesetzlichen Ruhestand ermöglichen. Die bloĂe Anhebung des Antrittsalters ohne entsprechende Aufnahmebereitschaft des Arbeitsmarktes fĂŒhre laut Stangl lediglich zu einer Verlagerung der Kosten in das System der Arbeitslosenversicherung.
