Pflanzenstoffe gegen Entzündungen: EFSA setzt Curcumin-Grenzwert auf 3 mg/ kg
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 23:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Verwendung von Pflanzenextrakten zur Behandlung von Entzündungen und chronischen Leiden steht zunehmend im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen. Während Substanzen wie Kurkuma in der Alternativmedizin oft als vielseitige Heilmittel beworben werden, mahnen medizinische Experten und Regulierungsbehörden zur Differenzierung.
Aktuelle Bewertungen zeigen, dass die klinische Wirksamkeit oft hinter den Erwartungen zurückbleibt und hohe Dosierungen gesundheitliche Risiken bergen können.
Begrenzte Wirkung von Curcumin und regulatorische Grenzwerte
Der Mediziner Andreas Michalsen weist darauf hin, dass Kurkuma beziehungsweise dessen Hauptwirkstoff Curcumin keinen relevanten Effekt auf den Blutdruck hat. Trotz der Popularität des Gewürzes in der Selbstmedikation sei die wissenschaftliche Evidenz für eine blutdrucksenkende Wirkung nicht gegeben.
In Bezug auf die Sicherheit von Nahrungsergänzungsmitteln setzt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) klare Grenzen: Die tägliche Aufnahme von Curcumin sollte maximal 3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht betragen.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf Kombinationspräparaten. Um die Aufnahme des Wirkstoffs im Körper zu erhöhen, wird Curcumin häufig mit Piperin, einem Extrakt aus schwarzem Pfeffer, versetzt. Hierbei sind jedoch laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mögliche Leberschäden zu beachten, die durch solche hochkonzentrierten Mischungen verursacht werden können.
Forschungsergebnisse zu Krebstherapie und chronischen Entzündungen
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In einer chinesischen Untersuchung, die am 16. August 2026 in der Fachzeitschrift Phytotherapy Research veröffentlicht wurde, untersuchten Wissenschaftler verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe wie Curcumin, Quercetin, Resveratrol, EGCG, Berberin, Genistein, Apigenin und Luteolin.
In präklinischen Versuchen zeigten diese Substanzen Wirkpotential gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Autoren der Studie betonten jedoch, dass die klinische Evidenz bisher begrenzt sei. Ein wesentliches Hindernis für den therapeutischen Einsatz bleibe zudem die problematische Bioverfügbarkeit dieser Stoffe.
Fortschritte gibt es hingegen bei der Erforschung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Forscher des UKSH Kiel und Partner aus den USA stellten fest, dass Entzündungsprozesse im Darm die Produktion von NAD+ blockieren, indem sie das Enzym QPRT hemmen.
Um diesen Engpass zu umgehen, wird der Einsatz von Nicotinamid (Vitamin B3) untersucht. Eine entsprechende klinische Studie unter dem Namen ORNATUS ist bereits angelaufen.
Stimulation der Magensäure und regulatorische Einordnung von Kräutern
Wissenschaftler des Leibniz-Instituts an der Technischen Universität München untersuchten die Wirkung von Kräuterextrakten wie Meisterwurz, Wacholder, Salbei und Schafgarbe auf die Verdauung. Diese stimulieren über spezifische Bitterrezeptoren (TAS2R4, TAS2R5 und TAS2R39) die Magensäureproduktion.
In Zellkultur-Studien erwies sich eine Mischung aus neun verschiedenen Extrakten als besonders wirksam, wobei eine klinische Bestätigung dieser Ergebnisse noch aussteht.
Parallel dazu gibt es neue Entwicklungen im EU-Novel-Food-Katalog hinsichtlich der Zulassung von Echinacea-Produkten. Während traditionelle Tees aus Kräutern und Wurzeln als nicht-neuartig eingestuft werden, bleibt der Status von Blüten und bestimmten Arten wie Echinacea pallida teilweise ungeklärt.
Zellkultur-Extrakte von Echinacea angustifolia und Echinacea purpurea werden weiterhin als Novel Food eingestuft und unterliegen damit strengeren Zulassungsverfahren.
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Warnungen vor unkontrollierter Dosierung
Verbraucherschützer mahnen zur Vorsicht bei der eigenständigen Supplementierung von Nährstoffen. Die Verbraucherzentrale NRW warnt vor einer unkontrollierten Dosierung von Nahrungsergänzungsmitteln. So könne eine Überdosierung von Vitamin D zu schweren Nierenschäden führen. Zudem enthalten Brausetabletten oft hohe Mengen an Natrium, was Wechselwirkungen mit Medikamenten auslösen kann.
Für ältere Menschen ergeben sich zudem spezifische Anforderungen an die Ernährung. Ab einem Alter von 65 Jahren steigt der tägliche Eiweißbedarf nach Einschätzung von Experten auf 1 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht an, um den physiologischen Veränderungen im Alter Rechnung zu tragen.
