Pflege-Auszubildende: Hälfte psychisch belastet, Zufriedenheit sinkt um 6%
Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Berichte aus dem August 2026 verdeutlichen eine erhebliche Zunahme der physischen und psychischen Belastungen für Pflegekräfte in stationären Einrichtungen. Am Beispiel des 42-jährigen Pflegehelfers Ömer Atesci in einem Basler Altersheim wird deutlich, wie extreme Wetterbedingungen den Arbeitsalltag verändern. Ohne installierte Klimaanlagen führte eine zweimonatige Hitzeperiode zu einem massiven Mehraufwand bei der Versorgung der Bewohner.
Hitzebelastung und gesundheitliche Risiken in Pflegeheimen
Die Schilderungen aus Basel dokumentieren eine verschärfte Arbeitssituation: Bei einer Belegung von 17 Bewohnern pro Schicht fielen laut Atesci mehrere Stunden Mehraufwand an. Die Anzahl der notwendigen Zimmerbesuche stieg demnach von üblicherweise drei bis vier auf bis zu acht Einsätze pro Schicht an.
Zusätzliche Pausen zur Regeneration wurden dabei nicht gewährt. Diese Situation ist offenbar kein Einzelfall. Der Branchenverband Curaviva wies im August 2026 darauf hin, dass eine aktive Kühlung in Pflegeheimen derzeit nicht die Regel darstellt.
Die medizinischen Folgen fehlender Kühlsysteme werden durch wissenschaftliche Daten untermauert. Eine kanadische Studie, auf die im Rahmen der aktuellen Debatte Bezug genommen wurde, beziffert die Sterberate an Hitzetagen in Einrichtungen ohne Klimaanlage auf einen um 8 Prozent höheren Wert. Auch in Deutschland wird die Situation kritisch bewertet.
Angehörige einer 91-jährigen Bewohnerin in Freiburg kritisierten im August 2026, dass selbst in Neubauten kaum Klimaanlagen existieren, was die gesundheitliche Gefährdung vulnerabler Gruppen erhöhe. Die Gewerkschaft Unia forderte angesichts dieser Entwicklungen eine deutliche Entlastung für das Personal.
Systemische Belastungen und Rückgang der Zufriedenheit
Neben den klimatischen Bedingungen belasten strukturelle Probleme die Beschäftigten. Der DGB-Ausbildungsreport 2026 zeigt eine deutliche Verschlechterung der Situation für Nachwuchskräfte. Demnach fühlt sich die Hälfte der Auszubildenden in der Pflege psychisch belastet.
Die allgemeine Zufriedenheit sank um 6 Prozentpunkte auf 65,7 Prozent. Als Hauptursachen werden zunehmende Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten sowie eine schwierige finanzielle Situation und Wohnlage genannt. Der DGB fordert vor diesem Hintergrund eine Vergütung von mindestens 80 Prozent des jeweiligen Tarifdurchschnitts.
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Trotz steigender Ausbildungszahlen – das WSI der Hans-Böckler-Stiftung verzeichnete für 2025 insgesamt 63.900 neue Verträge gegenüber 52.100 im Jahr 2022 – bleibt der Personalmangel akut.
Im Tessin sind Schätzungen zufolge 30 Prozent der Pflegeeinheiten unterbesetzt, während die Zahl der Pflegekräfte dort innerhalb von drei Jahren um 15 Prozent zurückging. Der Orden der Pflegeberufe Varese wies bereits für das Jahr 2022 auf eine erhebliche Lücke von 150 offenen Stellen hin.
Wirtschaftlicher Druck und Versorgungsengpässe
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führen zunehmend zu Betriebsschließungen. Die AWO Schleswig-Holstein kündigte im August 2026 an, die stationäre Pflege im Servicehaus Sandberg in Flensburg ab November 2026 einzustellen.
Als Gründe nannte die Organisation den Fachkräftemangel, hohe Krankenstände und eine Kostenstruktur, bei der die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr decken. Für die 56 betroffenen Bewohner müssen neue Plätze gefunden werden, während die Eigenanteile in Schleswig-Holstein bereits auf über 3.000 Euro pro Monat gestiegen sind.
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Gegen die geplante Gesetzgebung, insbesondere das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG), regt sich Widerstand. Pflegeanbieter und Beschäftigte planten für den 24. August 2026 eine demonstration in Erfurt. Verbände wie der BPA Thüringen und der VDAB fordern eine verlässliche Refinanzierung der Personalkosten sowie eine schnellere Anerkennung internationaler Fachkräfte.
Zeitgleich warnt der VKD vor Sparplänen der gesetzlichen Krankenversicherungen, die eine Deckelung der Refinanzierung von Tariflohnsteigerungen auf 50 Prozent vorsehen könnten, was die Versorgungsqualität weiter gefährden würde.
Technologische Ansätze und regulatorische Kriterien
Um das Personal zu entlasten, werden verstärkt digitale Assistenzsysteme erprobt. In einem Seniorenzentrum in Gundelfingen wurden im August 2026 im Rahmen einer Technologiewerkstatt Systeme zur Sturzerkennung und zur digitalen Dokumentation getestet. Ziel ist es, den administrativen Aufwand zu reduzieren und mehr Zeit für die direkte Patientenversorgung zu gewinnen.
Parallel dazu konkretisieren sich die Kriterien für die Einstufung der Pflegebedürftigkeit. In den Begutachtungs-Richtlinien wird Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage als relevantes Kriterium geführt.
Eine tägliche Antriebslosigkeit fließt dabei mit 5 Einzelpunkten in die Bewertung ein, wobei für das Erreichen des Pflegegrads 1 insgesamt mindestens 12,5 gewichtete Punkte über verschiedene Bereiche hinweg notwendig sind. Besonders stark gewichtet wird dabei die Selbstversorgung mit einem Anteil von 40 Prozent.
