Pflege-Roboter, Millionen

Pflege-Roboter: 5,6 Millionen Pflegebedürftige bis 2035 treiben Einsatz

Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Praxistests in Gundelfingen zeigen: Digitale Assistenzsysteme entlasten Pflegekräfte und fördern Selbstständigkeit, ohne sie zu ersetzen.

Digitale Helfer im Pflegealltag: Erprobung in Gundelfingen zeigt Potenzial
Ein Assistenzroboter interagiert mit einer älteren Person in einem hellen Seniorenzentrum. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Seniorenzentrum Gundelfingen wurden an zwei Praxistagen digitale Assistenzsysteme im Pflegealltag erprobt. Gefördert im Rahmen des BMAS-Projekts "Trudi", standen dabei digitale Pflegedokumentation, datengestütztes Monitoring, Notrufsysteme, Sturzerkennung und Aktivierungsangebote im Mittelpunkt. Die Workshops leitete die Diakonie Baden.

Ziel der Erprobung war es, den Zeitaufwand für die Pflegedokumentation zu senken und dadurch mehr Zeit für die direkte Versorgung der Bewohner zu gewinnen. Der Test in Gundelfingen reiht sich in eine breitere Entwicklung ein, in der Einrichtungen bundesweit und international unterschiedliche technische Lösungen für den Pflegealltag erproben.

Wachsender Bedarf als Treiber

Hintergrund solcher Erprobungen ist der absehbare Personalmangel in der Pflege. Prognosen zufolge könnten in Deutschland bis 2035 über 5,6 Millionen Menschen pflegebedürftig sein – ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber 2021. Bis 2030 würden demnach 130.000, bis 2040 bis zu 250.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt.

Die Technische Universität München, die mit "Garmi" einen Assistenzroboter mit Rollen statt Beinen entwickelt hat, geht sogar davon aus, dass Deutschland bis 2050 zwischen 7 und 9 Millionen Pflegekräfte brauchen wird.

Garmi versteht Sprache, plant eigenständig, bringt Getränke und soll bei Diagnose und Reha unterstützen. Der an der Entwicklung beteiligte Experte Alexander König rechnet allerdings vor 2036 nicht mit einer großflächigen Verbreitung solcher Systeme.

Soziale Roboter und ethische Grenzen

Neben Assistenzsystemen zur Dokumentation testen Einrichtungen zunehmend auch soziale Roboter. Der von Navel Robotics entwickelte Roboter "Navel" ist seit 2023 in rund 90 Einrichtungen im Einsatz und kostet über 30.000 Euro; er wurde unter anderem in Ilfeld und Herrsching erprobt.

Der Deutsche Ethikrat unterscheidet dabei zwischen Assistenz-, Monitoring- und sozialen Robotern und betont, dass Experten einhellig davon ausgehen, dass Roboter Pflegekräfte nicht ersetzen können, sondern allenfalls entlasten.

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Auch außerhalb der klassischen Altenpflege entstehen neue Testfelder: In Gelsenkirchen eröffnete die United Robotics Group in den Räumen der ehemaligen Intensivstation des St. Josef-Hospitals ein Trainings- und Entwicklungszentrum für KI-basierte Robotik im Gesundheitswesen und erprobt dort vier Systeme für Sprachinteraktion und den Transport von Proben.

Assistive Technik für mehr Selbstständigkeit

Nicht alle Projekte zielen primär auf Entlastung des Personals. Die Sozialstiftung NRW erprobt in zehn Wohnheimen für Menschen mit Behinderung assistive Technik. Im Josefsheim Sundern nutzen Bewohner Alexa-Sprachassistenten, um sich Rezepte vorlesen zu lassen oder Licht und Rollläden zu steuern. Die zuständige Einrichtungsleiterin betonte, dass es dabei vorrangig um Teilhabe und Selbstständigkeit gehe.

Auch in der Demenzpflege setzen Einrichtungen auf unterschiedliche technische Konzepte. In der Rhein-Neckar-Region nutzt das "Haus am Seeweg" in Heddesheim Transponder-Armbänder für fünf Bewohner, während das Horst-Schroff-SeniorenPflegeZentrum stärker auf Inklusion und die interaktive "Tovertafel" setzt, die Spiele auf Tische projiziert; eine dort früher genutzte Scheinbushaltestelle wurde inzwischen abgebaut.

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Technische Assistenz über die Pflege hinaus

Digitale Unterstützungssysteme finden sich mittlerweile auch in angrenzenden Bereichen des Gesundheitswesens. Am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam kommt seit Mai 2026 ein "Unit-Dose-System" zum Einsatz, bei dem Arzneimittel vollautomatisch patientenindividuell verpackt und gekennzeichnet werden; Ärzte verordnen dabei digital, die Apotheke prüft Dosierung und Wechselwirkungen.

Die Beispiele aus Gundelfingen und weiteren Einrichtungen deuten darauf hin, dass digitale Assistenzsysteme in der Pflege derzeit vor allem als punktuelle Entlastung erprobt werden – mit dem erklärten Ziel, Pflegekräften mehr Zeit für die direkte Versorgung zu verschaffen, ohne sie zu ersetzen.

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