Pflegegradreform, Schwellenwerte

Pflegegradreform 2027: Schwellenwerte fĂŒr Pflegegrad 1 und 2 steigen

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 11:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Pflegeversorgung verĂ€ndert sich durch digitale Konzepte, neue Rollen und geplante Regeln. EliPfad liefert Erkenntnisse fĂŒr die Nachsorge.

Pflege im Wandel: Digitalisierung, neue Modelle und Reformen
Ein helles, modern eingerichtetes Wohnzimmer mit einem bequemen Sessel und einem digitalen Tablet auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Die sektorenĂŒbergreifende Versorgung Ă€lterer Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt steht zunehmend im Zentrum gesundheitspolitischer und wissenschaftlicher Betrachtungen. Angesichts des demografischen Wandels und des FachkrĂ€ftemangels gewinnen Modelle an Bedeutung, die technologische Innovationen mit personellen Versorgungsstrukturen verknĂŒpfen.

Ein zentrales Beispiel fĂŒr diesen Ansatz ist die „eliPfad“-Studie, deren erste Ergebnisse und Strukturen einen Einblick in die Zukunft der geriatrischen Nachsorge ermöglichen.

Das Modellprojekt eliPfad: Kombination aus Technik und Mensch

Im Rahmen der „eliPfad“-Studie wurden fast 1.000 Ă€ltere Menschen an sechs spezialisierten Zentren in Nordrhein-Westfalen nach ihrer Entlassung aus der stationĂ€ren Behandlung begleitet.

Das Projekt verfolgt das Ziel, die SelbststĂ€ndigkeit der Betroffenen durch eine Kombination aus engmaschiger persönlicher Betreuung und dem Einsatz digitaler Hilfsmittel zu stabilisieren und zu fördern. Die Begleitung setzt an der kritischen Schnittstelle zwischen Klinik und hĂ€uslichem Umfeld an, um BrĂŒche in der Versorgungskette zu vermeiden.

Gefördert wird die Untersuchung vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). WĂ€hrend die praktische Begleitphase bereits wichtige Erkenntnisse liefert, ist die finale Auswertung der Studienergebnisse fĂŒr Mitte 2027 geplant. Das Projekt steht exemplarisch fĂŒr das Bestreben, evidenzbasierte AnsĂ€tze fĂŒr eine nachhaltige StĂ€rkung der hĂ€uslichen Pflege zu etablieren.

Digitalisierung als strategischer Pfeiler der GKV

Parallel zu solchen Modellprojekten forcieren die KostentrĂ€ger die digitale Transformation. Ende August 2026 verabschiedete der GKV-Spitzenverband das Positionspapier „Mehr Digitalisierung fĂŒr eine zukunftsfeste Pflege“.

Darin werden Kernpunkte wie die Telepflege und die vollstÀndige Integration von Pflegeinformationen in die elektronische Patientenakte (ePA) gefordert. Zudem betont der Verband die Notwendigkeit, digitale Kompetenzen sowohl bei den PflegekrÀften als auch bei den Versicherten zu stÀrken und den Nutzen digitaler Anwendungen durch wissenschaftliche Belege abzusichern.

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ErgÀnzend dazu veröffentlichten Fachverlage Ende August 2026 neue Standardwerke zur QualitÀtsentwicklung in der Pflege sowie zu den Aufgaben der Pflegedienstleitung. Diese Publikationen unterstreichen die wachsende Bedeutung von Expertenstandards und modernen QualitÀtsinstrumenten in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt.

Anpassung der PrimÀrversorgung und neue Berufsbilder

Die strukturellen Defizite in der Ă€rztlichen Versorgung fließen ebenfalls in die Analysen zur pflegerischen Zukunft ein. Aktuellen Berichten zufolge sind rund 5.000 Hausarztsitze in Deutschland unbesetzt; bis zum Jahr 2040 könnte diese Zahl auf 12.000 ansteigen.

Vor diesem Hintergrund plant die Bundesregierung die EinfĂŒhrung eines PrimĂ€rversorgungssystems, bei dem der Hausarzt als erste Anlaufstelle fungiert. Eine Kommission prĂŒft in diesem Kontext die Erweiterung der Kompetenzen fĂŒr PflegekrĂ€fte, angelehnt an historische Vorbilder wie die Gemeindeschwestern. Ein detaillierter Bericht der Finanzkommission Gesundheit hierzu wird fĂŒr den 18. Dezember 2026 erwartet.

Erste AnsĂ€tze zur Erweiterung der Versorgungsteams finden bereits in der Praxis statt. In der Gerontopsychiatrie der LVR-Klinik Viersen wurde im August 2026 eine ausgebildete Genesungsbegleiterin integriert. Der Chefarzt der Einrichtung, Dr. Timm Strotmann-Tack, bezeichnete diese ErgĂ€nzung als wertvoll fĂŒr das therapeutische Angebot.

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Änderungen bei Pflegegraden und administrativen AblĂ€ufen

FĂŒr PflegebedĂŒrftige und deren Angehörige ergeben sich durch gesetzliche Neuregelungen und geplante Reformen konkrete VerĂ€nderungen. Experten des VdK raten dazu, AntrĂ€ge auf Pflegegrade nach Möglichkeit noch im Jahr 2026 zu stellen.

Hintergrund ist ein Referentenentwurf, der ab 2027 höhere Schwellenwerte vorsieht. So soll die Grenze fĂŒr Pflegegrad 1 von 12,5 auf 15 Punkte und fĂŒr Pflegegrad 2 von 27 auf 30 Punkte steigen. FĂŒr bestehende Einstufungen gilt jedoch ein Bestandsschutz.

Bereits seit Anfang 2026 gelten zudem neue Fristen fĂŒr den Verbleib im Pflegegeldbezug wĂ€hrend eines Klinikaufenthalts. Das Pflegegeld wird nun fĂŒr bis zu acht Wochen pro Kalenderjahr weitergezahlt, wobei auch die RentenversicherungsbeitrĂ€ge erst nach diesem Zeitraum ruhen.

Zudem wurde der Nachweisrhythmus fĂŒr BeratungseinsĂ€tze bei den Pflegegraden 2 bis 5 auf einmal pro Halbjahr vereinheitlicht, was den administrativen Aufwand fĂŒr SchwerstpflegebedĂŒrftige reduziert.

Trotz dieser Anpassungen bleibt die finanzielle Belastung hoch. Zum Stand 1. Juli 2026 lag der bundesweite Durchschnitt des Eigenanteils an den Heimkosten im ersten Jahr bei 3.364 Euro.

Zwar steigen die LeistungszuschlĂ€ge der Pflegekassen mit der Aufenthaltsdauer – von 15 Prozent im ersten Jahr auf bis zu 75 Prozent nach 36 Monaten –, dennoch bleibt die Refinanzierung der Pflege ein zentrales Thema fĂŒr politische Auseinandersetzungen, wie die aktuellen ProtestmĂ€rsche von FachkrĂ€ften in Richtung Berlin verdeutlichen.

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