Pflegeheimkosten, Eigenanteile

Pflegeheimkosten: Eigenanteile steigen auf 3.364 Euro monatlich

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 17:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Bundesregierung plant Einschnitte im Sozialhaushalt, während über Rentenregeln, Pflegekosten und einen Ausgleich zwischen Versicherungssystemen beraten wird.

Sozialreformen 2026: Koalition ringt um Rente, Pflege und Gesundheit
Moderne Fassade eines Berliner Regierungsgebäudes an einem bewölkten Herbsttag. Illustration mit AI erstellt.

Die Bundesregierung bereitet für den Herbst 2026 umfassende Reformen im Sozialrecht vor. In den Haushaltsberatungen im September 2026 verhandelt die Koalition über Pflege-, Gesundheits- und Rentenreform gleichzeitig – ein Bündel, das die Grundlagen der sozialen Sicherung in Deutschland neu ordnen soll.

Im Zentrum der Debatte stehen die Stärkung der Pflegeversicherung samt Deckelung steigender Eigenanteile, die Entlastung pflegender Angehöriger, bessere Arbeitsbedingungen gegen den Fachkräftemangel sowie Strukturreformen im Gesundheitssystem.

Rentenreform gerät nach Wahlerfolg der AfD ins Wanken

Ursprünglich sah ein Rentenentwurf vor, das Renteneintrittsalter ab 2032 an die Lebenserwartung zu koppeln und die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen.

Nach dem Erfolg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeigte sich Bundeskanzler Merz im Bundestag jedoch offen für Zugeständnisse: Der abschlagsfreie Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren soll womöglich doch nicht abgeschafft werden. Arbeitsministerin Bas arbeitet bis Oktober an dem Rentengesetzentwurf.

Der CDU-Wirtschaftsrat warnte unterdessen vor Schlupflöchern beim geplanten Aus der Rente mit 63, während die SPD die Beibehaltung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren fordert. Umfragen aus Sachsen-Anhalt zeigten, dass zwei Drittel der Befragten Einsparungen bei Rente, Gesundheit und Pflege ablehnen.

Im ARD-DeutschlandTrend extra nach der Landtagswahl sprachen sich fast 6 von 10 Wahlberechtigten für Korrekturen an den Reformen aus, nur 2 von 10 für einen kompletten Verzicht darauf. Laut infratest dimap gaben zudem 82 Prozent in Sachsen-Anhalt an, die Regierung habe zu wenig für Steuersenkungen getan; fast drei Viertel wollen die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren behalten.

Haushalt 2027: Milliardeneinsparungen bei Rente, Pflege und Gesundheit

Finanzminister Klingbeil stellte den Bundeshaushalt 2027 vor: Er sieht rund 118 Milliarden Euro Investitionen vor, darunter ein Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität von über 36 Milliarden Euro, einen Klima- und Transformationsfonds von 10 Milliarden Euro sowie Verteidigungsausgaben von über 109 Milliarden Euro. Gleichzeitig senkt der Bund seinen Zuschuss zur Rentenversicherung für 2027 um 1 Milliarde Euro.

Der Gesamthaushalt 2027 umfasst Ausgaben von rund 555 Milliarden Euro bei fast 120 Milliarden Euro neuen Schulden. Der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung wird 2027 um weitere 2,2 Milliarden Euro gekürzt, nachdem bereits zwischen 2024 und 2026 rund 1,2 Milliarden Euro gestrichen wurden.

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Der durchschnittliche Eigenanteil für einen Pflegeheimplatz lag zum 1. Juli 2026 laut Verband der Ersatzkassen bei 3.364 Euro monatlich – ein Plus von 256 Euro gegenüber dem Vorjahr. Wer die einzelnen Posten kennt, kann gezielt Entlastungen beantragen. Kostenlosen Pflege-Leitfaden anfordern

Das Gesundheitsministerium muss von 21,77 Milliarden Euro (2026) auf 14,33 Milliarden Euro schrumpfen, ein Minus von 7,43 Milliarden Euro. Auch die Pflegeausgaben sinken um 3,28 Milliarden Euro.

Finanzausgleich zwischen privater und gesetzlicher Pflegeversicherung geprüft

Das Bundessozialministerium prüft einen Finanzausgleich zwischen privater und gesetzlicher Pflegeversicherung. Laut einem Regierungsbericht von 2024 wäre ein Volumen von bis zu 2 Milliarden Euro pro Jahr möglich; die privaten Beitragseinnahmen liegen bei rund 5 Milliarden Euro jährlich. Über einen Altersrückstellungsausgleich, gestützt auf private Rücklagen von über 40 Milliarden Euro, wären zusätzlich rund 500 Millionen Euro pro Jahr denkbar.

Im Referentenentwurf zum Pflege-Neuordnungsgesetz ist zudem vorgesehen, die Tariftreuepflicht auszusetzen und das Grundgehalt ab 2027 über vier Jahre jährlich um 1 Prozentpunkt zu senken, insgesamt 4 Prozentpunkte. Hintergrund ist ein Defizit der Pflegekassen von 770 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026, nachdem die Pflegelöhne zuletzt um bis zu 20 Prozent gestiegen waren.

Eigenanteile im Heim: Rehlinger fordert Deckelung

Saarlands Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) fordert eine Deckelung des pflegebedingten Eigenanteils im Heim auf 1500 Euro monatlich, finanzierbar im bestehenden Versicherungssystem. Die SPD berät ihren Reformkurs nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt (43,8 Prozent) neu.

Laut dem Verband der Ersatzkassen (vdek) lag der durchschnittliche Eigenanteil für einen Pflegeheimplatz im ersten Aufenthaltsjahr bundesweit zum Stichtag 1. Juli 2026 bei 3364 Euro monatlich – ein Plus von 256 Euro gegenüber Juli 2025. Die höchsten Werte verzeichneten Bremen mit 3761 Euro und das Saarland mit 3695 Euro, die niedrigsten Sachsen-Anhalt mit 2891 Euro.

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Pflegekassen verzeichnen im ersten Halbjahr 2026 ein Defizit von 770 Millionen Euro, gleichzeitig sinken die Pflegeausgaben im Bundeshaushalt 2027 um 3,28 Milliarden Euro. Für Angehörige wird es wichtiger, eigene Ansprüche frühzeitig zu sichern. Schritt-für-Schritt-Anleitung jetzt sichern

Der einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) stieg demnach um 12 Prozent auf 1775 Euro, hauptsächlich wegen gestiegener Personalkosten. Würden die Länder Investitions- und Ausbildungskosten übernehmen, ließen sich Bewohner laut vdek um durchschnittlich 649 Euro monatlich entlasten.

AWO, Sozialverband Deutschland und die Deutsche Stiftung Patientenschutz bewerteten Rehlingers Vorschlag positiv. Pflegebevollmächtigte Katrin Staffler (CSU) kritisierte hingegen, der Vorschlag koste die Pflegeversicherung Milliarden.

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