Pflegekosten, Eigenanteile

Pflegekosten: Eigenanteile steigen auf 3.364 Euro monatlich

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 14:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Pflegekassen stehen finanziell unter Druck: Ein Ausgleich zwischen privaten und gesetzlichen Versicherern sowie weitere Reformen werden geprüft.

Pflegeversicherung: Regierung prüft Solidarzuschlag für Privatversicherte
Ein minimalistischer Flur in einem modernen Verwaltungsgebäude mit klaren Betonwänden und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Die Bundesregierung prüft laut einem Bericht von faz.net einen „Finanzausgleich" zwischen privater und gesetzlicher Pflegeversicherung. Kern der Überlegung: Privatversicherte sollen künftig womöglich einen Solidarzuschlag an die beitragsfinanzierten Pflegekassen zahlen.

Gleichzeitig sollen Gutverdiener ab 2027 höhere Verdienstschwellen erhalten. Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der die gesetzliche Pflegeversicherung unter erheblichem finanziellem Druck steht.

Kostenasymmetrie als zentrales Argument

Ein Papier des Bundessozialministeriums, über das nius.de berichtet, sieht vor, Mittel aus der privaten Pflegeversicherung ins gesetzliche System zu leiten.

Begründet wird dies mit einer „gravierenden Kostenasymmetrie": Der Anteil Pflegebedürftiger im gesetzlichen System sei fast doppelt so hoch wie im privaten. Nach Angaben aus einem Regierungsbericht von 2024 könnten durch einen solchen Ausgleich bis zu 2 Milliarden Euro pro Jahr mobilisiert werden.

Die privaten Beitragseinnahmen liegen demnach bei gut 5 Milliarden Euro jährlich. Zusätzlich wird ein Altersrückstellungsausgleich diskutiert, der rund 500 Millionen Euro pro Jahr aus insgesamt 40 Milliarden Euro Rücklagen der privaten Versicherer generieren könnte.

Strukturelles Defizit trotz Bundesdarlehen

Der Bundesrechnungshof warnte in einem Bericht an den Haushaltsausschuss davor, dass Bundesdarlehen die strukturellen Defizite der Pflegeversicherung nicht lösen. Für 2026 ist ein Darlehen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro vorgesehen, für 2027 sind laut dem Bericht keine weiteren Hilfen eingeplant.

Zudem soll die Rückzahlung nach dem PNOG-Entwurf erst in den Jahren 2035 bis 2039 erfolgen statt wie ursprünglich geplant zwischen 2028 und 2033. Für die Digitalisierung der Langzeitpflege sind zwischen 2027 und 2031 insgesamt 1,6 Milliarden Euro aus dem SVIK vorgesehen.

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Der GKV-Spitzenverband bezifferte das Defizit der Pflegeversicherung für 2026 auf rund 4,4 Milliarden Euro bei fast 6 Millionen Pflegebedürftigen. Ab Oktober 2026 reichten die Einnahmen demnach nicht mehr für die Pflegeleistungen aus, bis Jahresende seien weitere 500 Millionen Euro nötig.

Eigenanteile steigen weiter

Parallel zur Debatte um die Finanzierungsstruktur wachsen die Belastungen für Pflegebedürftige selbst. Nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen lagen die Eigenkosten im ersten Heimjahr zum 1. Juli bundesweit im Schnitt bei 3.364 Euro pro Monat – ein Anstieg von 119 Euro gegenüber dem Jahresbeginn und von 256 Euro gegenüber dem 1. Juli 2025. Anke Rehlinger (SPD), Ministerpräsidentin des Saarlandes, forderte deshalb eine Deckelung des Eigenanteils in der stationären Pflege auf 1.500 Euro pro Monat.

AWO, SoVD und die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßten den Vorschlag. Katrin Staffler (CSU), Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, warnte hingegen vor Milliardenkosten einer solchen Deckelung. Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, warnte zudem vor Beitragserhöhungen als Lösung.

Weitere Reformforderungen

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Als alternativer oder ergänzender Reformvorschlag kursiert eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der Pflegeversicherung von derzeit 5.812,50 Euro auf knapp 6.950 Euro pro Monat, wie eine Berechnung der privaten Krankenversicherung zeigt. Demnach würden Selbstständige bis zu 489 Euro pro Jahr mehr zahlen, Angestellte gut 240 Euro pro Jahr.

Der Verband bad e.V. forderte zudem die Erstattung pandemiebedingter Aufwendungen in Höhe von rund 5,2 Milliarden Euro sowie steuerfinanzierte Rentenbeiträge für pflegende Angehörige von rund 5,3 Milliarden Euro. Mehrere Verbände forderten zum Tag der pflegenden Angehörigen zudem einen Ausbau von Tages- und Verhinderungspflege sowie eine Entgeltersatzleistung analog zum Elterngeld.

Der neue Gesundheitsminister Linnemann (CDU), der am 8. September 2026 vereidigt wurde, kündigte an, geplante Einsparungen bei Rentenansprüchen pflegender Angehöriger streichen zu wollen.

Die Dimension der häuslichen Pflege verdeutlicht die Pflegestatistik 2023: Danach wurden 4,9 Millionen Pflegebedürftige zu Hause versorgt – nach Angaben der Stiftung ZQP etwa sechs von sieben Betroffenen –, davon 3,1 Millionen allein durch Angehörige.

Die Simulation der häuslichen Pflege verdeutlicht die Pflegestatistik 2023: Danach wurden 4,9 Millionen Pflegebedürftige zu Hause versorgt – nach Angaben der Stiftung ZQP etwa sechs von sieben Betroffenen –, davon 3,1 Millionen allein durch Angehörige.

Die Debatte um einen Pflegesoli für Privatversicherte reiht sich damit in eine breitere Diskussion über die künftige Finanzierung eines Systems ein, das an mehreren Fronten gleichzeitig unter Druck steht.

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