Pflegekräftemangel, Kräfte

Pflegekräftemangel: Bis 2049 könnten bis zu 690.000 Kräfte fehlen

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ausländische Fachkräfte stellen rund 22,5 Prozent des Krankenhausärztepersonals; die DKG drängt auf einheitliche, digitalisierte Verfahren.

DKG verlangt schnellere Anerkennung ausländischer Gesundheitsberufe
Ein heller, leerer Krankenhausflur mit großen Fenstern und modernem, sterilem Interieur. Illustration mit AI erstellt.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels eine deutliche Beschleunigung der Anerkennungsverfahren für ausländische Berufsabschlüsse im Gesundheitswesen. Der Vorstoß richtet sich gegen bürokratische Hürden, die aus Sicht des Verbands die Versorgungssituation in deutschen Krankenhäusern zunehmend gefährden.

Kritik an zersplitterten Zuständigkeiten

DKG-Vorstandsvize Henriette Neumeyer bezeichnete die Anerkennungsbürokratie in Deutschland gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" als weiterhin sehr kompliziert und langwierig. Nötig seien bundesweit einheitliche Zuständigkeiten und Abläufe.

Konkret kritisierte sie, dass Anträge derzeit von Landesärztekammern bearbeitet werden, deren Anforderungen von Bundesland zu Bundesland variieren. Diese Zersplitterung führe zu unnötigen Verzögerungen, obwohl Kliniken dringend auf zusätzliches Personal angewiesen seien.

Neben der Anerkennung selbst benennt die DKG auch die Visa-Verfahren als Flaschenhals. Fachkräfte müssten teils Monate und manchmal sogar Jahre auf einen Botschaftstermin in ihrem Heimatland warten. Die Prozesse seien kompliziert und selten digitalisiert. Kliniken übernähmen dabei oft zusätzlich die Kosten für Vermittlungsagenturen, um überhaupt Personal aus dem Ausland gewinnen zu können.

Ausmaß der Abhängigkeit von ausländischem Personal

Wie stark deutsche Krankenhäuser bereits heute auf internationale Fachkräfte angewiesen sind, zeigen mehrere Zahlen aus dem Bericht. Laut Ärztestatistik der Bundesärztekammer besitzen 16 Prozent der in Deutschland tätigen Ärzte eine ausländische Staatsbürgerschaft; im Krankenhausbereich liegt dieser Anteil nach DKG-Angaben bei rund 22,5 Prozent. In der Krankenpflege schätzt die DKG den Anteil ausländischer Beschäftigter auf etwa 20 Prozent.

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Ein Beispiel aus der Praxis liefert das Universitätsklinikum Augsburg: Von den rund 7900 Beschäftigten dort stammen 21 Prozent, also etwa 1600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aus dem Ausland. Solche Größenordnungen verdeutlichen, wie stark der Betrieb einzelner Häuser inzwischen von internationalem Personal abhängt.

Blick auf die demografische Entwicklung

Untermauert wird die Dringlichkeit der Forderung durch Prognosen des Statistischen Bundesamts. Demnach werden in Deutschland bis zum Jahr 2049 je nach Szenario zwischen 280.000 (im günstigsten Fall) und 690.000 Pflegekräfte fehlen.

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Vor diesem Hintergrund warnt die DKG, dass ohne ausländische Fachkräfte die Gesundheitsversorgung in Deutschland spürbar eingeschränkt würde – mit langen Wartelisten, Leistungseinschränkungen und verschobenen Operationen als Folge.

Neumeyer forderte deshalb eine einfachere, schnellere und digitalisierte Zuwanderung für Fachkräfte im Gesundheitswesen, um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken.

Politische Dimension der Debatte

Ein Kommentar der "Augsburger Allgemeinen" ordnet die Forderungen der DKG in einen breiteren politischen Kontext ein: Kliniken in Deutschland seien wegen bestehender Personalengpässe auf ausländische Kräfte angewiesen, weshalb mehr Zuwanderung sowie eine schnellere und leichtere Anerkennung ausländischer Abschlüsse nötig seien – ohne dabei Qualitätsstandards zu senken.

In diesem Zusammenhang kritisiert der Kommentar den AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt, der in seinem Programm den Verzicht auf sogenannte "kulturfremde Fachkräfte" fordert. Der Kommentar stellt diese Position den praktischen Erfordernissen der Krankenhausversorgung gegenüber, wie sie sich aus den Zahlen zu Personalanteilen und demografischer Entwicklung ergeben.

Die DKG sieht in einer Vereinheitlichung der Verfahren und einer Digitalisierung der Visa-Prozesse zentrale Stellschrauben, um dem drohenden Fachkräftemangel im Gesundheitswesen entgegenzuwirken, ohne die Versorgungsqualität in Krankenhäusern zu gefährden.

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