Pflegende, Angehörige

Pflegende Angehörige: Meta-Analyse mit 81.000 Menschen zeigt psychische Last

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 07:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Millionen Angehörige stemmen die häusliche Pflege; psychische Belastungen sind häufig, während viele Unterstützungsangebote ungenutzt bleiben.
Ein leerer Holzstuhl in einem sonnendurchfluteten, ruhigen Wohnzimmer mit langen Schatten auf dem Boden. Illustration mit AI erstellt.

Angehörige übernehmen den größten Anteil bei der Betreuung und Versorgung von Demenzkranken. Wie René Thyrian vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Greifswald am 26. Oktober 2026 hervorhob, wäre diese gesellschaftliche Herausforderung ohne die unbezahlte Unterstützung aus dem familiären Umfeld kaum zu bewältigen.

Durch den demografischen Wandel sowie häufigere Diagnosen bei jüngeren Personen nimmt die Zahl der Betroffenen nach Einschätzung von Thyrian weiter zu.

In Deutschland leben derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft weist darauf hin, dass die Alzheimer-Krankheit die häufigste Ursache dafür darstellt. Die Erkrankung gilt als unheilbar und führt zum kontinuierlichen Abbau von Nervenzellen. Im schweren Stadium kommt es nach Angaben der Fachgesellschaft unter anderem zum Verlust der Sprache sowie der Kontrolle über Blase und Darm.

Steigende Fallzahlen und wachsende Belastung im System

Insgesamt gelten in Deutschland mehr als sechs Millionen Menschen als pflegebedürftig. Laut Pflegestatistik wurden im Jahr 2023 rund 4,9 Millionen Pflegebedürftige zu Hause betreut.

Schätzungen beziffern die Gesamtzahl pflegender Angehöriger auf 7,1 Millionen bis hin zu zehn Millionen Menschen, die Partner, Eltern oder erwachsene Kinder versorgen. Sachsens Sozialministerin Petra Köpping erklärte, das Pflegesystem würde ohne den Einsatz der Angehörigen auf jeden Fall zusammenbrechen.

Gleichzeitig verschärfen sich die finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen. Der CDU-Gesundheitspolitiker Hendrik Streeck verwies auf ein Defizit in den Pflegeversicherungen in Höhe von acht Milliarden Euro im kommenden Jahr und merkte an, dass nicht jede Alltagshilfe finanziert werden könne.

Neben Angehörigen stützt sich die Betreuung zu Hause vielfach auf Hilfskräfte: Laut Frederik Seebung vom Verband Häusliche Betreuung und Pflege sind rund 800.000 ausländische Betreuungskräfte in Deutschland im Einsatz, wovon nach Verbandsangaben jedoch lediglich zehn Prozent legal beschäftigt seien.

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Psychische Folgen für pflegende Bezugspersonen

Die kontinuierliche Fürsorge hinterlässt deutliche Spuren bei den Helfenden. Eine Meta-Analyse eines australischen Forscherteams in der Fachzeitschrift Psychology & Health, die 29 Studien mit mehr als 81.000 pflegenden Angehörigen auswertete, belegt, dass Pflegende ihre eigene mentale Verfassung oft vernachlässigen. Depressionen und Angstzustände treten in dieser Gruppe deutlich häufiger auf als im Durchschnitt der Bevölkerung.

Dr. Tahar Boudjemâa vom Universitätsklinikum Sidi Bel-Abbès betonte, dass chronischer Stress, Schlafmangel und soziale Isolation bei Pflegenden kognitive Fähigkeiten beeinträchtigen und berufliche sowie soziale Nachteile nach sich ziehen können. Er fordert, pflegende Angehörige als Personen mit eigenem Bedarf an Erholung und Unterstützung anzuerkennen.

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Obwohl der Bedarf an Entlastung groß ist, finden Unterstützungsangebote häufig nicht den Weg in die Praxis. In den ausgewerteten Untersuchungen wünschte sich jede dritte pflegende Person Beratung zu Hilfen, doch weniger als jede sechste nahm diese letztlich in Anspruch.

Staatliche Hilfen wie Hotlines stießen bei 40 Prozent auf Interesse, genutzt wurden sie jedoch nur von zehn Prozent. Für Betroffene in Deutschland bestehen Hilfsangebote unter anderem über das anonyme Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums, die Pflegekassen sowie lokale Pflegestützpunkte.

Der weltweite Druck auf Pflegestrukturen dürfte indes weiter zunehmen: Laut einer Langzeit-Modellrechnung der Universität Leipzig in der Fachzeitschrift JAMA Neurology wird die Zahl der jährlichen Demenz-Neuerkrankungen von derzeit 11,4 Millionen bis zum Jahr 2050 weltweit auf knapp 25 Millionen steigen.

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