Pflegeneuordnungsgesetz, Euro

Pflegeneuordnungsgesetz: 131 Euro Entlastungsbetrag für Pflegegrad 1 bedroht

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 13:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Verbände kritisieren geplante Änderungen bei Pflegeleistungen; zugleich werden Angehörigenpflege und technische Unterstützung international diskutiert.

Demenzpflege: Reformkritik, Angehörigenbelastung und neue Assistenztechnik
Ein sonnendurchflutetes, leeres Wohnzimmer mit einem Sessel am Fenster und einer Blumenvase auf einem Beistelltisch. Illustration mit AI erstellt.

Die Betreuung von Menschen mit Alzheimer und Demenz stellt Angehörige in Deutschland und den Nachbarländern vor immense emotionale und finanzielle Herausforderungen. Da die Mehrheit der Pflegebedürftigen im häuslichen Umfeld versorgt wird, rücken die Rahmenbedingungen dieser Arbeit zunehmend in den Fokus von Politik und Gesellschaft.

Alltag zwischen Fürsorge und strukturellen Hürden

In Deutschland sind laut aktuellen Erhebungen etwa 1,8 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Die Gesamtzahl der Pflegebedürftigen liegt bei rund 5,6 Millionen, wovon der Großteil zu Hause versorgt wird. Im Rems-Murr-Kreis beispielsweise werden etwa 85 % der Pflegebedürftigen durch Angehörige betreut. Berichte von Betroffenen verdeutlichen die Komplexität dieser Aufgabe.

Die Zeitzerin Romy Säring schildert den zeitintensiven Alltag mit ihrer an Alzheimer erkrankten Mutter. Auch die 58-jährige Britta, bei der vor zwei Jahren Frühdemenz diagnostiziert wurde, ist auf Hilfe bei Einkäufen und Alltagsaufgaben angewiesen. Für ihren offenen Einsatz, unter anderem durch ein illustriertes Kinderbuch zum Thema Demenz, erhielt sie den Hertie-Preis.

Besonders drastisch zeigt sich die Situation bei seltenen Formen wie der Kinderdemenz. In Mülheim versorgt eine 29-jährige Alleinerziehende ihren achtjährigen Sohn Elias, der im Rollstuhl sitzt.

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Neben der medizinischen Versorgung kämpft die Familie mit unzureichendem Wohnraum und bürokratischen Hürden. Die Vermieterin SWB lehnte einen barrierefreien Badumbau in der Hochparterrewohnung ab; passende Ersatzwohnungen sind vorausschlich erst im nächsten Jahr verfügbar.

Politische Debatten um das Pflegeneuordnungsgesetz

Der Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) sorgt für erhebliche Kritik bei Verbänden und lokalen Interessenvertretern. Fachverbände wie der BPI, BVMed und der DAV warnen davor, dass der eigenständige Sachleistungsanspruch für Hygieneartikel in der häuslichen Pflege abgeschafft werden könnte. Bei Pflegegrad 1 fiele der Zugang komplett weg, während die Mittel bei den Graden 2 bis 5 in allgemeine Budgets integriert würden.

Der Stadt-Seniorenrat Aalen fordert Nachbesserungen an dem Entwurf vom 5. Juni 2026. Kritisiert wird insbesondere die geplante Streichung des Entlastungsbetrags von 131 Euro monatlich für Pflegegrad 1 sowie höhere Zugangsschwellen für die Pflegegrade 1 bis 3. Gesundheitsminister Carsten Linnemann betonte in diesem Zusammenhang, er wolle geplante Kürzungen bei den Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige verhindern.

Der ursprüngliche Reformplan sah vor, ab 2027 nur noch 70 % der Beiträge zu leisten, was Einsparungen von rund 1,8 Milliarden Euro zur Folge gehabt hätte.

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Finanzielle Diskrepanzen und internationale Ansätze

Ein Blick in die Schweiz verdeutlicht die ökonomische Dimension der Angehörigenpflege. Die Kosten hierfür werden für das Jahr 2026 auf 350 bis 400 Millionen Franken geschätzt, was etwa 20 % der ambulanten Pflegekosten in der Grundversicherung entspricht. Dabei besteht ein deutliches Lohngefälle: Während private Spitex-Firmen etwa 80 Franken pro Pflegestunde erhalten, liegt der Stundenlohn für pflegende Angehörige bei etwa 35 bis 38 Franken. Der Schweizer Nationalrat befasst sich in Kürze mit Vorstößen zur strengeren Regulierung und klareren Leistungsdefinitionen in diesem Sektor.

Parallel dazu gewinnen technologische Assistenzsysteme an Bedeutung. In Frankreich erproben Kliniken und Pflegeheime wie das Pariser Broca-Krankenhaus den Einsatz von Robotern und künstlicher Intelligenz.

Systeme wie NAO oder der Roboter-Hund Miroki sollen Gespräche anregen, während das Telefonsystem Livana personalisierte, biografisch fundierte Dialoge zur kognitiven Anregung führt. Forschende unterstreichen jedoch, dass diese Technik Pflegekräfte lediglich unterstützen und den menschlichen Kontakt nicht ersetzen könne.

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