Pflegereform, Milliarden

Pflegereform: 11,3 Milliarden Euro Sparpaket bis 2027

05.06.2026 - 13:52:55 | boerse-global.de

Bundesregierung plant Einsparungen von ĂŒber 27 Milliarden Euro in Pflege- und Krankenversicherung bis 2027. VerbĂ€nde kĂŒndigen Proteste an.

Sozialpaket: Milliarden-Sparplan belastet Pflege und Krankenkassen
Pflegereform - Eine Hand platziert vorsichtig einen Holzklotz auf einem Stapel, der finanzielle KĂŒrzungen und Sozialleistungen symbolisiert. 05.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Besonders hart trifft es Pflege- und Krankenversicherung.

Pflegereform: 11,3 Milliarden Euro bis 2027

Bundesgesundheitsministerin Warken legte am 4. Juni einen Gesetzentwurf vor. Hintergrund: Der Pflegeversicherung droht 2027 ein Defizit von 7,6 Milliarden Euro. Das Paket soll bis dahin Einsparungen und Mehreinnahmen von 11,3 Milliarden Euro bringen. Bis 2030 steigt das Volumen auf ĂŒber 20 Milliarden Euro.

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Ein zentraler Punkt: Die HeimkostenzuschĂŒsse greifen kĂŒnftig erst sechs Monate spĂ€ter. Das spart 2027 rund 2,6 Milliarden Euro. Ab 2028 endet die kostenlose Mitversicherung fĂŒr Ehepartner – stattdessen kommt ein Beitragszuschlag von 0,52 Prozent. Auch die Pflegebegutachtung wird strenger, der pauschale Entlastungsbetrag von 131 Euro fĂŒr Pflegegrad 1 fĂ€llt weg.

Die Beitragszahler mĂŒssen tiefer in die Tasche greifen. FĂŒr Kinderlose steigt der Satz auf 4,3 Prozent. Gutverdiener zahlen durch eine höhere Beitragsbemessungsgrenze mehr – das bringt 1,6 Milliarden Euro. Minijobber werden ab 2027 beitragspflichtig, die Kosten tragen die Arbeitgeber.

Krankenkassen: 16,3 Milliarden Entlastung geplant

Auch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) steht vor massiven Einschnitten. Die Regierung will die Kassen 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten. Die Allianz fĂŒr die KrankenhĂ€user – ein Zusammenschluss von 19 VerbĂ€nden – warnte am 3. Juni vor den Folgen. Die KĂŒrzungen könnten die Patientenversorgung gefĂ€hrden. Der Gesetzentwurf soll am 12. Juni im Bundestag beraten werden.

Im ambulanten Sektor regt sich Widerstand. Der HausĂ€rzteverband kritisierte geplante HonorarkĂŒrzungen und drohte mit Protesten. Eine Umfrage unter 5.000 Patienten vom Mai zeigt: 77 Prozent erwarten negative Auswirkungen auf die hausĂ€rztliche Versorgung.

Bafög und Asyl: Weitere KĂŒrzungen

Bundesforschungsministerin BĂ€r Ă€ußerte sich am 4. Juni zurĂŒckhaltend zur geplanten Bafög-Erhöhung. Zwar sah ein Entwurf die Anhebung der Wohnkostenpauschale von 380 auf 440 Euro vor – doch die Reform steht auf der Kippe.

Eine rechtliche ZĂ€sur kommt vom EuropĂ€ischen Gerichtshof. Das Gericht entschied am 4. Juni: Pauschale KĂŒrzungen von Basisleistungen fĂŒr abgelehnte Asylbewerber verstoßen gegen EU-Recht. Deutschland darf Leistungen fĂŒr Kleidung oder Haushaltsprodukte nicht komplett streichen. Die erst 2024 verschĂ€rfte Rechtslage muss wohl angepasst werden.

Proteste am 6. Juni angekĂŒndigt

SozialverbĂ€nde und Gewerkschaften reagieren scharf. Der ParitĂ€tische Gesamtverband und der DGB sprechen von einem deutlichen RĂŒckbau sozialer Standards. Besonders kritisiert wird die KĂŒrzung der RentenbeitrĂ€ge fĂŒr pflegende Angehörige – das soll 2027 rund 1,8 Milliarden Euro sparen.

FĂŒr den 6. Juni sind bundesweit Proteste angekĂŒndigt, unter anderem in Forchheim. Das AktionsbĂŒndnis Sozialer Protest mobilisiert gegen die KĂŒrzungsplĂ€ne. WĂ€hrend der Bund spart, versuchen einzelne LĂ€nder gegenzusteuern. ThĂŒringen stellt fĂŒr 2026 und 2027 zusĂ€tzliche Millionen bereit, um die Schließung kleinerer KindertagesstĂ€tten zu verhindern.

de | wissenschaft | 69487308 |