Pflegereform, Millionen

Pflegereform: Zehn Millionen Angehörige verlieren Rentenbeiträge

01.07.2026 - 02:09:59 | boerse-global.de

Das Pflegeneuordnungsgesetz soll Milliardenlücke schließen, belastet aber Beitragszahler und Pflegebedürftige massiv.

Pflegereform 2026: Warken präsentiert drastisches Sanierungspaket
Pflegereform - Kalenderblatt mit der Jahreszahl 2026 im Fokus, im Hintergrund verschwommen ältere Menschen und Pflegepersonal. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) soll die klammen Kassen der Pflegeversicherung retten. Doch der Preis ist hoch: Beitragszahler und Pflegebedürftige müssen tiefer in die Tasche greifen.

Die Finanzlücke wächst und wächst

Der Pflegekasse gehen die Milliarden aus. Laut Ministerium stehen Ausgaben von rund 70 Milliarden Euro pro Jahr Einnahmen von nur 62,5 Milliarden gegenüber. Die Lücke: 7,5 Milliarden Euro. Und sie wird größer. Für 2026 prognostizieren Experten ein Defizit von acht Milliarden Euro. Bis 2028 könnten es 15 Milliarden sein.

Die Ursachen sind bekannt: Die Zahl der Pflegebedürftigen hat sich binnen zehn Jahren auf über sechs Millionen verdoppelt. Gleichzeitig explodieren die Kosten für Heimplätze. Allein die staatlichen Zuschüsse für Heimbewohner stiegen von 2022 bis 2025 von rund 3,5 auf über sieben Milliarden Euro.

Warken spricht offen von einem „Sanierungsfall mit Ansage“. Die Reform sei überfällig.

Was sich konkret ändern soll

Das Kabinett soll Anfang Juli über den Entwurf beraten. Die Pläne im Überblick:

Kinderlose zahlen drauf. Der Beitragszuschlag für Versicherte ohne Kinder steigt um 0,1 Prozentpunkte auf 4,3 Prozent des Einkommens.

Pflegegrade werden strenger. Wer in Pflegegrad 1 eingestuft ist, könnte Leistungen wie den Entlastungsbetrag oder die Pflegehilfsmittelpauschale ganz verlieren.

Budget-Reform ab 2027. Die Mittel für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege werden in neue Entlastungs- und Überbrückungsbudgets umgewandelt. Wer frisch in Pflegegrad 2 oder 3 eingestuft wird, bekommt in den ersten drei Monaten nur die Hälfte des Entlastungsbudgets.

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Schluss mit beitragsfreier Mitversicherung. Ehepartner können sich künftig nicht mehr kostenlos mitversichern lassen.

Schlag für pflegende Angehörige

Der heikelste Punkt betrifft Millionen Familien. Bisher zahlen die Pflegekassen die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige in voller Höhe. Das soll sich ändern: Künftig sind nur noch 70 Prozent drin. Das Ministerium erhofft sich ab 2027 Einsparungen von rund 1,8 Milliarden Euro jährlich.

Klingt nach viel Geld – doch die Folgen könnten verheerend sein. Pflegeforscher Heinz Rothgang von der Universität Bremen warnt: Das gefährde die häusliche Versorgung. Der Verband „wir pflegen e.V.“ rechnet vor: Geringere Rentenanwartschaften bedeuten später mehr Grundsicherung im Alter. Bis zu zehn Millionen Angehörige könnten betroffen sein.

Kassen und Verbände laufen Sturm

Die Kritik ist massiv. DAK-Chef Andreas Storm fordert eine Verschiebung der Reform. Seine Sorge: Die Kürzungen bei der stationären Pflege treiben mehr Heimbewohner in die Sozialhilfe – und damit in die Zuständigkeit der Kommunen. Der Landkreistag Nordrhein-Westfalen bestätigt das: Die Kosten für Hilfe zur Pflege steigen bereits jetzt jährlich um über 20 Prozent.

Der Deutsche Pflegerat und die Deutsche Rheuma-Liga gehen noch weiter. Sie fordern eine grundlegende Systemumstellung – etwa eine Bürgerversicherung oder höhere Steuerzuschüsse des Bundes. Auch Wohlfahrtsverbände kritisieren, dass die Refinanzierung von Tarifsteigerungen im Pflegebereich nicht gesichert sei.

Zeitplan bleibt ambitioniert

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Warken verteidigt das Paket als alternativlos. Die Reform solle Prävention stärken und häusliche Pflege fördern. Gleichzeitig räumt sie „unvermeidbare Härten“ ein.

Ob das Gesetz noch vor der Sommerpause durch den Bundestag kommt, ist fraglich. Der Zeitplan ist eng. Die Beratungen dürften sich hinziehen – der Widerstand ist einfach zu groß.

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