Phelan-McDermid-Syndrom: Neue Daten sehen einen Fall unter 7.300 Menschen
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Phelan-McDermid-Syndrom (PMS) tritt nach aktuellen wissenschaftlichen Auswertungen des Seaver Autism Center am Mount Sinai deutlich hÀufiger auf als in der medizinischen Fachwelt bislang angenommen.
Eine Ende Juni 2026 in der Fachzeitschrift Autism Research veröffentlichte Untersuchung deutet darauf hin, dass die seltene genetische Erkrankung etwa eine von 7.300 Personen betrifft. FrĂŒhere SchĂ€tzungen gingen von einer weitaus geringeren HĂ€ufigkeit aus und bezifferten die PrĂ€valenz auf lediglich 1 von 30.000 bis 1 von 50.000 FĂ€llen.
Umfangreiche Datenbasis korrigiert bisherige Annahmen
Die nun vorliegenden Ergebnisse basieren auf einer Analyse von DatensĂ€tzen von insgesamt 179.837 Menschen mit Autismus. Die Forscher griffen dabei auf zehn verschiedene Quellen zurĂŒck, darunter spezialisierte Institute und Datenbanken wie GeneDx, Labcorp, Ambry Genetics sowie das SPARK-Projekt und das Autism Sequencing Consortium.
Die statistische Auswertung ergab eine PrÀvalenz von 13,7 FÀllen pro 100.000 Personen, wobei das 95-Prozent-Konfidenzintervall zwischen 10,02 und 18,60 FÀllen liegt. Demnach könnte die tatsÀchliche HÀufigkeit des Syndroms bis zu 20-mal höher sein als in Àlteren Modellen berechnet.
Allein fĂŒr die USA wird die Zahl der Betroffenen auf ĂŒber 45.000 geschĂ€tzt. Im Vergleich dazu verzeichnete das PMS Foundation Registry im Jahr 2025 lediglich rund 3.600 registrierte Personen, was auf eine erhebliche Dunkelziffer hindeutet.
Genetische Ursachen und klinische Symptomatik
Die Ursache des Phelan-McDermid-Syndroms liegt in einer Deletion oder Mutation des SHANK3-Gens auf dem Chromosom 22 (Position 22q13). VerĂ€nderungen an diesem Gen sind laut der Untersuchung fĂŒr bis zu 1 % aller FĂ€lle von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) verantwortlich.
Die klinischen Symptome von PMS umfassen neben autismusÀhnlichem Verhalten typischerweise ausgeprÀgte Entwicklungsverzögerungen, geistige Behinderungen, eine verzögerte oder gÀnzlich fehlende Sprachentwicklung sowie einen niedrigen Muskeltonus.
Neue Auswertungen deuten darauf hin, dass das Phelan-McDermid-Syndrom rund 20-mal hĂ€ufiger vorkommt als bislang angenommen â und viele Betroffene nie einen Gentest erhalten. Wer Klarheit ĂŒber die Ursache der Entwicklungsverzögerung seines Kindes gewinnen will, findet hier eine Checkliste, wann ein Gentest sinnvoll ist, und einen Fragenkatalog fĂŒr das nĂ€chste ArztgesprĂ€ch. Kostenlosen Eltern-Leitfaden anfordern
Interessanterweise zeigt die Datenanalyse, dass die Diagnose PMS nicht zwangslĂ€ufig mit einer Autismus-Diagnose einhergeht. In den untersuchten Testdaten wiesen zwar 1 bis 2,5 von 100 getesteten Autisten das Syndrom auf, gleichzeitig verfĂŒgten jedoch etwa 38 bis 40 von 100 PMS-Patienten ĂŒber keine formelle Autismus-Diagnose.
Forderung nach systematischeren Gentests
Die Erstautorin der Studie, Tess Levy, wies darauf hin, dass viele Betroffene mit Entwicklungsstörungen oder Autismus nie einen Gentest erhielten. Zudem seien einige gĂ€ngige Testverfahren unzureichend und könnten etwa die HĂ€lfte der FĂ€lle ĂŒbersehen.
Seniorautor Dr. Joseph Buxbaum sprach sich daher fĂŒr eine Ausweitung der Diagnostik aus. Er empfahl Gentests fĂŒr jedes Kind mit einer Autismus-Diagnose. Ein breiterer Zugang zu solchen Tests könne Patienten nicht nur Klarheit ĂŒber ihre Erkrankung verschaffen, sondern sie auch gezielter mit laufenden klinischen Studien zusammenfĂŒhren.
Fortschritte in der pharmazeutischen Entwicklung
Die Forschung am Mount Sinai wurde unter anderem von der Organisation CureSHANK sowie dem Unternehmen Neuren Pharmaceuticals unterstĂŒtzt. Aktuell befinden sich mehrere experimentelle Therapien in der Entwicklung, die darauf abzielen, die Funktion des SHANK3-Gens wiederherzustellen.
Wenn Ihr Kind eine Autismus-Diagnose oder eine unklare Entwicklungsverzögerung hat, kann ein SHANK3-Gentest ĂŒbersehene FĂ€lle sichtbar machen â und den Zugang zu laufenden klinischen Studien öffnen. Der Leitfaden zeigt in einfachen Schritten, welche TherapieansĂ€tze derzeit geprĂŒft werden und welche Fragen Sie im GesprĂ€ch mit der Ărztin oder dem Arzt stellen sollten. Wegweiser zu Gentest und Studien jetzt sichern
Im Bereich der klinischen Forschung wird insbesondere die Phase-3-Studie NNZ-2591 von Neuren Pharmaceuticals (auch als Koala-Studie bekannt) beobachtet. Diese startete im Februar 2026 mit der ersten Dosierung fĂŒr Kinder im Alter von 3 bis 12 Jahren und umfasst eine 52-wöchige VerlĂ€ngerung. Parallel dazu arbeitet Jaguar Gene Therapy an einer SHANK3-Minigentherapie.
In diesem Rahmen wurden bereits fĂŒnf Patienten dosiert, wobei nach Angaben aus der Studie bislang keine schweren Nebenwirkungen aufgetreten sind. Experten betonen, dass eine frĂŒhzeitige und prĂ€zise Diagnose entscheidend sei, um den Zugang zu diesen neuartigen TherapieansĂ€tzen zu ermöglichen.
