Phishing-Alarm: ChatGPT erstmals in Top-10 Marken-Missbrauch
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 16:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsbehörden schlagen Alarm wegen einer neuen Welle hochprofessioneller Phishing-Kampagnen, die zunehmend künstliche Intelligenz (KI) zur Täuschung einsetzen. Dabei rücken bekannte Marken wie ChatGPT verstärkt in das Visier von Cyberkriminellen. Aktuellen Berichten zufolge nutzen Angreifer das hohe Vertrauen in diese neuen Technologien, um Nutzer auf gefälschte Seiten zu locken und sensible Daten abzugreifen.
ChatGPT erreicht Top Ten der Phishing-Marken
Laut dem Brand Phishing Report für das zweite Quartal 2026 ist ChatGPT erstmals in der Liste der zehn am häufigsten für Phishing-Zwecke missbrauchten Marken vertreten. Mit einem Anteil von 1,1 Prozent belegt der Dienst einen Platz unter den prominentesten Zielen. Sicherheitsexperten von Check Point identifizierten in diesem Zusammenhang unter anderem gefälschte Zahlungsseiten für das Premium-Abonnement ChatGPT Plus, die ausschließlich dazu dienen, Kreditkartendaten der Nutzer zu entwenden.
An der Spitze der am häufigsten imitierten Marken steht weiterhin Microsoft mit einem Anteil von 22,6 Prozent. Dahinter folgt das Karriere-Netzwerk LinkedIn, das seinen Anteil gegenüber dem ersten Quartal 2026 auf 11,6 Prozent verdoppeln konnte. Weitere häufig betroffene Unternehmen sind Google (6,7 Prozent), Apple (5,8 Prozent) und Amazon (5,2 Prozent).
Massiver Anstieg der Angriffsfrequenz
Die statistische Auswertung der Bedrohungslage für das erste Quartal 2026 verdeutlicht die Dimension der Angriffe. Die Anti-Phishing Working Group (APWG) verzeichnete in diesem Zeitraum 971.181 Phishing-Angriffe, was einem Zuwachs von 13,8 Prozent entspricht. Microsoft meldete für das gleiche Quartal sogar 8,3 Milliarden Bedrohungen durch E-Mail-Phishing.
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In der ersten Jahreshälfte 2026 zeigten sich zudem deutliche Verschiebungen bei den Methoden. Während Online-Betrug um 134 Prozent zunahm, verzeichnete das sogenannte SMS-Phishing (Smishing) einen sprunghaften Anstieg um 146 Prozent. Auch der Einsatz von Fernzugriffstrojanern stieg um 69 Prozent. Besonders leistungsfähige Schadsoftware wie der Trojaner Dolphin X verfügt mittlerweile über mehr als 320 Funktionen, um Daten aus über 300 Anwendungen und 160 Krypto-Wallets zu extrahieren.
Technologische Aufrüstung durch KI-Baukästen
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die Verfügbarkeit spezialisierter KI-Werkzeuge für Cyberkriminelle. Experten von Rapid7 entdeckten kürzlich einen ungeschützten Server mit über 1.000 Dateien eines KI-gestützten Phishing-Baukastens namens Coderrr. Dieser nutzt große Sprachmodelle (LLMs), um automatisierte Kampagnen zu entwickeln und gezielt Sicherheitslücken wie die Schwachstelle CVE-2025-33053 im WebDAV-Protokoll auszunutzen.
Die Effizienz dieser Tools zeigt sich auch bei spezialisierten Kits wie InsureOTP, das Einmalpasswörter (OTPs) in weniger als 90 Sekunden abfangen kann. Das seit Anfang 2024 aktive Kit CryptoChameleon wiederum nutzt eine Kombination aus Textnachrichten und Sprachanrufen, um Nutzer von Kryptoplattformen oder Behörden wie der US-Fernmeldebehörde FCC zu täuschen. Durch den Diebstahl von Session-Cookies sind diese Angreifer in der Lage, selbst Mehrfaktor-Authentifizierungen (MFA) zu umgehen.
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Ermittlungserfolge und regulatorischer Druck
Trotz der zunehmenden Professionalisierung meldeten Sicherheitsbehörden zuletzt auch Erfolge. Am 20. Juli 2026 gelang dem Bundeskriminalamt (BKA) in Zusammenarbeit mit dem FBI die Zerschlagung der Phishing-Plattform Kratos. Die Plattform, die monatlich rund 15.000 Kampagnen für 1.800 Abonnenten ermöglichte, wurde durch die Beschlagnahmung von 200 Servern stillgelegt. Die Entwickler konnten in Indonesien festgenommen werden.
Angesichts der anhaltenden Bedrohung erhöht die Europäische Zentralbank (EZB) den Druck auf den Finanzsektor. Banken wurden aufgefordert, bis Oktober 2026 detaillierte Aktionspläne zur Bekämpfung von Phishing-Risiken vorzulegen. Dies erscheint notwendig, da laut Daten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) jede dritte unerwünschte E-Mail Phishing-Versuche enthält und bereits 62 Prozent der Bevölkerung angeben, solche Nachrichten bewusst erhalten zu haben.
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