Phishing-Angriffe, Milliarden

Phishing-Angriffe: 7,6 Milliarden E-Mails im Q2 2026

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 11:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Angriffswellen nutzen KI-Assistenten, Tabellenkalkulationen und SharePoint aus. Unternehmen müssen ihre Sicherheitsstrategien anpassen.

Sicherheitslücken in KI-Tools und Office-Anwendungen bedrohen Firmen
Moderner Büroarbeitsplatz mit leuchtendem Laptop-Bildschirm, abstraktem digitalem Sicherheitscode und Netzwerkknoten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Sicherheitsforscher haben eine Serie kritischer Schwachstellen in Produktivitätsanwendungen entdeckt. Besonders betroffen: KI-Assistenten, Tabellenkalkulationen und Kollaborationsplattformen. Angreifer nutzen gezielt die Funktionen aus, die eigentlich die Arbeit erleichtern sollen.

Gefälschte KI-Artifakte als Einfallstor

Eine als „FakeAgent" bekannte Angriffswelle erschütterte zwischen dem 21. und 22. Juli 2026 die Unternehmenswelt. Die Sicherheitsfirma Huntress deckte auf, dass Kriminelle manipulierte Claude-Artifakte auf der Plattform claude.ai einsetzten. Die Täter schalteten gesponserte Anzeigen für die vermeintliche Claude-Desktop-App. Wer darauf klickte, landete auf einer schädlichen Domain und lud eine manipulierte ausführbare Datei herunter.

Die Malware-Kette nutzte eine Technik namens DLL-Side-Loading. Besonders perfide: Die Angreifer setzten eine GPU-basierte Anti-Analyse-Methode ein, um SectopRAT zu verbreiten. Die Kommando- und Kontrollinfrastruktur versteckten sie in der Ethereum-Blockchain. Insgesamt wurden 29 Organisationen kompromittiert.

Erst wenige Wochen zuvor, am 4. Juni 2026, hatte Zenity Labs die „AgentForger"-Sicherheitslücke offengelegt. Der Fehler betraf OpenAI Workspace Agents. Ein einziger Klick auf einen manipulierten ChatGPT-Link genügte, um einen autonomen KI-Agenten im Unternehmensnetzwerk zu installieren. Der Schädling übernahm die Identität des Opfers und erhielt Zugriff auf E-Mails, Teams-Nachrichten, Slack-Kanäle und SharePoint-Dokumente. OpenAI schloss die Lücke innerhalb von vier Tagen.

Tabellenkalkulation und SharePoint im Visier

Auch altbekannte Dateiformate bleiben ein Einfallstor. Die Schwachstelle CVE-2026-59933 in der PhpSpreadsheet-Bibliothek macht dies deutlich. Eine manipulierte Tabellendatei von nur einem Kilobyte Größe kann den Arbeitsspeicher eines Servers lahmlegen und PHP-Anwendungen zum Absturz bringen.

Microsoft musste am 14. Juli 2026 einen kritischen Fehler in SharePoint schließen. Die Sicherheitslücke CVE-2026-50522 ermöglicht Angreifern die Fernausführung von Code. Besonders brisant: Der Fehler wird bereits aktiv ausgenutzt. Kriminelle stehlen Maschinenschlüssel, um dauerhaften Zugriff auf kompromittierte Systeme zu behalten. Es ist bereits der vierte SharePoint-Fehler innerhalb weniger Wochen.

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Die Dimension der Bedrohung zeigt Microsofts Sicherheitsbericht für das zweite Quartal 2026. Demnach wurden 7,6 Milliarden Phishing-Versuche per E-Mail registriert. Zwar gingen QR-Code-Phishing-Angriffe im Juni auf 8,3 Millionen zurück, doch andere Methoden legen zu. Besonders auffällig: Die Zahl der Voice-Phishing-Angriffe über Microsoft Teams ist im Vergleich zum Vorjahr um das Zehnfache gestiegen.

Schädliche Plugins und manipulierte Software

Staatlich unterstützte und kriminelle Gruppen setzen zunehmend auf legitime Software-Erweiterungen. Die ukrainische Cybersicherheitsbehörde CERT-UA warnt vor der Gruppe UAC-0099. Sie verbreitet eine manipulierte Version von Notepad++ (Version 8.8.3). Das schädliche Plugin „LunchPoke" installiert sich über Windows Scheduled Tasks dauerhaft im System.

Die Angriffskette beginnt mit einer Phishing-Mail. Sie enthält ein ZIP-Archiv, das als PDF getarnt ist. Nach der Ausführung lädt das Plugin weitere Schadsoftware nach, darunter den BurnyBear-Loader und die MatchBoil-V2-Malware.

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Parallel dazu nutzen russische Gruppen eine Schwachstelle in WinRAR (CVE-2025-8088) aus. Durch speziell präparierte Archive legen sie schädliche Dateien im Windows-Autostart-Ordner ab. Beim Systemstart aktiviert sich der GIFTEDCROOK-Informationsdieb und stiehlt Passwörter, Cookies und Dokumente aus den Browsern der Opfer.

KI-Entwicklungsumgebungen unter Beschuss

Auch Softwareentwickler sind zunehmend betroffen. Seit Februar 2026 kursiert der Wurm „Sandworm_Mode“. Er zielt auf KI-Coding-Assistenten und Entwicklungsumgebungen ab. Der Wurm verbreitet sich selbstständig über Code-Repositories und stiehlt Zugangsdaten für KI-Toolchains. Die Malware nutzt mehrstündige Verzögerungen, um Sicherheitssysteme zu umgehen. Kann sie sich nicht weiterverbreiten, zerstört sie die befallene Umgebung.

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