Phishing-Angriffe: KI-Methode Text Salting erreicht 54% Klickrate
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 05:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Cyberkriminelle setzen zunehmend auf Künstliche Intelligenz, um Sicherheitssysteme zu überlisten. Seit April wurden über eine Million Angriffe mit einer neuen Methode namens „Text Salting" registriert – und die Trefferquote ist alarmierend.
Die unsichtbare Gefahr im Posteingang
Die Sicherheitsfirma Barracuda warnte am 20. Juli vor einer massiven Zunahme von Phishing-Angriffen, die auf eine raffinierte Technik setzen: Angreifer versehen ihre E-Mails mit unsichtbarem Fülltext, der von KI-generierten Sicherheitsscannern zwar gelesen, von menschlichen Empfängern aber nicht wahrgenommen wird.
Wie funktioniert das? Die Täter nutzen CSS-Tricks und spezielle Schriftformatierungen – etwa Schriftgröße null, unsichtbare Clip-Pfade oder auf null gesetzte Maximalhöhen. So verstecken sie Berge von sinnlosem oder KI-erzeugtem Text im Quellcode der Nachricht. Die Sicherheitssysteme verarbeiten den gesamten Rohtext, werden durch das „Salz" verwässert und stufen die bösartige Nachricht fälschlicherweise als harmlos ein. Ironischerweise nutzen die Angreifer selbst KI, um den benötigten Fülltext in großem Stil zu produzieren.
Jede zweite Phishing-Mail wird angeklickt
Die Wirksamkeit dieser KI-gestützten Methode ist erschreckend. Eine Studie der Harvard Kennedy School belegt: Während traditionelle Phishing-Mails nur auf 12 Prozent Klickrate kommen, erreichen KI-generierte Nachrichten satte 54 Prozent. Jede zweite Mail wird also geöffnet – ein Alarmsignal für Unternehmen und Privatnutzer.
Die finanziellen Folgen sind weltweit spürbar. In Indien stiegen die Betrugsschäden im Fiskaljahr 2025/26 auf umgerechnet rund 5,4 Milliarden Euro – ein Plus von 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders im Trend: der sogenannte „Chef-Betrug", bei dem Kriminelle mit KI-generierten Stimmklonen die Stimme von Vorgesetzten imitieren und Mitarbeiter zu Überweisungen drängen.
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Staatliche Hacker im KI-Rausch
Auch staatlich gesteuerte Gruppen haben die neuen Werkzeuge für sich entdeckt. Der Sicherheitsdienstleister DarkAtlas veröffentlichte am 21. Juli einen Bericht über die iranische Gruppe APT42. Die Hackereinheit setzt KI inzwischen systematisch ein – zur Recherche von Zielpersonen, zum Erstellen glaubwürdiger Identitäten und zur Übersetzung von Nachrichten.
In der aktuellen „SpearSpecter"-Kampagne gehen die Angreifer besonders raffiniert vor: Sie verschicken maßgeschneiderte Konferenzeinladungen an Regierungs- und Verteidigungsbeamte. Über Tage oder sogar Wochen bauen sie Vertrauen auf, bevor sie die Schadsoftware TAMECAT ausliefern. Die Tarnung ist perfide: Die Malware tarnt sich als PDF-Dokument, wird aber über eine WebDAV-Verknüpfung zugestellt – und umgeht so die üblichen Datei-Prüfungen.
Sicherheitsbranche fordert Umdenken
Die wachsende Bedrohungslage zwingt die Sicherheitsbranche zum Handeln. Der SACR Email Security Report vom 20. Juli fordert einen grundlegenden Strategiewechsel: Statt auf statische Erkennung zu setzen, müssten Unternehmen auf kontextbezogene Untersuchungen umschwenken. KI-generierte Angriffe enthielten oft keine offensichtlichen Links oder Anhänge – genau das, worauf herkömmliche Schutzsysteme programmiert sind.
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Experten empfehlen einen mehrschichtigen Ansatz:
- Doppelte Rendering-Prüfung: Vergleich des HTML-Quellcodes mit der sichtbaren Ausgabe, um versteckten Text zu enttarnen
- Erklärbare KI: Sicherheitstools, die ihre Risikobewertung in verständlicher Sprache begründen – ein Merkmal, das bei Neuanschaffungen zunehmend zur Pflicht wird
- Identitätszentrierte Sicherheit: Kontinuierliche Überwachung und Mehr-Faktor-Authentifizierung gegen Identitätsmissbrauch, der 2026 zum Hauptangriffsvektor geworden ist
Ein aktueller Test untermauert die Dringlichkeit: Bei einer zehntägigen Evaluierung des Tools von StrongestLayer tauchten 347 fortgeschrittene Bedrohungen auf, die zuvor durch Standard-Gateway- und E5-Sicherheitsfilter gerutscht waren. Der entscheidende Unterschied: Das System lieferte nachvollziehbare Erklärungsketten statt bloßer Risikowerte. Check Point wiederum betont die Bedeutung von Inline-Sicherheit für Microsoft-365-Umgebungen – denn die beste Abwehr sei die, die Angriffe gar nicht erst ins Postfach lässt.
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