Phishing-Explosion: Jeder zweite Cyberangriff beginnt mit betrüglicher Mail
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 22:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Cyberkriminelle setzen zunehmend auf raffinierte Phishing-Angriffe, die selbst moderne Sicherheitsmaßnahmen wie Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) aushebeln. Neue Daten zeigen: Jeder zweite Sicherheitsvorfall beginnt inzwischen mit einer betrügerischen Nachricht.
Die jüngsten Zahlen aus dem zweiten Quartal 2026 zeichnen ein alarmierendes Bild: Phishing ist mittlerweile der häufigste Einstiegsweg für Cyberangriffe – bei der Hälfte aller analysierten Sicherheitsvorfälle. Im ersten Quartal lag der Anteil noch bei 33 Prozent. Besonders besorgniserregend: Die Angreifer setzen auf immer ausgefeiltere Methoden, darunter den Missbrauch von Device-Code-Autorisierungen und die täuschend echte Nachahmung von Unternehmens-Loginseiten.
Explosionsartiges Wachstum beim Device-Code-Phishing
Sicherheitsforscher haben einen massiven Anstieg beim sogenannten Device-Code-Phishing registriert: Rund sieben Millionen Angriffe wurden allein in den vier Wochen bis zum 1. August 2026 gezählt. Etwa 99 Prozent dieser Versuche zielen auf die Microsoft-Infrastruktur. Die Angreifer nutzen dabei den OAuth-2.0-Geräte-Autorisierungsfluss, um Authentifizierungstoken zu stehlen – und umgehen damit selbst Schutzmechanismen wie Passkeys.
Die Entwicklung folgt auf eine Reihe von Kampagnen im Frühjahr. Nach einem Angriff im April über den Dienst Railway nutzten die Täter ab dem 13. April die Infrastruktur von BL Networks. Bei der Analyse dieser Operationen wurden Mitte April über 500 Sicherheitsereignisse festgestellt, die innerhalb von 48 Stunden zu 113 erfolgreichen Logins führten. Bis Juli 2026 zählten Experten 26 kritische Vorfälle mit diesen Methoden, von denen 23 verschiedene Identitäten betroffen waren.
Sparkassen-Kunden im Visier von Betrügern
Besonders aktiv sind Kriminelle derzeit im Bankensektor. Kunden der Sparkasse wurden Ende Juli und Anfang August mit betrügerischen E-Mails konfrontiert, die angeblich eine Verifizierung oder ein Sicherheitsupdate erforderten. Die Nachrichten stammten häufig von verdächtigen Domains wie ashoj.com und lockten die Opfer auf gefälschte Landingpages mit Captchas, um Bankzugangsdaten abzugreifen.
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Auch international schlägt die Welle hohe Wellen: In Kanada kommt fast die Hälfte der Bevölkerung wöchentlich mit Betrugsversuchen in Kontakt. Die Gesamtschäden durch Betrug erreichten dort 2025 umgerechnet rund 650 Millionen Euro – allein durch angebliche „Betrugsermittler" entstand ein Schaden von über 26 Millionen Euro.
Spezialisierte Werkzeuge für den Unternehmensangriff
Die Angriffswerkzeuge werden zudem immer professioneller. Die Phishing-as-a-Service-Plattform Logokit nutzt legitime Webdienste, um personalisierte Login-Seiten für Opfer dynamisch zu generieren. Die gestohlenen Zugangsdaten werden anschließend über Telegram-Bots an die Angreifer weitergeleitet. Parallel dazu hat sich der Banking-Trojaner Astaroth, der Ende 2025 brasilianische Kontakte angriff, um ein Spambot-Modul erweitert, das sich über WhatsApp-Web-Anhänge verbreitet.
Angriffe über Hotel-WLAN-Netzwerke
Am 1. August 2026 warnten Microsoft-Sicherheitsforscher vor einer Kampagne namens „CaptiveCrunch". Dahinter steckt die russische Gruppe Storm-2945, die seit Mai 2026 aktiv ist. Die Angreifer manipulieren Hotel-WLAN-Anmeldeseiten, um Schadsoftware als Browser-Updates zu tarnen. Mit den Werkzeugen „CornFlake" (Fernzugriffs-Trojaner) und „ChocoShell" (Datendiebstahl) entwenden sie Microsoft-365-Token. Seit dem 16. Juli nutzt die Kampagne zusätzlich Device-Code-Phishing.
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Auch Kanzleien rücken zunehmend in den Fokus: Bei Rechtsanwaltskanzleien ist „Adversary-in-the-Middle"-Phishing inzwischen die häufigste Einstiegsmethode – mit einem Anteil von über 28 Prozent aller Fälle.
Behörden schlagen zurück – doch die Schäden bleiben enorm
Die Strafverfolgungsbehörden reagieren mit gezielten Aktionen. Am 20. Juli 2026 beschlagnahmte die deutsche Polizei 200 Server der Phishing-Plattform Kratos, die monatlich rund 15.000 Kampagnen gegen Microsoft-365-Nutzer startete. Nur elf Tage später schalteten US-Behörden die Plattform web3adspanels.org ab, der bestätigte Verluste von umgerechnet rund 13,5 Millionen Euro zugeschrieben werden.
Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. Laut Versicherungsdaten wurden 85,3 Prozent der Versicherungsschäden im ersten Halbjahr 2026 durch Phishing oder Social Engineering verursacht – ein dramatischer Anstieg gegenüber 17,7 Prozent im gleichen Zeitraum 2024. Zwar entfallen auf Ransomware noch 73 Prozent des gesamten Schadensvolumens, doch gemessen an der Zahl der Schadensfälle sind es nur 5,8 Prozent. Das verdeutlicht: Phishing-Angriffe sind zur effizientesten Waffe der Cyberkriminellen geworden.
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