Phishing, Angriffe

Phishing mit KI: 86 Prozent der Angriffe nutzen Künstliche Intelligenz

06.07.2026 - 02:02:02 | boerse-global.de

Künstliche Intelligenz treibt Phishing-Angriffe rasant an. Verbraucherschützer warnen vor perfiden PayPal-Maschen und Stimmklon-Betrug.

KI-Phishing-Welle: Verbraucherschützer warnen vor neuen PayPal-Betrugsmaschen
Phishing - Nahaufnahme eines Smartphone-Bildschirms mit betrügerischer PayPal-Phishing-E-Mail, unscharfe Hände halten das Telefon. 06.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Verbraucherzentrale warnt aktuell vor einer neuen Welle gefälschter PayPal-Nachrichten. Die Betrüger geben sich als offizieller Sicherheitsdienst aus und fordern die Empfänger auf, ihre Kontodaten zu „verifizieren" – angeblich drohe sonst die Sperrung des Accounts. Die Täter setzen dabei auf Zeitdruck: Nur 48 Stunden bleiben angeblich, um einen Link zu klicken und die Daten zu bestätigen.

So erkennen Sie die Betrugsversuche

Die gefälschten Mails weisen typische Merkmale auf: Sie beginnen mit einer unpersönlichen Anrede, die Absenderadresse stimmt nicht mit der offiziellen PayPal-Domain überein. Die dringende Fristsetzung soll verhindern, dass die Opfer die Nachricht genau prüfen.

Sicherheitsexperten raten: Ignorieren Sie solche Mails, verschieben Sie sie in den Spam-Ordner und prüfen Sie Ihren Kontostand ausschließlich über die offizielle App oder durch direkte Eingabe der Website-Adresse. Niemals sollten Sie auf Links in verdächtigen E-Mails klicken.

Die aktuellen Warnungen folgen auf ein Jahr mit alarmierenden Zahlen: Rund 334.000 Cyberstraftaten wurden allein im vergangenen Jahr registriert.

KI macht Betrug gefährlicher

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Doch die Entwicklung geht weit über einfache Phishing-Mails hinaus. Eine aktuelle Analyse zeigt: 86 Prozent aller Phishing-Angriffe werden inzwischen mit Künstlicher Intelligenz durchgeführt. Zwischen November und Dezember 2025 stieg die Zahl KI-gestützter Versuche sogar um das 14-fache.

Noch beunruhigender: Rund 40 Prozent aller Phishing-Versuche werden mittlerweile komplett von KI generiert. Die Texte sind kaum noch von echten Nachrichten zu unterscheiden.

Besonders perfide: Täter setzen zunehmend auf Stimmklon-Technologie. Schon drei Sekunden Audiomaterial reichen aus, um eine Stimme mit 85-prozentiger Genauigkeit nachzubilden. Der finanzielle Schaden durch sogenannte „Imposter Scams" – bei denen sich Betrüger als bekannte Personen ausgeben – belief sich 2025 auf umgerechnet rund 3,2 Milliarden Euro.

Das FBI verzeichnete allein im Jahr 2025 über 22.000 KI-bezogene Beschwerden mit Gesamtverlusten von etwa 820 Millionen Euro.

Spezielle Betrugsmasche trifft Autoren

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Eine besonders perfide Masche zielt derzeit auf unabhängige Buchautoren ab. Betrüger, die häufig aus Nigeria agieren, geben sich als Marketingberater oder Organisatoren gefälschter Leserunden aus. Sie verlangen „Platzierungsgebühren" zwischen 50 und 320 Euro sowie zusätzliche Kosten von 18 bis 27 Euro pro vermeintlichem Leser.

Die Zahlungsabwicklung erfolgt bevorzugt über PayPal „Freunde & Familie", Zelle, Cash App oder Wise. Experten warnen: Seriöse Buchclubs verlangen keine solchen Gebühren. Die Nutzung der „Freunde & Familie"-Option bei PayPal ist ein klares Alarmzeichen – diese Transaktionen lassen sich nur schwer rückgängig machen.

Neue EU-Regeln sollen helfen

Die rechtliche Lage bei Betrugsfällen ist komplex. Das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein entschied Ende 2024, dass Rechnungssteller haftbar gemacht werden können, wenn sie keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verwenden und Hacker die IBAN-Daten manipulieren. Andere Gerichte, wie das OLG Karlsruhe und das Landgericht Koblenz, sahen eine geteilte Haftung zwischen Rechnungssteller und Zahler.

Ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung des Betrugs: Neue EU-Verordnungen zur IBAN-Name-Prüfung sollen im Oktober 2025 in Kraft treten. Dann müssen Zahlungsdienstleister automatisch prüfen, ob der eingegebene Name mit der hinterlegten IBAN übereinstimmt. Das könnte eine der häufigsten Betrugsmethoden – die Manipulation von Rechnungs-IBANs – deutlich erschweren.

Bis dahin gilt: Seien Sie misstrauisch bei unerwarteten Zahlungsaufforderungen, prüfen Sie Transaktionsdetails immer über offizielle Kanäle und klicken Sie niemals auf Links in verdächtigen E-Mails.

de | wissenschaft | 69700418 |