Phishing, Klickrate

Phishing mit KI: Klickrate springt auf 10%, Banken unter Druck

Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 10:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Künstliche Intelligenz steigert Erfolgsquote von Phishing-Angriffen auf Bankkunden deutlich. Institute und Behörden reagieren mit neuen Maßnahmen.

KI beschleunigt Cyberangriffe auf Bankkunden: Neue Studie zeigt Effizienzsteigerung
Nahaufnahme einer Hand, die ein Smartphone in einer Büroumgebung hält, während der Bildschirm eine Banking-App zeigt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In einem aktuellen Bericht hat das Branchenmedium „The Bank Blog“ am 14. August 2026 dargelegt, wie der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) die Frequenz und Effizienz von Cyberangriffen auf Bankkunden massiv beschleunigt. Die technologische Entwicklung ermöglicht es Kriminellen, hochgradig personalisierte Betrugsversuche mit minimalem Ressourcenaufwand und in deutlich kürzerer Zeit als bisher umzusetzen.

Effizienzsteigerung durch automatisierte Phishing-Kampagnen

Aktuelle Untersuchungen verdeutlichen die ökonomische Logik hinter dem KI-Einsatz im Cybercrime. Eine gemeinsame Studie von Bifold, der TU Berlin, Inria und der Ruhr-Universität Bochum, an der 7.741 Personen teilnahmen, zeigt signifikante Unterschiede in der Erfolgsquote.

Während generische Phishing-Mails eine Klickrate von 3,9 % erzielten, erreichten durch KI personalisierte Nachrichten einen Wert von 10,0 %. Zum Vergleich: Manuelles Spear-Phishing kommt zwar auf 24,2 %, erfordert jedoch einen Zeitaufwand von etwa 7 Minuten pro E-Mail. Die KI hingegen reduziert diesen Aufwand auf lediglich 45 Sekunden bei Kosten von nur 0,03 US-Dollar pro Adresse.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch im allgemeinen Mailaufkommen wider. Laut Daten des Sicherheitsunternehmens Opswat enthalten bereits 82,6 % der Phishing-E-Mails KI-generierte Inhalte. Während die Erstellung einer glaubwürdigen Täuschung durch Menschen früher rund 16 Stunden in Anspruch nehmen konnte, erledigt die KI diese Aufgabe heute in etwa 5 Minuten.

Branchenanalysten von TrendAI berichten zudem, dass 89 % der Finanzinstitute einen Anstieg KI-getriebener Angriffe verzeichnet haben, wobei 41 % der befragten Häuser mindestens einen Sicherheitsbruch erlitten.

Aktuelle Betrugsszenarien im Visier der Verbraucherschützer

Verbraucherschützer warnten erst am 13. August 2026 vor einer spezifischen Kampagne gegen Kunden der DKB. In gefälschten E-Mails wird behauptet, die App-Registrierung laufe am 20. August 2026 ab, was zur Deaktivierung des Online-Bankings führen würde.

Ein integrierter Button leitet die Opfer auf eine gefälschte Webseite weiter. Ähnliche Fälle wurden im Namen der easybank gemeldet, wobei Kriminelle unter dem Vorwand eines unbefugten Kontozugriffs zur Eingabe von Daten in Fake-Formulare auffordern.

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Neben klassischen E-Mails gewinnen hybride Angriffsmethoden an Bedeutung. Die Polizei Südosthessen warnte vor gefälschten Bankbriefen, die QR-Codes enthalten. Diese führen ebenfalls auf manipulierte Login-Seiten und werden teilweise durch Anrufe falscher Sicherheitsmitarbeiter flankiert.

Auch die technische Komplexität nimmt zu: Sicherheitsforscher von Group-IB identifizierten die Malware „WindRelay“, die in Kombination mit Fernzugriff-Trojanern (RAT) sogenannte NFC-Relay-Angriffe ermöglicht. In nur 13 Minuten konnten Angreifer damit Kreditaufnahmen initiieren oder Kartendaten weiterleiten.

Reaktion der Finanzinstitute und regulatorische Anforderungen

Die europäische Bankenaufsicht (ECB) hat bereits im Juli darauf hingewiesen, dass moderne KI-Modelle Schwachstellen schneller ausnutzen können, als menschliche Sicherheitsteams zu reagieren vermögen. Die 110 größten Banken sowie 1.900 kleinere Institute in Europa sind aufgefordert, bis zum 31. Oktober 2026 entsprechende Aktionspläne vorzulegen.

Auf nationaler Ebene reagiert der Bundesverband deutscher Banken differenziert. Verbandschef Herkenhoff betonte am 12. August 2026, dass KI die Institute zwar schneller mache und die Betrugserkennung verbessere, die letzte Entscheidungsgewalt jedoch beim Menschen verbleiben müsse.

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In der EU sind vollautonome KI-Finanzberater derzeit nicht zugelassen. Auch das Bundeskabinett hat mit einem neuen Gesetz gegen Finanzkriminalität reagiert, das den Einsatz von KI und Drohnen zur Verfolgung von Straftätern legitimiert.

Unternehmen wie Equifax setzen bereits auf KI-Triage-Agenten, um etwa 50 % der internen Sicherheitsvorfälle automatisch zu bearbeiten. Um das Risiko für Endkunden zu senken, kündigte Microsoft zudem an, Passkeys ab dem 1. September 2026 standardmäßig zu aktivieren und die SMS-Authentifizierung bis zum 1. Februar 2027 einzustellen.

Experten raten Verbrauchern angesichts der zunehmenden Personalisierung der Angriffe, persönliche Daten im Netz zu reduzieren und verstärkt auf biometrische Merkmale sowie Multifaktor-Authentifizierung (MFA) zu setzen.

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