Phishing-Netzwerk: Google verklagt Betrüger wegen 1,8 Mrd. Euro Schaden
13.06.2026 - 22:46:58 | boerse-global.de
Die Gruppe namens „Outsider Enterprise“ soll die KI Gemini für massenhafte Phishing-Angriffe missbraucht haben. Seit Mitte 2023 sollen Schäden in Milliardenhöhe entstanden sein.
Am 12. Juni reichte Google eine Zivilklage beim Bundesgericht im Südbezirk von New York ein. Die Klage stützt sich auf das RICO-Gesetz gegen organisierte Kriminalität. Laut Klageschrift hat das Netzwerk seit Juli 2023 rund 3,87 Millionen Kreditkartendaten gestohlen. Der Gesamtschaden beläuft sich auf etwa 1,8 Milliarden Euro.
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Phishing als Abo-Modell
Outsider Enterprise betrieb ein Geschäftsmodell namens „Phishing-as-a-Service“. Über Telegram bot die Gruppe Abonnements für Phishing-Kits an – ab 80 Euro pro Woche oder 185 Euro monatlich. Die Pakete enthielten über 290 Vorlagen für betrügerische Webseiten.
Ermittler konnten der Gruppe mehr als 9.000 gefälschte Websites und über eine Million schädliche URLs zuordnen. Besonders aktiv war das Netzwerk bei SMS-Betrug (Smishing): Allein in zwei Wochen im Mai 2026 verschickte es 2,5 Millionen betrügerische Kurznachrichten. Die Angriffe trafen unter anderem Nutzer des New Yorker Mautsystems E-ZPass und die Stadtverwaltung. Mindestens 100.000 Menschen fielen in diesem Zeitraum darauf herein. Ein Richter erließ bereits eine einstweilige Verfügung gegen die Gruppe.
KI treibt Betrugswelle an
Der Fall zeigt eine beunruhigende Entwicklung. Das Volumen von Phishing-Angriffen ist 2026 um das 14-fache gestiegen. Grund ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz: Früher brauchte die Erstellung einer professionellen Phishing-Mail bis zu 16 Stunden – heute nur noch fünf Minuten.
Die Zahlen sind alarmierend: Laut einer Bitdefender-Studie vom 12. Juni sind mittlerweile 82,6 Prozent aller Phishing-Mails KI-generiert. Ein KnowBe4-Report vom Frühjahr 2026 spricht sogar von 86 Prozent. Das Problem: Rund 85 Prozent der Nutzer erkennen KI-generierte Betrugsinhalte nicht als solche.
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Unternehmen und Behörden schlagen zurück
Google arbeitet bei der Verfolgung mit dem FBI und US-Telekommunikationsanbietern wie AT&T, T-Mobile und Verizon zusammen. Ziel ist es, die Infrastruktur der Betrüger zu zerstören. In Washington fordert der Konzern zudem neue Bundesgesetze – darunter den „National Strategy for Combating Scams Act“ – um die rechtlichen Mittel gegen KI-Betrug zu verschärfen.
Technisch rüstet Google auf: Eine neue „Fake Call Detection“ für Android erkennt Spoofing und manipulierte Stimmen in Echtzeit – direkt auf dem Gerät. Der Hintergrund: Interpol schätzt die globalen Verluste durch Telefonbetrug auf über 400 Milliarden Euro. In Deutschland verlor eine Rentnerin in Mannheim durch einen Schockanruf 50.000 Euro.
Parallel zur Klage bleibt die Sicherheitslage angespannt. Oracle veröffentlichte am 13. Juni einen Notfall-Patch für eine kritische Lücke in PeopleSoft-Anwendungen (CVE-2026-35273). Angreifer hatten die Schwachstelle bereits gegen über 100 Organisationen genutzt – vor allem im Hochschulsektor.
