Phishing-Netzwerk zerschlagen: Microsoft und Japan blockieren 100.000 Domains
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 14:24 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn einer koordinierten Aktion haben die japanische Nationale Polizeibehörde, der US-Konzern Microsoft und das Cyber Defense Institute JC3 eine weit verzweigte kriminelle Infrastruktur für Phishing-Angriffe zerschlagen. Die Netzwerke hatten weltweit Privatpersonen und Unternehmen ins Visier genommen.
Nach Ermittlungen, die im Oktober 2025 begannen, erwirkten Microsoft und Partner wie die Organisation Health-ISAC am 8. Oktober 2026 einen Beschluss beim US-Bezirksgericht für den südlichen Bezirk von Florida. Vorausgegangen war eine Zivilklage vom 6. Oktober 2026 gegen mutmaßliche Betreiber.
Die juristische Anordnung ermöglichte die Beschlagnahme und Umleitung zentraler Internet-Domains. Nach Angaben von Microsoft wurden im Rahmen des Einsatzes über 20.000 Konten deaktiviert, die mit dem Online-Marktplatz YAM Store verknüpft waren.
Zudem wurden mehr als 100.000 Domains blockiert, die Kriminelle für Identitätstäuschungen und Betrugsversuche genutzt hatten. Zwischen dem 8. Oktober 2026 und dem 14. Oktober 2026 schaltete Microsoft zudem 34 Domains gezielt ab. Festnahmen wurden bislang nicht bestätigt.
Milliarden betrügerischer Nachrichten seit Jahresbeginn
Nach Erkenntnissen von Microsoft waren die ins Visier genommenen Dienste seit Januar 2026 an der Verbreitung von über einer Milliarde bösartiger E-Mails und SMS beteiligt. Die Angriffe richteten sich gegen mehr als 75.000 Organisationen in über 150 Ländern, schwerpunktmäßig in Japan und den USA, aber auch in Australien und Indien.
Betroffen waren unter anderem Einrichtungen des Gesundheitswesens, Finanzinstitute, IT-Dienstleister und der Großhandel. Allein über 750 Millionen dieser Nachrichten zielten laut Microsoft auf Kunden des eigenen Unternehmens ab.
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Das chinesischsprachige Cybercrime-Ökosystem basierte auf einer arbeitsteiligen Struktur nach dem Modell Phishing-as-a-Service. Der von der Gruppe Storm-3119 betriebene YAM Store fungierte dabei als Marktplatz und Zugangsvermittler.
Dort wurden kompromittierte Umgebungen, Lizenzen, Speicherplatz und Konten von Anbietern wie Google und Microsoft weiterverkauft, die oft aus dem Bildungssektor oder von gemeinnützigen Organisationen stammten. Steven Masada, General Counsel der Digital Crimes Unit von Microsoft, gab an, dass die Drahtzieher mit diesen Aktivitäten zig Millionen US-Dollar einnahmen.
Professionelle Baukästen imitierten Behörden und Unternehmen
Parallel zum Marktplatz wurden Phishing-Baukästen wie CoGUI und Iron Man vertrieben, die der Gruppierung Storm-2990 zugeordnet werden. Nach Angaben des IT-Sicherheitsunternehmens Proofpoint imitierten Vorläufer und Varianten dieser Kits 66 vorwiegend japanische Marken.
Das Werkzeug Iron Man stellte über 2.300 Vorlagen für gefälschte Webseiten bereit, die Institutionen in über 139 Ländern nachahmten. Die betrügerischen Seiten waren Banken, Behörden, Einzelhändlern, Bußgeldstellen und Paketdiensten nachempfunden.
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Technische Mechanismen wie Filter gegen Sicherheitsprüfungen, CAPTCHA-Abfragen und Benachrichtigungen über den Dienst Telegram erleichterten den Tätern den Diebstahl von Zugangsdaten.
Die japanische Polizeibehörde betonte, gemeinsam mit Partnern die Funktionsweise dieser Baukästen teilweise aufgeklärt zu haben. Im September 2026 hatten die Behörde und Microsoft eine Kooperationsvereinbarung zur Bekämpfung von Cyber-Vorfällen geschlossen.
Wie gravierend das Problem ist, zeigen Zahlen der Behörde aus dem Jahr 2025: Damals wurden in Japan rund 2,45 Millionen Phishing-Meldungen registriert, was einem Zuwachs von etwa 740.000 gegenüber 2024 entsprach.
Rund die Hälfte der 2025 entdeckten rund 120.000 gefälschten Internetseiten stammte aus derartigen Baukästen. Ermittler mahnen weiterhin zu grundlegenden Schutzmaßnahmen, raten vom leichtfertigen Anklicken von Verknüpfungen in Nachrichten ab und empfehlen den Einsatz von Mehrfaktor-Authentifizierung sowie Spamfiltern.
