Phishing-Plattform Kratos zerschlagen: BKA und FBI stoppen 15.000 Angriffe
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 08:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsexperten schlagen Alarm: Hochspezialisierte Phishing-Angriffe nehmen massiv zu. Im Visier stehen vor allem UniversitĂ€ten, internationale Organisationen und die RĂŒstungsindustrie. Die TĂ€ter setzen dabei auf Techniken, die selbst die Mehrfaktor-Authentisierung (MFA) aushebeln.
Adversary-in-the-Middle: So funktioniert der neue Angriffsvektor
Analysten von Infoblox identifizierten eine koordinierte Kampagne gegen UniversitĂ€ten, EU-Einrichtungen und UN-Agenturen. Die Angreifer nutzen kompromittierte E-Mail-Konten, um innerhalb vertrauenswĂŒr?iger Netzwerke zu agieren. Besonders perfide: Sie schalten sich als âMann in der Mitteâ zwischen Nutzer und echten Dienst und stehlen Sitzungstoken.
Dr. Renée Burton von Infoblox warnt vor diesen Adversary-in-the-Middle-Techniken (AiTM). Die Angreifer nutzen dabei gezielt VertrauensverhÀltnisse in Beschaffungsprozessen aus.
Die Warnungen hĂ€ufen sich auch regional. Der BĂŒrgerbeauftragte von Rheinland-Pfalz, Martin Haller, meldete gefĂ€lschte E-Mails in seinem Namen â Ziel: Zugangsdaten und Zahlungsinformationen. Die TU Dortmund registrierte eine Phishing-Welle mit dem Betreff âIhr Postfach ist vollâ, teilweise versendet von internen Adressen. In der Ukraine warnte die Nationalpolizei vor E-Mails mit gefĂ€lschten Bildungszertifikaten, die Schadsoftware enthalten.
Erfolg gegen âKratosâ: Behörden zerschlagen Phishing-Plattform
Parallel zu den neuen Angriffswellen gelang ein bedeutender Schlag gegen die CyberkriminalitĂ€t. Das Bundeskriminalamt (BKA), das FBI und indonesische Behörden zerschlugen die Phishing-as-a-Service-Plattform âKratosâ. Die Entwickler wurden in Indonesien festgenommen, ĂŒber 200 Server beschlagnahmt.
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Seit 2024 bediente die Plattform rund 1.800 Kunden und generierte einen Umsatz von etwa 300.000 Euro. Monatlich wickelte âKratosâ schĂ€tzungsweise 15.000 Kampagnen ab â vor allem gegen Microsoft-365-Konten. Auch hier kam die AiTM-Technik zum Einsatz, um MFA-geschĂŒtzte Konten zu ĂŒbernehmen.
Verfassungsschutz warnt RĂŒstungsindustrie vor russischer Spionage
Staatlich gesteuerte AktivitĂ€ten rĂŒcken stĂ€rker in den Fokus. Das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz (BfV) rief RĂŒstungsunternehmen zu erhöhter Wachsamkeit auf. Hintergrund: eine steigende Gefahr durch russische Spionage und Sabotage. Das BfV verwies auf eine veröffentlichte Liste mit 21 europĂ€ischen Drohnenherstellern â darunter drei deutsche Firmen.
Ein Beispiel fĂŒr die technische Raffinesse staatlicher Akteure: die russische Gruppe âLaundry Bearâ (auch Void Blizzard). Seit Juli 2025 nutzt die Gruppe eine SicherheitslĂŒcke in der Zimbra Collaboration Suite (CVE-2025-66376), um Regierungs- und Verteidigungseinrichtungen in Westeuropa und den USA anzugreifen. Bereits das bloĂe Ansehen einer E-Mail reicht aus, um eine Infektion auszulösen â Passwörter und 2FA-Token werden entwendet.
Jede dritte E-Mail ist Betrug: Mobile GerÀte im Visier
Die Bedrohungslage verschÀrft sich auch bei mobilen EndgerÀten. Laut Verbraucherzentrale Sachsen ist mittlerweile jede dritte E-Mail ein Betrugsversuch. Im ersten Quartal 2026 registrierten Experten rund 2,67 Millionen Schadsoftware-Angriffe auf mobile GerÀte. Die Zahl der Android-Banking-Trojaner stieg um 56 Prozent.
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Besonders alarmierend: KI-gestĂŒtztes Phishing umgeht in 54 Prozent der FĂ€lle die Mehrfaktor-Authentisierung. Ein aktuelles Beispiel ist die Kampagne rund um den Banking-Trojaner âLampionâ, der derzeit massiv Organisationen in Portugal angreift. Die Schadsoftware wird ĂŒber ZIP-Archive verbreitet und nutzt Overlays, um Banking-Zugangsdaten abzugreifen.
Experten raten zu verstĂ€rkten Schulungen gegen Social Engineering und zum Einsatz physischer SicherheitsschlĂŒssel. Herkömmliche SMS-Verfahren gelten zunehmend als unsicher â Microsoft plant bereits, die SMS-Authentifizierung bis 2027 vollstĂ€ndig einzustellen.
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