Phishing-Welle: Jede dritte E-Mail ist Betrugsversuch
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 17:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg (CSBW) warnt vor einer signifikanten Zunahme von Phishing-Angriffen, die durch den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) eine neue Qualitätsstufe erreicht haben. Laut aktuellen Berichten führen täuschend echt gestaltete E-Mails zu einer deutlich höheren Erfolgsquote für Cyberkriminelle.
Die Behörde bezeichnet das laufende Jahr 2026 als eine kritische Weichenstellung für die digitale Sicherheit, da sich die Bedrohungslage für öffentliche Institutionen, Unternehmen und Privatpersonen gleichermaßen verschärft hat.
Massive Zuwächse bei Cyberkriminalität in Kommunen
Die von der CSBW veröffentlichten Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Entwicklung. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten Kommunen einen Anstieg der gemeldeten Fälle um 50 %. Besonders drastisch zeigt sich die Entwicklung bei gefälschten Online-Shops, deren Zahl um 1.230 % zunahm.
Auch in anderen Bereichen sind die Wachstumsraten hoch: Die Diebstähle von Passwörtern stiegen um 230 %, während klassische Phishing-Versuche ein Plus von 320 % verzeichneten.
Ergänzend dazu zeigen Daten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), dass mittlerweile jede dritte unerwünschte E-Mail einen konkreten Phishing-Versuch enthält. Diese Entwicklung wird durch neue technische Methoden begünstigt.
Microsoft identifizierte eine Kampagne, die unter dem Namen „ASCII Smuggling“ unsichtbare Unicode-Zeichen nutzt, um herkömmliche Sicherheitsfilter zu umgehen. Nachdem dieser Trend im Februar einsetzte, stieg die Zahl erkannter E-Mails von zunächst 21.000 an einem Tag auf über 1,3 Millionen am Folgetag an, mit Spitzenwerten von mehr als 2,3 Millionen Nachrichten pro Tag.
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Automatisierte Angriffsketten und staatliche Akteure
Ein Bericht der Google Threat Intelligence Group (GTIG) unterstreicht die zunehmende Professionalisierung durch agentische KI. Angreifer nutzen diese Technologie, um vollständige Angriffsketten zu automatisieren.
In einem dokumentierten Fall gelang es einem autonomen Framework, eine Cloud-Umgebung zu kompromittieren und innerhalb von weniger als sechs Stunden eine Kampagne zum Abgreifen von Zugangsdaten durchzuführen. Dabei wurden 23.800 gestohlene Geheimnisse (Secrets) in Echtzeit verwaltet. Laut GTIG experimentieren zudem staatliche Akteure aus China, dem Iran, Russland und Nordkorea mit diesen automatisierten Systemen.
Auch spezialisierte Dienstleister im Bereich Cyberkriminalität rüsten auf. Das als „BigBear 2.0“ bekannte Phishing-as-a-Service-Modell nutzt ein Framework, das Multi-Faktor-Authentifizierungen (MFA) umgehen kann. Laut Sicherheitsforschern von CloudSEK waren davon bereits 258 Organisationen betroffen. Insgesamt wurden über 5.137 Zugangsdatensätze sowie tausende Sitzungs-Cookies exfiltriert.
Deepfakes und gezielte Investment-Betrugsmaschen
Neben der technischen Skalierung nimmt die psychologische Manipulation durch KI-generierte Inhalte zu. In Kärnten verlor ein 48-jähriger Mann einen Betrag von mehreren zehntausend Euro, nachdem er auf eine Investment-Werbung reagiert hatte. Diese basierte auf einer täuschend echten, KI-generierten Nachrichtensendung mit einem bekannten Moderator.
Die Zahlungen erfolgten in mehreren Tranchen über die Plattformen ortexgruppepros.com und Tokenum.io. Ähnliche Fälle von „Celebrity Love Scamming“ betreffen Privatpersonen, denen mit KI-generierten Fotos oder Videos prominente Persönlichkeiten wie Elon Musk oder Brad Pitt vorgegaukelt werden. In Baden-Württemberg verlor eine Betroffene dadurch 12.000 Euro, während in Frankreich ein Schaden von 800.000 Euro gemeldet wurde.
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Phishing-Wellen gegen Steuerzahler und Unternehmen
Aktuell kursieren zudem gefälschte Nachrichten im Namen des Steuerportals ELSTER, die eine angebliche Erstattung von 5.626,00 Euro für das Jahr 2025 versprechen. Ziel ist es, die Empfänger dazu zu bewegen, ihre Online-Banking-Zugangsdaten auf einer präparierten Seite einzugeben. Die Oberfinanzdirektion Karlsruhe stellte hierzu klar, dass die Finanzverwaltung niemals sensible Daten per E-Mail anfordert.
Auch Nutzer der easybank werden derzeit mit Fristen bis zum 15.09.2026 unter Druck gesetzt, um ihre Mobilfunknummer für eine vermeintliche Zwei-Faktor-Authentifizierung zu bestätigen. Für Unternehmen warnt die IHK für Oberfranken Bayreuth vor der Kampagne „Kali365“, die gezielt Microsoft-365-Konten angreift und dabei teils bestehende Sicherheitsvorkehrungen überwindet.
Experten und Behörden raten dringend dazu, Links in unangeforderten Nachrichten nicht zu öffnen und offizielle Banking-Apps oder Portale direkt anzusteuern. Bei Verdacht auf Unregelmäßigkeiten sollten Kontozugriffe geprüft und Device-Code-Einstellungen in Unternehmensumgebungen eingeschränkt werden.
