Pilzprotein Fermotein: EU lÀsst neuartiges Lebensmittel zu
19.06.2026 - 02:30:37 | boerse-global.de
Am 18. Juni 2026 begrĂŒĂte die COPLANT-Studie ihre 3.000. Teilnehmerin in Heidelberg. Das Projekt gilt als eine der umfassendsten Studien ihrer Art.
Beteiligt sind das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR), das Max Rubner-Institut sowie die UniversitĂ€ten Jena, Bonn, Heidelberg, Regensburg und Wien. Die Forscher untersuchen die Auswirkungen verschiedener ErnĂ€hrungsformen â von vegan ĂŒber vegetarisch bis hin zu omnivor. Daten sammeln sie per App und durch Biomarker in Blut- und Urinproben.
ErnÀhrung und Hormone im Fokus
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Eine weitere Studie, veröffentlicht im Juni 2026 im Fachjournal JAMA Network Open, beschÀftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Antibabypillen und Essverhalten. Forscher der Michigan State University befragten 422 Teilnehmerinnen zwischen 15 und 30 Jahren. Ergebnis: Die Einnahme kombinierter Pillen könnte emotionales Essverhalten verstÀrken. Die Autoren vermuten individuelle genetische Dispositionen als Ursache.
Fraunhofer macht Schalen zu Ballaststoffen
In der Lebensmitteltechnologie gibt es Fortschritte bei der Nutzung pflanzlicher Reststoffe. Das Fraunhofer-Institut fĂŒr Verfahrenstechnik und Verpackung stellte Mitte Juni Ergebnisse des Projekts âLeguFiberâ vor. Aus Schalen und RĂŒckstĂ€nden von Erbsen, Ackerbohnen und Soja gewinnen die Forscher hochwertige BallaststoffprĂ€parate.
Diese können bis zu 25 Prozent des Mehls in Backwaren ersetzen. Und sie sind deutlich gĂŒnstiger als herkömmliche Citrusfasern.
Pilzprotein erhÀlt EU-Zulassung
Ebenfalls am 17. Juni 2026 gab es grĂŒnes Licht von der EU-Kommission fĂŒr âFermoteinâ. Die Zutat des Unternehmens The Protein Brewery basiert auf Pilzmyzel (Rhizomucor pusillus). Nach sechs Jahren PrĂŒfung ist das Produkt nun als neuartiges Lebensmittel (Novel Food) zugelassen.
Fermotein besteht zu etwa 50 Prozent aus Protein und zu 30 Prozent aus Ballaststoffen. FĂŒr 2027 plant das Unternehmen eine ProduktionskapazitĂ€t von 600 Tonnen, bis 2029 soll sie auf ĂŒber 2.000 Tonnen steigen.
EU lockert Regeln fĂŒr Genomeditierung
Ein wegweisender Beschluss fiel am 17. Juni 2026 im EU-Parlament: Die Regulierung Neuer Genomischer Techniken (NGT) wird neu gefasst. KĂŒnftig sollen Pflanzen primĂ€r nach ihren Eigenschaften bewertet werden â nicht nach der ZĂŒchtungsmethode.
FĂŒr Pflanzen der Kategorie NGT-1 (maximal 20 genomische Ănderungen) entfallen ab 2028 Kennzeichnungspflicht und gesonderte RisikoprĂŒfung. StĂ€rker modifizierte Pflanzen (NGT-2) wie herbizidresistente Varianten bleiben strengen GVO-Regeln unterworfen.
WirtschaftsverbĂ€nde begrĂŒĂen den Beschluss als StĂ€rkung von Innovation und Versorgungssicherheit. VerbĂ€nde wie Bioland warnen dagegen vor steigenden Lebensmittelpreisen durch Patentierungen und einem Verlust der Wahlfreiheit fĂŒr Verbraucher.
Bio-Betriebe sparen Klimafolgekosten
Die TU MĂŒnchen hat die langfristigen Effekte ökologischer Landwirtschaft untersucht. Die auf zehn Jahre angelegte Studie zeigt: Bio-Betriebe vermeiden jĂ€hrlich Klimafolgekosten von 750 bis 800 Euro pro Hektar. Hochgerechnet auf die deutsche Ăko-FlĂ€che entspricht das einer Ersparnis von rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Bodenpilze als Klimaretter
Eine im Juni 2026 in Science veröffentlichte Modellrechnung unterstreicht die globale Bedeutung von Bodenpilzen. ArbuskulĂ€re Mykorrhizapilze bilden Netzwerke mit einer geschĂ€tzten GesamtlĂ€nge von 110 Billiarden Kilometern. Sie binden jĂ€hrlich etwa 3,9 Milliarden Tonnen CO?-Ăquivalente.
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Allerdings: In landwirtschaftlich genutzten FlĂ€chen ist die Dichte dieser Pilznetzwerke um 47 Prozent geringer als in natĂŒrlichen Graslandschaften.
Covestro erhĂ€lt Millionen fĂŒr biobasiertes Anilin
Die EU fördert zudem die Dekarbonisierung chemischer Grundstoffe. Covestro erhĂ€lt fĂŒr das Projekt âBio4PURContiâ 7 Millionen Euro. Ziel ist die kontinuierliche Produktion von biobasiertem Anilin aus pflanzlichem Kohlenstoff. Das Vorhaben ist auf 42 Monate ausgelegt.
