Pink, Noise

Pink Noise: Studien deuten auf weniger REM-Schlaf durch GerÀusche hin

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Schlafmarkt expandiert, doch Fachleute sehen Grenzen bei Luxusbetten, Trackern und PrÀparaten und betonen bewÀhrte Schlafgewohnheiten.
Ein minimalistisch eingerichtetes Schlafzimmer in den frĂŒhen Morgenstunden mit weichem Tageslicht und neutraler BettwĂ€sche. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle FachbeitrĂ€ge widmen sich verstĂ€rkt dem Einfluss von Schlaf auf das allgemeine Wohlbefinden und analysieren dabei sowohl natĂŒrliche AnsĂ€tze als auch das dynamische Wachstum der sogenannten Sleep Economy.

Der weltweite Markt fĂŒr schlaffördernde Produkte und Dienstleistungen wird laut Branchenberichten auf ĂŒber 580 Milliarden US-Dollar geschĂ€tzt und soll bis zum Jahr 2030 auf mehr als 800 Milliarden US-Dollar anwachsen. Insbesondere das Segment smarter Schlaftracker verzeichnet jĂ€hrliche Wachstumsraten von ĂŒber 15 Prozent.

Luxusausstattung und der tatsÀchliche Nutzen

Mit dem Marktwachstum steigt auch das Angebot an hochpreisigen Schlafprodukten. So wird das Bettmodell „Grand Vividus“ des Herstellers HĂ€stens in MĂŒnchen zu Preisen zwischen 665.990 und 900.000 Euro angeboten. Derartige Summen garantieren jedoch nicht automatisch eine bessere Nachtruhe.

Dr. Christine Blume von der UniversitĂ€t Basel weist darauf hin, dass man guten Schlaf nicht kaufen könne. Zwar verringere ein höherer sozioökonomischer Status statistisch das Risiko von Insomnie, dies sei jedoch vor allem auf begleitende Faktoren wie ruhigere Wohnlagen mit weniger LĂ€rmbelastung sowie ein höheres Bildungsniveau zurĂŒckzufĂŒhren.

Auch Dr. Anne Latz von der Uniklinik Köln ordnet den materiellen Aufwand ein: Investitionen seien vor allem bei einer soliden Matratze und einem passenden Kissen sinnvoll. Ab einem mittleren QualitĂ€tsniveau flache der funktionale Nutzen allerdings rasch ab; bei fĂŒnf- bis sechsstelligen Bettenpreisen werde primĂ€r ExklusivitĂ€t bezahlt.

Aus hygienischen und ergonomischen GrĂŒnden empfiehlt Latz, Matratzen nach 8 bis 10 Jahren und Kissen alle 1 bis 2 Jahre auszutauschen. Zudem relativiert die Schlafforschung ĂŒberzogene Erwartungen an die Schlafarchitektur: Tiefschlaf macht im Durchschnitt nur rund 20 Prozent der Nacht aus, wĂ€hrend der Leichtschlaf bei etwa 70 Prozent liegt.

Smarte Technologien und verÀndertes Konsumverhalten

Das Interesse an Schlafoptimierung spiegelt sich deutlich im Konsumverhalten jĂŒngerer Zielgruppen wider. Bei der Plattform 29CM stieg der Transaktionswert fĂŒr BettwĂ€sche und Matratzen bei den 20- bis 30-JĂ€hrigen im Jahr 2025 um 51 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr, wĂ€hrend sich die UmsĂ€tze fĂŒr SchlafanzĂŒge und Homewear mehr als verdoppelten.

Gleichzeitig drĂ€ngen technologiegetriebene Lösungen auf den Markt. Kyungdong Navien stellte mit AISleep einen „AI Sleep Mode“ vor, der die Temperatur der Matratze automatisch an die jeweilige Schlafphase anpasst.

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Das Unternehmen Coway wiederum kombinierte bei seiner „Virex R-Serie“ ein verstellbares Motion Bed mit einer Dehnungsfunktion, die den Lendenbereich um bis zu etwa 70 Zentimeter anheben kann.

Auch Wellness- und Tourismusanbieter greifen den Trend auf: Die Einrichtung Saryuwon begrenzt ihre tÀgliche Besucherzahl auf 350 GÀste, wÀhrend das WE Hotel Jeju medizinische Spa-Behandlungen auf 350 Metern Höhe anbietet.

Risiken von Trackern, GerÀuschen und NahrungsergÀnzung

Trotz fortschrittlicher Funktionen bergen digitale Schlaf-Tracker Risiken. Fachleute verweisen auf die Gefahr von Orthosomnia, einer ungesunden Fixierung auf das Erreichen eines optimalen Schlaf-Scores. FĂŒr das Raumklima raten Experten zu einer Luftfeuchtigkeit von 40 bis 50 Prozent sowie einer Raumtemperatur von unter 70 Grad Fahrenheit.

WĂ€hrend KĂŒhlmatratzen beispielsweise bei Beschwerden in den Wechseljahren Linderung verschaffen können, zeigt sich bei akustischen Hilfsmitteln ein differenziertes Bild: Weißes Rauschen ist vor allem dann nĂŒtzlich, wenn störender LĂ€rm von außen ĂŒberdeckt werden muss. Bei sogenanntem Pink Noise deuten Studien darauf hin, dass es den REM-Schlaf reduzieren kann.

Vorsicht mahnen Mediziner auch bei pharmakologischen und pflanzlichen Mitteln an. Park Jung-hoon, Neurologe am Incheon Himchan General Hospital, betont, dass Melatonin zwar bei Jetlag oder Störungen des circadianen Rhythmus wirksam sei, bei chronischer Insomnie infolge von Stress oder AngstzustÀnden jedoch nur begrenzte Effekte zeige.

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Oh Yun-jung, Psychiaterin am Daelim St. Mary's Hospital, warnt zudem davor, pflanzliche Melatoninprodukte unkritisch einzunehmen. Viele dieser PrÀparate seien rechtlich als Lebensmittel und nicht als Arzneimittel eingestuft; ein rein pflanzlicher Ursprung bedeute keineswegs automatische Sicherheit oder Wirksamkeit.

Zu den möglichen Nebenwirkungen zĂ€hlen Kopfschmerzen, Schwindel, TagesschlĂ€frigkeit und Übelkeit, zudem fehle es an Langzeitdaten. Auch bei Substanzen wie Ashwagandha und Kava können in seltenen FĂ€llen LeberschĂ€den auftreten.

Fachleute betonen daher den Vorrang klassischer Schlafhygiene: Feste Schlafenszeiten und Aufstehzeiten, der Verzicht auf Mahlzeiten innerhalb von drei Stunden vor dem Zubettgehen sowie die Reduktion von Bildschirmzeit und hellem Licht ein bis drei Stunden vor dem Schlafen bilden das Fundament.

Körperliche AktivitĂ€t am Tag und ein bewusster Umgang mit Koffein unterstĂŒtzen den natĂŒrlichen Rhythmus. Technische Gadgets können Barrieren senken, ersetzen die persönliche Verhaltensdisziplin jedoch nicht.

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